10 Jahre "Zwischenstadt" ... und nichts dazu gelernt? Die neue Ausgabe widmet sich mit Beiträgen einem Jubiläum besonderer Art: Dem 10. Jahrestag des Erscheinens eines Buches, das Kontroversen auslöste, Hoffnungen weckte und Sichten veränderte. Doch hat es auch praktische Auswirkungen gezeitigt?
Mit einem Geniestreich legte Thomas Sieverts 1997 jenes Buch vor, das dem "Etwas" zwischen Ort und Welt, Raum und Zeit, Stadt und Land einen griffigen, jedoch auch widersprüchlichen Namen gab. Damit bekam dieses "Etwas" ein deutschsprachiges Pendant zum amerikanischen Sprawl. Dies ist ganz zweifelsohne ein bleibendes Verdienst des Autors: Dem "Unland" außerhalb der Kernstädte und Dörfer nicht nur einen Namen gegeben zu haben sondern diesen Raum überhaupt aus der (deutschen) Namenlosigkeit geholt zu haben. Erst mit einem Namen kann eine konkrete Auseinandersetzung beginnen. Dies ist zudem einer der wenigen innovativen Beiträge der deutschen akademischen Welt zur internationalen Debatte um das Thema Suburbanisierung, der Beachtung fand, ohne jedoch tatsächlich Eingang in das Fachvokabular jenseits von Rhein unnd Oder gefunden zu haben. Sprawl hingegen ist zu einem weltweiten Erklärungs- und Kampfbegriff in der wissenschaftlichen und praktisch planerischen Debatte um die Zersiedlung der Landschaft avanciert. Dies tut dem Buch keinen Abbruch. Es ist jenseits der treminologischen Bedeutung ein Planungsstandardwerk gewerden, das den Wissensstand zur Stadt- und Regionalplanung der späten Industriegesellschaft umreißt und somit den Charakter eines Kompendiums erlangt hat....lesen Sie mehr.
Bericht über einen Tag in zwei „Vor-Städten des 21. Jahrhunderts“ in Mumbai
(18. Februar 2007)New York ist nicht Amerika, doch ohne New York ist Amerika nicht zu verstehen. Bombay ist nicht Indien, doch ohne Bombay hat man Indien nicht gesehen. Bombay (Mumbai) ist eine Stadt der Moderne. Sie ist von „Geburt an“ eine künstliche Ansiedlung, dem Meer abgewonnen und immer wieder modernisiert. Sie ist das Sinnbild des Subkontinents, dessen ökonomisches Herz und zugleich eine Stadt der Superlative, ohne die typischen Merkmale einer Global City im Erscheinungsbild aufzuweisen. Bombay ist nicht New York. ...lesen Sie mehr.
Galt noch vor 100 Jahren das frei stehende Haus im „Grünen“, an einer geschwungenen Strasse wohl platziert und in ansprechender Gestaltung ausgeführt, vor den „Toren“ der Stadt gelegen, mit Bahnanschluss ins Zentrum der alten Stadt, als Ideal bürgerlichen Wohnens. Die Gartenstadt-Bewegung propagierte seit ihrer Gründung in dieser Zeit jenes Ideal auch für die breiten Bevölkerungsschichten – ein Traum des guten Wohnens sollte sich als gesellschaftliche Medizin zur Heilung von den Unbilden der Urbanisierung und Industrialisierung erweisen. Was auch in Ansätzen gelang. Dies war das gestalterische und soziale Modell für die gezielte, neue Suburbanisierung, die das Wachstum der Städte dezentralisieren sollte: das Paradigma der modernen Stadtplanung war geboren. ...lesen Sie mehr

Harald Bodenschatz
Wenn wir das alles gehört haben, was Barbara Schönig präzise nicht nur zusammengefasst, sondern auch verantwortungsvoll und nüchtern bewertet hat, dann können wir uns zufrieden und selbstgerecht zurücklehnen: Europa ist anders. Unser Euro-Sprawl ist nicht so schlimm, wir haben die Probleme der USA ja nicht. Warum sollten wir uns dann mit den Debatten dort beschäftigen, die doch zuweilen merkwürdige Konturen annehmen, die eben typisch amerikanisch sind. Und wenn wir dann noch die Alternativen zum Sprawl betrachten, die uns dort zugemutet werden, das beleidigt ja unsere europäischen Augen. Da schauen wir lieber schnell weg, da hören wir weg, wir sind sowieso besser!