Das Tiergarten Dreieck diskutiert am 28.11.2005 anhand der Kriterien der CEU D Charta - III.

Stadtquartiere, Stand 15.8.2005
Diskussion 28.11.2005
Input für die Diskussion von Susanne Klar

Kriterium Beschreibung Tiergarten Dreieck
Quartierszusammenhang Stadtquartiere verkörpern das Zusammenspiel vielfältiger privater Nutzungen und einen darauf bezogenen gut gegliederten öffentlichen Raum, Gebäude und sonstige Anlagen verstehen sich als originärer Bestandteil der nachbarschaftlichen Quartiersgesamtheit

Wichtiger ist der Bezug zur Nachbarschaft als der Zusammenhang des Gebietes selbst. Ein Quartier besteht nicht nur aus einem Block. Der Quartierszusammenhang sollte sich nicht am Block orientieren sondern am Straßenraum.
Es ist eine Definition erforderlich, was wir unter gated community verstehen.
Durch die urbane Nutzungsmischung Wohnen, Arbeiten und Freizeit gruppiert um einen gemeinsam genutzten Innenhof wird der Quartierszusammenhang hergestellt.
Das Nutzungskonzept ist zwar elitär, aber an dieser Stelle als Teil des wiederbelebten Diplomatenviertel stimmig und angemessen.
Der öffentliche „Straßen“-raum wurde wieder gefasst.
Der bisher heterogene, überwiegend durch Einzelarchitekturen geprägte Raum wird strukturiert.
Das Quartier bildet in sich eine abgeschlossene Einheit, fügt sich aber an die Nachbarschaft ein und gibt dem Ganzen ein Gewicht/Erdung.
Kritik:
Frage nach der Erforderlichkeit der Nutzungsmischung für das Gebiet selbst? Haben sie überhaupt miteinander zu tun?
Bemängelt wird das keine Einzelhandelsstruktur etabliert werden konnte.
Insellage des Gebietes, da es sich nicht auf die Straßen bezieht, sondern nur auf den Block selbst.
Klingelhöferstraße als unüberwindbare Barriere, die Nutzungen sind zu wenig städtisch und bieten keinen Anlass dort entlang zu gehen.
Die Stülerstraße wurde zu wenig beachtet. Hier hat man bisher die Chance verpasst, diese zurückzubauen und ihr eine Fassung zu geben.
Die Sinnfälligkeit der öffentlichen Zugänglichkeit des Pocketparkes wird hinterfragt. Es gibt eigentlich kein Anlass dafür. In vergleichbaren noblen Anlagen in London werden Gärten ausschließlich von den Anliegern selbst genutzt.
Dem Gebiet wird oft der Vorwurf gemacht, eine gated community zu sein. Dies bedarf einer Definition. Das Tiergarten Dreieck ist zwar ausschließlich für besser Verdienende, („dazu kann man stehen“) aber keine gated community.


 
Identität des Ortes
ist im soziologischen Sinne falsch, da eine Ort keine Identität haben kann.
Treffender ist der Genius loci.
Städtebau, Architektur und Landschaftsgestaltung berücksichtigen die spezifische Situation d. Ortes
Die Betrachtung darf sich nicht nur auf einen kleinen Ausschnitt beziehen sondern muss einen weiteren Bereich umfassen. (nicht Lupenschau sondern das Gesamtprofil des Gebietes betrachten)
Entwurf von Machleidt und Stepp orientiert sich am Leitbild der kritischen Rekonstruktion, ist bezogen auf die historischen Strukturen (Parzellenstruktur im Diplomatenviertel und Baustruktur des Gebietes) und interpretiert diese neu.
Die klassische Baustruktur der Blockrandbebauung wird durch die Gassen aufgelockert, so dass Einzelhäuser als moderne Interpretation des Stadthauses entstehen.
Freiraumgestaltung (siehe weiter unten)
Architektur im
städtebaulichen Kontext
Urbane Architektur ist vielfältig und respektiert den städtebaulichen Kontext, Einzelobjekte fügen sich in die städtebauliche „Grammatik“ ein und tragen zur Profilierung bei.

Es stellt sich die Frage wie individuell und vielfältig die Architektur sein darf. Gerade die deutschen Architekten sperren sich häufig gegen Gestaltvorgaben und wollen sich nicht unterordnen.
Zur Straße sind Gestaltprinzipien einzuhalten, der Straßenraum sollte für „jedermann erträglich“ sein.
Hierbei ist allerdings nach der Bedeutung des Gebietes zu differenzieren.
Workshopverfahren mit 8 Büros nach dem Leitbild „Vielfalt in der Einheit“. Ziel die individuellen Entwürfe sollten sich in die Gesamtheit einfügen.
Um die Einheit zu waren gab es minimale Gestaltvorgaben aus dem Entwurf aber auch aus Gestaltungsrunde:
• einheitliche Traufhöhe,18 m, 5 Geschosse
• Dachausbildung, Flachdacher zurückgenommen Technikaufbauten
• Herausbildung der Erdgeschosszone als Sockelgeschoss,
• Horizontale und vertikale Gliederung der Gebäude,
• Materialien und Farbe,
• Straßenmöblierung
Parzelle als Stadtbaustein Eine, dem Stadtgefüge angepasste Parzellierung, trägt zu städtebaulichen Ordnung und Ausdifferenzierung bei und begünstigt Nutzungsvielfalt u. Flexibilität


Einer kleinteiligen Parzellenstruktur stehen oft wirtschaftliche und oder technische Erfordernisse entgegen. (Negativbeispiel Potsdamer Platz) Außerdem ist diese Frage mit den Eigentümerstrukturen und dem Investor verknüpft.






 

darauf basiert das Grundprinzip des Entwurfes


allerdings mussten Parzellen für die Tiefgaragen zusammengefasst werden.
 

Fußgängerfreundliche Straßen und Plätze Straßen und Plätze sollen sicher für alle nicht motorisierten Benutzer sein, bequem zu nutzen, aufenthaltsfreundlich und atmosphärisch anregend sein. Rückbau der Klingelhöfer Straße
Vorher 4 Spuren je Richtung und Parksteifen, umgestaltet mit einer durch Baumstreifen abgegrenzten Begleitspur als Erschließung
Verkehrsberuhigung Corneliusstraße
 
Gestaltung
öffentlicher Raum
 
Gute Gestaltung von Straßen, Plätzen und öffentlichen Grünanlagen leistet einen Beitrag für den sozialen Zusammenhalt und die Bewahrung des kulturellen Erbes der Stadt, als auch zur Qualifizierung eines zeitgemäßen Erscheinungsbildes und Nutzungsprofils. Kingelhöferstraße erhielt neue Dimensionierung, das Alleenthema wurde wiederbelebt.
Entwurf Corneliusstraße
• Linearere Spielplatz entlang der Uferpromenade,
• Skulpturenboulevard gestaltet mit Wassersteinen „Fluss-Stationen“ als ortsspezifische Elemente, Die Steine sind begehbar und bespielbar Granitblöcke.
• Formale Gestaltung der Baumreihe mit kastenförmig gezogener Linden
Straßenbeleuchtung war lange Thema der Gestaltungsrunde
Durch die Gestaltung der Straßenräume wird der gewünschte repräsentative Charakter der Gebäude unterstützt
 
Zugänglichkeit
öffentlicher Räume
 
Einfache öffentliche Zugänglichkeit in Verbindung mit sozialer Aufmerksamkeit begünstigt die Aufenthaltsqualität, Aneignungsfähigkeit und Sicherheit öffentlicher Räume, Erforderlichkeit werterhaltende Ausstattung und kontinuierliche Pflege, möglichst unter Mitverantwortung der Anlieger Hier anderes Thema: Nutzer haben ein hohes Sicherheitsbedürfnis. Frage nach Sicherheit trotz öffentlicher Zugänglichkeit.
Dies betrifft den halböffentlichen Raum des Pocketparks. Er ist auf Wunsch des ehemaligen Bezirkes Mitte öffentlich zugänglich und soll als Teil der Grünvernetzung fungieren. Nachts werden die Tore der Gassen geschlossen.
An der Anlage und Pflege sind alle Anlieger finanziell beteiligt sind.
Besser keine öffentliche Zugänglichkeit, dies würde die Nutzbarkeit durch die Anlieger verbessern.
 
Öffentliche Gebäude erfordern angemessene besondere Standorte, ihnen gebührt eine herausgehobene Präsenz und Form, wenn sich ihre Rolle wesentlich von der anderer Gebäude unterscheidet. CDU –Verbandsgebäude ist zwar kein öffentliches Gebäude aber öffentlichkeitswirksam und prominent. An der prägnanten Ecke gelegen „durfte“ es hinsichtlich Kubatour und Material abweichen, stellt eine Ausnahme, in der Einheit dar, städtebauliche Dominante von PPP


Kontroverse Diskussion zum Gebäude.
 

Bestandspflege Vorhandene Ressourcen durch Erhalt, Umbau und Umnutzung von Bestandsgebäuden nutzen und die räumliche Prägung d. Ortes bewahren


Es stellt sich die Frage, ob dies nicht rigider formuliert werden sollte und wenn müssen die Bestandsgebäude auf die man sich bezieht genauer definiert werden.

Dies war hier nicht vorrangig das Thema, Integration der Villa Rauchstraße
Villa Rauchstraße Parzellenstruktur ist aufgenommen worden
 

Der Umgang mit dem Bestand ist unbestimmt.
 

Gärten in der Stadt als unverzichtbarer Bestandteil des Wohn- und Arbeitsumfeldes Gestaltung der Freiflächen von Müller, Wehberg
Der Pocketpark als verbindendes Element mit dem halböffentlichen Charakter. Rundweg oberer Ebene, zweite Ebene gesenkt. Baumgruppe und Heckengärten rot und Blau blühend
Der private Arkadenhof im hochwertigen Wohnen sehr formal geometrisch streng nach dem Vorbild eines Klostergartens gestaltet.
Darüber hinaus haben die Gebäude kleine Höfe, zum Teil hochgelegt über den Tiefgaragen.
Es wird positiv hervorgehoben, dass solche zusammenhängenden nutzbaren Gartenräume entstanden sind.
 
Umweltbewusste Gebäudetechnologie

Der ökologische Ansatz darf sich nicht nur auf Gebäude beziehen sondern muss weiter gefasst werden.
 

beinhaltet einen selbstverständlicher Ansatz ressourcenschonende und regenerative Energie nutzende Gebäudetechnik Kein vorrangiges Thema, im Workshop Offenheit für schlüssiges ökologisches Konzept. Allerdings wurden nur Standards angeboten.
Ausnahme CDU Gebäude, Entscheidung dafür spielte der Ansatz des „intelligenten Gebäudes“ eine Rolle.
Der riesige Wintergarten als begrünter begehbarer Aufenthaltsraum hat die Funktion einer Klimahülle. Im Sommer Wärmeschutz im Winter wärmdämmend und heizkostensparend, gleichzeitig Schallschutz.
Die Vor-Ort Versickerung, Freihaltung der Innenhoffläche (Pocketpark) von Unterbauung und Dachbegrünung
 

Susanne Klar, 29.11.2205

 

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