C.E.U.D – Tagung in Worms und Rhein – Neckar
vom 08./09.04.2005


Thema: Wohnquartier & Metropole –
Herausforderungen für die Stadtregion

- Eine Berichterstattung -

Tagungsprotokoll von Dipl.-Ing. Marcus Schowalter, Raum- und Umweltplaner, Worms

Sehr geehrte „Die neue Stadt“ - Leserschaft!
„Es geschehen noch Zeichen und Wunder“ in der geschichtsträchtigen Stadt Worms! Nach langem „Dornröschenschlaf“ befindet sich Worms nun schon seit einiger Zeit in einer immensen Stadtumbauphase.

Sehr interessiert verfolgte ich die Pressemitteilung, dass sich Fachleute aus Stadt- und Regionalplanung, Landschaftsarchitektur, Architektur und Soziologie zu einer Fachtagung über Stadt- und Regionalentwicklung in meiner Heimatstadt zusammen finden möchten!
Als Raum- und Umweltplaner nahm ich dies sofort zum Anlass, mich ausreichend im Internet auf der entsprechenden Homepage über das C.E.U.D. zu informieren und mir eine Reservierung der Teilnahme zu sichern. Noch unwissend davon, dass sich das Council for European Urbanism als deutscher Teil eines europaweiten Netzwerkes versteht, welches sich für die nachhaltige Entwicklung und Erhaltung unserer Städte und Regionen einsetzt, wurde mir schnell bewusst, warum man sich für Worms entschieden hatte. Da die historische Stadt am Rhein (Nibelungen-, Luther- und Freie Reichsstadt) innerhalb des letzten Jahrhunderts als Bindeglied zwischen den Großregionen Rhein – Main und Rhein – Neckar eine schwierige Rolle innehatte und derzeit auch einige städtebauliche Fehlentwicklungen zu bewältigen hat, kam dieses Event, aus meiner fachlichen Sichtweise, wie gerufen. Leider war die Resonanz von Seiten ortsansässiger Architekten und Planer eher ernüchternd.

Interessiert und motiviert folgte ich den zahlreichen fachlich untermauerten Vorträgen am 08.04.2005 im Prinz-Carl-Hotel zu Worms und brachte mich auch aktiv in die Diskussion ein.
Den Anfang machte, nach kurzem Kennen lernen, einer der beiden Tagungsleiter, Prof. Wolfgang Christ von der Bauhaus Uni Weimar. Danach sprach Dr. Harald Kegler vom Labor für Regionalplanung im Ferropolis bei Dessau. Die beiden, die, neben weiteren, als Hauptinitiatoren des C.E.U.D. gelten, hatten somit durch ihre Begrüßung die Tagung eröffnet. Danach sprach Bürgermeister Büttler aus Worms in Vertretung für den terminlich leider verhinderten OB Kissel einige Worte über die Wormser Geschichte, offensichtlich schon in Vorahnung darauf, dass
Dr. Bönnen, ein Vertreter des Stadtarchivs seinen angekündigten Vortrag über das bereits erwähnte schließendlich aus bisher ungeklärten Gründen nicht halten konnte. Nach den drei Kurzvorträgen musste sich das Gremium, aufgrund der schon vorangeschrittenen Zeit in zwei kleinere Gruppen aufteilen, die sich, geführt von zwei Stadtführerinnen auf den Weg durch das geschichtliche und auch „neuere“ Worms machten……
Nachdem sich die Gruppen, geprägt durch zahlreiche interessante Eindrücke der Stadt wieder im Hotel eingefunden hatten, konnte es dann nach einer ausgedehnten Kaffeepause auch sofort weitergehen mit dem nächsten Vortragsblock.


Zunächst sprach Jürgen Schultheis von der Frankfurter Rundschau über die Probleme und Chancen der verschiedenen Regionalmodelle Rhein – Main.
Dr. Schubert, Projektleiter der Initiative „Zukunft Rhein – Neckar – Dreieck“ von der BASF bekam danach die Möglichkeit über seine innovative – („was sich auch noch im Zuge der am nächsten Tag geplanten Exkursion und der Begutachtung zahlreicher Projekte herausstellte“) – Beschäftigung für Arbeit und „Urban Plus“, einer von ihm gegründeten Allianz für Wohnen, Umwelt und Beschäftigung im Rhein-Neckar - Dreieck zu referieren.

Im Zuge der darauf aufbauenden Diskussion konnte sich nun auch jeder Teilnehmer aktiv mit einbringen und seine Anliegen und Anregungen zu dem bereits Gehörten beisteuern.
Dabei kam man zu einigen interessanten Ergebnissen, wie dem Fehlen eines „Leitbildes“ für die Region Rhein – Neckar. Auch seien die Chancen und Problem beider Regionen nicht zu vergleichen, da es z.B. innerhalb der polyzentrischen Struktur des Rhein – Maingebietes nicht zuletzt auch aufgrund großer „Diskrepanzen“ (z.B. zwischen Frankfurt und Offenbach oder Mainz und Wiesbaden) zu einigen „Einigungsproblemen“ kommt und es dort eine Vielzahl von Vereinigungen für Regionalentwicklung gibt, die nicht wirklich „an einem Strang ziehen“. Der Versuch eines gemeinsamen Regionalparks Rhein – Main sei aber sicherlich ein erster „Gehversuch“ in die richtige Richtung! „Miteinander, statt gegeneinander“ sei die Leitthese, die man überall verfolgen solle! Die Beispiele der „Initiative Zukunft Rhein – Neckar – Dreieck“ gingen da schon eher in eine gemeinsame Richtung, wie es aus dem Vortrag von Herrn Dr. Schubert herauszuhören war, sicherlich nicht zuletzt aufgrund des starken Einflusses der BASF, die in diesem Prozess die Hauptrolle spielt. In Übereinstimmung aller Beteiligten kam man abschließend zu dem Ergebnis, dass es kein einheitliches Patentrezept für alle deutschen Stadtregionen gibt, jedoch das Streben nach Zusammenschluss zu Metropolregionen ein wichtiger Punkt sei, um im gesamteuropäischen Kontext auf Dauer bestehen zu können.
Das abschließende Abendessen umrahmt von rheinhessischen und Pfälzer Weinen muss sicher ein kulinarischer Genuss gewesen sein, wie mir am nächsten Morgen berichtet wurde….“dies kann ich wohl nachvollziehen!“


Samstag, 09.04.2005: Exkursion ins Rhein – Neckar –Dreieck:


Obwohl das Wetter eher regionsuntypisch war (..„wir sind doch etwas sonnenverwöhnter zu dieser Jahreszeit..!“) war um 8.30 h Abfahrt zur Busexkursion zum Thema: „Wohnquartier & Metropole“:
Die erste Station bei noch extrem garstigem Wetter war die Kiautschau – Siedlung in Worms, einer Arbeiterwohnsiedlung mit Fachwerkhäusern aus den 20er Jahren. Wie uns Stadtplaner Frohnhäuser vom Stadtplanungsamt erklärte, war die Siedlung in Ahnlehnung an eine chinesische Kolonie erbaut worden, deshalb der etwas ungewöhnliche Name.
Nach circa halbstündiger Fahrt durch die Region kamen wir am Umweltbahnhof in Grünstadt, unserem zweiten Halt an, wo uns eine Planerin des Büros WSW Kaiserlautern das Projekt erläuterte, für das Prof. Christ 1995 die Studien und Vorplanungen getätigt hatte.


(Bild 1): Der „Umweltbahnhof“ in Grünstadt
 


Auf unserer weiteren Fahrt durch die Lande konnten wir an einigen Stellen erfahren, was die „Zwischenstadt“ ausmacht, den besonders deutlich war die Entwicklung zur A6 hin am Beispiel Grünstadt zu erkennen.
In Ludwigshafen angekommen, wurden wir zunächst im Stadtteil Pfingstweide, einer Speer – Siedlung der 70 - er Jahre von Dr. Schubert und einem Vertreter des Wohnungsbauunternehmens GAG der Stadt Ludwigshafen empfangen, die uns von nun an begleiteten.
Im Verlaufe der Führung konnte man sich ein fachliches Bild machen über die städtebauliche und stadtplanerische Entwicklung der Stadt und unter dem regionalen Einfluss eines „Global Players, wie der BASF“. Die Auswirkungen auf die gesamte Region sind somit auch symptomatisch, wenn man bedenkt, dass die BASF zur Zeit ca. 40.000 Arbeitsplätze bereitstellt. Für Worms z.B. bedeutet sie der größte Arbeitgeber in der Region, was schon immens ist...

Betrachtet man in dieser Hinsicht die städtebauliche Entwicklung der Stadt Ludwigshafen, so ist festzustellen, dass der Großkonzern, aber auch die Stadt Ludwigshafen viele Liegenschaften und Wohnraum besitzt. Durch die Vertreter der beiden großen Wohnungsunternehmen, nämlich der LUWOGE und der GAG wurden uns nun mehrere Projekte vorgestellt, wie das „Brunckviertel“, einer, umgeben vom traditionellen Arbeiterwohnungssiedlungsbau, neu geplanten Siedlung direkt gegenüber der BASF, in welcher man in den letzten zwei Entwicklungsjahren konsequent eine nachhaltige, ökologische Stadtentwicklung durch Energieversorgung mit Blockheizkraftwerk, Fotovoltaik und Solar und somit den Niedrigenergie- und Passivhausstandart an Wohnblöcken durchsetzen konnte, wie uns Herr Dr. Schubert ausgiebig erklärte. Bei der Besichtung der großzügig gestalteten Innenräume eines der Häuser konnten wir sogar „bis ins kleinste Detail“ vordringen!

 


(Bilder 2 und 3): LUWOGE – Projekt „Brunckviertel“ in Ludwigshafen/ Rhein
„Niedrigenergie- und Passivhausstandart bei neuen Blockbebauungen“
 


Zwei weiteren Stationen unserer Führung waren dann, geführt von drei Vertretern des städtischen Wohnungsunternehmen GAG, zukunftsfähige Modellvorhaben einer ehemaligen Großsiedlung und der Siedlung „Schiller Schule“ in LU – Mundenheim, an denen uns ausführlich der Passivhaus - (1 – Liter –Haus -) standart im Bestand demonstriert wurde. Weitere Themen in Bezug darauf waren zum einen das „Service Wohnen“ und die damit verfolgten „Privatisierungsstrategien“.


 

(Bilder 4 und 5): GAG – Projekte in Ludwigshafen - Mundenheim
„ENEV- / Passivhäuser“ im Bestand
„Niedrigenergiesiedlung – Schiller Schule“

 


Nach diesen sehr interessanten Modelldarstellungen moderner und nachhaltiger Stadtplanung, mussten wir, aufgrund der engen zeitlichen Begrenzung noch zu unserem letzten Exkursionshalt, dem Raumordnungs-verband Rhein – Neckar im Mannheimer Stadthaus N1. Doch das verlief nicht ganz ohne Zwischenfall, wie sich herausstellte! Da unser, kurzfristig etwas „desorientierter“ Busfahrer bereits in die Schwesterstadt Mannheim einfahrend wieder über den Rhein nach Ludwigshafen fuhr, wollte ich ihn auf seinen Fehler hinweisen und er zeigte sich dabei auch einsichtig wieder in Richtung Mannheim umzukehren! Jedoch erwies sich ein „Wendemanöver“ unter einer Straßenbrücke als fatal und es kam zu einem Unfall mit einem hinterherfahrenden Fahrzeug!, das den Blinker unseres Busses übersehen hatte. Aufgrund unserer Zeitnot veranlasste Prof. Christ, dass die gesamte Gruppe den Bus räumen und mit der Straßenbahn fahren solle. Gesagt, getan, nach kurzer Straßenbahnfahrt kamen wir dann alle doch noch sicher im Stadthaus N1 an, wo uns Dr. Claus Peinemann auch schon erwartete. Nach einer kurzen Kaffeepause referierte er dann in Form einer Powerpoint-Präsentation über die Vorhaben zur Bewerbung der Region Rhein – Neckar als europäische Metropolregion.
Er betonte auch nochmals die großen positiven Anstrengungen der verschiedenen Institutionen, wie z.B. der „Initiative Zukunft Rhein – Neckar – Dreieck“ geleitet durch Vertreter der BASF und natürlich die des Raumordnungsverbandes.
Auch wolle man es z.B. in kultureller und touristischer Hinsicht, wie beispielsweise durch den Ausbau von Radwegen schaffen, Hochburgen wie Speyer und Worms zu verbinden, so dass das traditionelle „Konkurrenzdenken (Wer hat den schöneren Dom?“...) endgültig aus den Köpfen verschwinde. Nur gemeinsam und im Verband sei man stark und könne auch nach außen regionale Stärke beweisen, trotz verschiedener kultureller Schwerpunkte.
Wie in der Rhein – Main – Region sei auch ein Regionalpark schon in Planung und als Modellvorhaben begonnen worden.

In der abschließenden Diskussion kristallisierten sich noch einmal die wesentlichen Entwicklungsziele für die Region heraus.
„Ein Leitbild für die Region sei von immenser Wichtigkeit“, erwähnte Prof. Dr. Bodenschatz, Architektur - Soziologe der TU Berlin.
„Durch die Bildung von Metropolregionen sei die Chance des europaweiten Zusammenwachsens noch stärker, auch die vorhandene Infrastruktur, wie das Beispiel der ICE – Trasse Frankfurt – Paris sowie das Aktzepieren gegenseitiger kultureller Identitäten seien dabei sehr wichtige Eckpunkte“, so Prof. Christ. Abschließend erwähnte Dr. Kegler noch, dass es wirklich wichtig sei, „dass wir die Qualität der europäischen Städte nicht verlieren“ und betonte damit das Bestreben und den Grundgedanken des C.E.U..
Danach folgte noch eine interessantes Gespräch über die gemeinsame Charta der noch sehr „jungen Pflanze“ C.E.U.D., bei der man allgemein die Leitlinie unter der gemeinsamen Sichtweise von Region, Stadt bzw. Stadtquartier weiter verfolgen wolle.
Der Ausblick auf die geplante internationale Konferenz vom 08.-10. September in Berlin, bestärkte mich wieder zum Council of European Urbanism hinzu zustoßen.

Als kurze Reflektion der doch sehr „ereignisreichen Exkursion“ kann ich abschließend ein äußerst positives und hocherfreutes Resumee für meine „Region“ ziehen und hoffe auf weiterhin interessante Vorträge und Tagungen.

Hochachtungsvoll


Ihr Dipl.- Ing. Marcus Schowalter

 

Presseberichte:

Wormser Zeitung 7.4.

Wormser Zeitung 11.4.

Wormser Zeitung 12.4.

Wormser Zeitung 21.4.

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