Eigentlich sind sie natürliche Verbündete, die europäische reflexive Moderne
und das Spektrum des US-amerikanischen Reformstädtebaus, das von Smart Growth
über New Urbanism bis zu Liveable Communities reicht, wenn es da nicht tiefe
Unkenntnis, Voreingenommenheit und ideologische Ressentiments oder auch
schlechte Einzelerfahrungen geben würde. Warum also, so stellt sich die Frage,
widmen wir uns überhaupt der Integration von Elementen US-amerikanischer
Erfahrungen in die deutsche Planungskultur? Ein flüchtiger Blick über den
Atlantik zeigt, dass vieles von dem, was in Europa und besonders in Deutschland
planerisch und baulich praktiziert wird, den Verhältnissen in den USA weit
voraus ist, gemessen an dem, was hierzulande unter Nachhaltigkeit im weitesten
Sinne oder unter Baukultur verstanden wird. Ob dies den öffentlichen Verkehr
oder das ausgeprägte Baurecht betrifft, die USA sind diesbezüglich wohl eher ein
Entwicklungsland der städtebaulichen Kultur, das mit „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu
bedenken wäre und nicht Gegenstand der Erörterung hinsichtlich der Übernahme
bzw. Integration von planungskulturellen Elementen sein könnte. Wir haben doch
alles, so die gängige Meinung. Und wenn wir etwas nicht haben, dann sollten wir
tunlichst uns auch davor hüten, diese Dinge aus den USA zu übernehmen. Dazu
gehören wohl vor allem die ästhetischen Seiten einer als rückwärts orientiert
angesehenen Baukultur, wenn davon überhaupt gesprochen werden kann, angesichts
der – gelinde gesagt – kitschigen Bauresultate....lesen Sie mehr
In einer kritischen Passage seines Festvortrages am Abend des
ersten Tages der C.E.U.-Konferenz in Görlitz hat Tom Sieverts der
Gründungs-Charta vorgehalten, dass sie nicht die Brisanz, Dynamik,
visionäre Stärke u.ä. besitze, die beispielsweise das Kommunistische
Manifest ausgezeichnet hat.
Die C.E.U.-Charta will m.E. in der Tat etwas anderes: es geht darin um
den Anspruch, sich gegenseitig über Grundaussagen zu Stadtplanung und
Städtebau zu verständigen, die als neue Selbstverständlichkeiten des
Urbanismus gelten können; es geht um die Würdigung der (erprobten!)
strukturellen Qualitäten des immer schon Vorhandenen (der Stadt wie
der Region) und insofern um spezifische, differenzierte, europäische
Traditionen des Stadt-(um)baus, um das kritische Aufbewahren des
kulturellen Erbes von lebenswerter Stadt- und Landschaftsausprägung.
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