Uwe Altrock
1. Eines Freitags in Tangermünde
Die CEU-Programmdiskussion, die anhand von Lieblingsprojekten, vermeintlich oder
hoffentlich Referenzprojekten, letztens in Tangermünde geführt wurde, hat
erstaunliches zutage gebracht. Die Idee von Harald Bodenschatz, die Beteiligten
durch Nennung von Projekten zu zwingen, ihre Vorstellungen offen zu legen, ist
voll aufgegangen: Eine disparate Vielfalt von Nennungen hat deutlich gemacht,
wie heterogen die Runde wirklich war, die sich da zusammengefunden hat. In
Konsequenz ist man versucht, entweder den Kern des Gemeinsamen sehr scharf und
eng zu fassen – das wird aber unerfreulich und bei aller Integrativität
vermutlich ohne große gesellschaftspolitische Wirkung sein. Oder
unterschiedliche Vorstellungen leben nebeneinander her – dann wird aber das
Profil von CEU völlig unklar, und die Organisation ist handlungsunfähig, weil
sie ihre eigenen Ziele nicht hinreichend benennen kann. Oder man entscheidet
sich für einen dritten Weg, den wahrscheinlich Harald insgeheim ein wenig im
Schilde führte, nämlich einen Prozess des institutionellen Lernens, bei dem die
gegenseitige Verständigung und Diskussion der Beteiligten dazu führt, dass man
sich auf einen ansehnlichen Kern gemeinsamer Vorstellungen einigt und dabei
andere individuelle Vorlieben wohl oder übel zurückstellt.
Dieser dritte Weg ist aus meiner Sicht der einzige, der Erfolg verspricht,
wenngleich er steinig sein dürfte. Es ist doch schon verblüffend, welch
disparates Konglomerat bei der kleinen Umfrage zusammengekommen ist: Da stehen
anerkannte Highlights der Stadtplanung wie die Tübinger Südstadt neben
Highlights der revitalisierten europäischen Stadt wie die Spandauer Vorstadt in
Berlin, aber auch neben Dauerbrennern der Berliner Streitkultur wie das
jahrelang höchst umstrittene Kollhoff-Projekt des Walter-Benjamin-Platzes und
ambitionierten Produkten des städtebaulichen Mainstreams wie dem östlichen
Tiergartendreieck. Kein Wunder, dass auch so schwierig vermittelbare und in
ihrer Anmutung wie in ihrer Gestaltqualität höchst unterschiedlich bewertete
(und damit für eine Bewegung, die erfolgreich in die Zivilgesellschaft
hineinwirken will, eigentlich völlig ungeeignete) Projekte wie der Pariser und
Leipziger Platz in Berlin genannt wurden.
Was etwa an dem städtebaulichen Durcheinander in den ehemaligen Ministergärten
in Berlin vorzeigbare europäische Stadt sein soll, bleibt mir völlig
verschlossen. Bei allem hohen Respekt für die praktische Arbeit von
(erfolgreichen und eigentlich auf eine Städtebaureform überhaupt nicht
angewiesenen) Mitgliedern des CEU-Kreises ist für Außenstehende weder das
Nebeneinander eines Sportplatzes und des Holocaust-Mahnmals noch die Anordnung
von architektonisch eigensüchtigen und in ihrer Stadtraumqualität und
Funktionalität weit von dem landläufigen Verständnis von „Urbanität“ entfernten
Landesvertretungen nachvollziehbar. Ähnliches gilt auch für einige andere
Beispiele wie die durchaus respektable Stadt Hamburg, die derart komplex und in
ihrer Innenstadt von zahlreichen introvertierten und äußerst exklusiven (dabei
nicht einmal immer ökonomisch erfolgreichen) Passagen geprägt ist, dass man
eigentlich keinen Ansatzpunkt dafür erhält, was nun an ihr für eine
Städtebaureformbewegung oder im Sinne der europäischen Stadt wirklich
empfehlenswert und für andere Planungsfälle vorbildhaft sein soll. Ob die
Aufenthaltsqualität der Platzfläche am Walter-Benjamin-Platz auf einmal die
Monotonie der grauen Fassade mit ihren Einheitsfenstern aufwiegt, muss
dahingestellt bleiben, doch Monotonie an sich ist ein deutlicher Hinweis für das
Fehlen einer bestimmten Form urbaner Vielfalt, die mit europäischer Stadt
assoziiert wird – auch wenn das Paris Haussmanns sich des Elements der
Wiederholung in der Fassade vielfach bedient (hier wäre viel zu sagen, z.B.,
dass die Gliederung der Fassadenelemente wie etwa der Balkongitter an den
kleinen Austritten die Monotonie deutlich aufbricht, was bei Kollhoff keineswegs
der Fall ist).
Eine eingehende Reflexion der Ergebnisse von Tangermünde ist also dringend
angezeigt. Hierfür will das vorliegende Papier einige Anstöße geben.
2. Was ist eine Reformbewegung?
Bislang, das hat Tangermünde wieder deutlich gezeigt, ist noch ziemlich unklar,
was eine Reformbewegung im Städtebau sein soll und ob sie überhaupt gebraucht
wird. Interessanterweise scheint es so zu sein, dass individuell ein
Reformbedarf allenthalben zu spüren ist, der aber wenig mit dem gemeinsamen Kern
der Bewegung zu tun hat. Das ist auch nicht weiter verwunderlich: Wie so oft in
der Berlin-geprägten Städtebaudiskussion ist jeder schnell bei der Hand mit der
Nennung dessen, was er oder sie städtebaulich problematisch findet. Das führt
dann auch in der Praxis dazu, dass recht viel geschimpft wird (während
beispielsweise in Hamburg eine kritische Fachöffentlichkeit kaum wahrnehmbar
ist). Aber jeder schimpft über etwas anderes, der Eine über das Mittelmaß an und
für sich, der Nächste über die Monotonie der reduzierten Fassaden, der Dritte
über die verspielten Fassaden, der Vierte über die Investoren usw. Jeder würde
gerne das reformieren, was ihm nicht passt, aber erstens geht das deshalb nicht,
weil man Durchschnittlichkeit nicht vollständig aus der Gesellschaft
wegreformieren kann, und zweitens deshalb, weil sich die Reformziele teilweise
widersprechen. Der gemeinsame Kern der Bewegung ist aber ziemlich nah an dem,
was Common Sense unter Planern oder guten Städtebaujournalisten ist. Wofür dann
aber eine Reformbewegung? Wenn es denn nur um ein größeres Bewusstsein für
Planerziele in der Gesellschaft und ihre Durchsetzung geht, hilft dann ein neuer
exklusiver Klub oder schadet er? Nun, ich bin der Auffassung, man sollte es
schon versuchen, die Chancen von CEU offensiv herauszuarbeiten – und dabei aber
eben nicht das Rad neu erfinden, sondern sehen, ob es eine „Marktlücke“ für CEU
gibt. Dazu dienen die folgenden Abschnitte, die sehr selektiv städtebauliche
Probleme in den Mittelpunkt stellen (2.1), eine gemeinsame positive Haltung
propagieren (2.2), dazu etablierte strategische Instrumente aus anderen
Bereichen gesellschaftlicher Reformversuche anwenden (2.3) und schließlich die
Marktlücke festzumachen suchen (2.4).
2.1 Wider die städtebauliche Lidelei
Wenn Konsens darüber besteht, dass CEU für die Europäische Stadt eintritt und
dabei einen reflektierten Umgang mit Entwicklungen wie der Zwischenstadt pflegt,
dann ist man bei einem Versuch der Konkretisierung des Programms schnell beim
städtebaulichen Mainstream angelangt. Das klingt so, als gebe es gar keinen
„Reformbedarf“! CEU macht ja das, was die Planer von heute schon wollen, oder?
Es kommt hinzu, dass auch die Planer nicht immer die absoluten Vorreiter einer
Reform waren – man denke nur an die Gedanken von Jane Jacobs, einer
Journalistin, die Anfang der 1960er Jahre vorgedacht hat, was dann etwa fünfzehn
Jahre später allmählich in Planerkreisen Verbreitung fand und inzwischen zu
Resultaten wie der Südstadt in Tübingen geführt hat – Jahrzehnte später.
Journalisten haben immer wieder die vorstädtische Einfamilienhaus- und
Einzelhandelswüste angeprangert; man denke nur an einige markige
Spiegel-Titelgeschichten. In den USA war es sogar ein Journalist (Joel Garreau),
der als erster das Phänomen der Edge City untersucht und mit genau diesem Namen
bezeichnet hat. Sich für die Europäische Stadt einzusetzen, macht CEU also nicht
besonders. Das können andere möglicherweise sogar besser.
Was könnte CEU also auszeichnen? Aus meiner Sicht ist diese Frage mindestens in
drei Richtungen beantwortbar (und hierzu werden die folgenden Abschnitte auch
Stellung beziehen). Erstens geht es darum, die Gegner klarer zu benennen als in
einem wohlfeilen Akt der Kulturkritik – Shopping Malls verhindert man
beispielsweise bekanntlich nicht, indem man das Einkaufsverhalten der
Gesellschaft anprangert. Zweitens sollte die Bewegung dazu Partner aus allen
relevanten Akteursgruppen der Stadtproduktion gewinnen und sich nicht auf
professionsbezogene – beispielsweise planerische – Positionen beschränken.
Drittens sollte CEU eine neue Kultur der Vermittlung von Städtebau betreiben.
Sie beginnt mit der Orientierung an Leitprojekten, geht aber weit hierüber
hinaus und stützt sich wesentlich auf die strategische Identifizierung der
Vermittelbarkeit von Inhalten sowie ein ausgeklügeltes System der Bewertung von
Projektinhalten (das es bislang nicht gibt und das bisher auch eine der
entscheidenden Schwächen von Best-Practice-Ansätzen wie etwa der Datenbanken des
BBR ist, die additiv gute Einzelideen zusammenstellen, ohne eine Gesamtbewertung
von Projekten hinreichend mitzudenken). Selbstverständlich sollte sie in einem
ausgewogenen Maße Kritik an „schlechten“ Projekten üben und selber benennen, wie
Städtebau „besser“ werden kann. Gar kein leichtes Unterfangen: Häufig
beschränken sich Bewegungen auf Kritik (bestimmte Zweige der Stadtsoziologie
oder der politischen Ökonomie) oder behaupten leichtfertig, sie könnten gute
Ansätze zusammenhanglos benennen (bestimmte Zweige des Städtebaus und der
Architektur).
Um auf den ersten Punkt zurückzukommen: Wer sind also die wirklichen Gegner der
Europäischen Stadt im Sinne von CEU? Beim Blick auf die typischen Produkte des
suburbanen Städtebaus werden Unterschiede deutlich: So gibt es durchaus Versuche
integrierter Einzelhandelseinrichtungen, die den öffentlichen Raum stärken und
zu einer dezentralen Konzentration beitragen können. Dagegen stehen allerdings
Einrichtungen, die lediglich auf sich selbst fixiert sind und sich nicht in ein
System städtebaulicher Ansprüche einbinden lassen. Das Paradigma hierfür ist der
LIDL-Markt, der nicht nur wegen der jüngsten Kritik an seinen Arbeitsbedingungen
kritikwürdig scheint, sondern auch aus originär städtebaulichen Gründen:
Ansiedlungen finden nur noch statt, wenn auf der Straßenseite etwa 150
Stellplätze angeboten werden können. Wie gesagt, das Einkaufsverhalten der
Bevölkerung an der Peripherie wird nur zum Teil beeinflusst werden können – was
durch fußgängerfreundliche Quartiere gefördert werden sollte. Die Aufgabe von
CEU könnte es nun sein, die „Sperrigkeit“ der städtebaulichen Lidelei zu
brandmarken, die sich bei Anerkenntnis des Einkaufsverhaltens der Bevölkerung
einer Einbindung in Versuche der Schaffung städtebaulicher Qualität entzieht.
Ähnliches könnte für Büro- oder Industriestandorte gelten: Nicht ihre schiere
Größe ist dabei verwerflich, denn sie folgt mehr oder minder aus den
Skaleneffekten der zeitgenössischen Ökonomie (zumindest für bestimmte
Nutzungen). Dagegen kann sehr wohl festgestellt werden, dass einige dieser
Standorte sich gegen die Stadt stellen, indem sie beispielsweise der
Öffentlichkeit den Zugang verweigern und so ihre Größe erst zu einem Problem
machen, dem der barrierenhaften Exklave im Stadtraum.
Das Prinzip der städtebaulichen Lidelei, also der Verweigerung gegenüber einer
Einlassung auf städtebauliche Ziele der Gemeinschaft, so der hier gemachte
Vorschlag, sollte Ausgangspunkt eines Ensembles kritischer Kommentierungen durch
CEU sein. Städtebauliche Ziele lassen sich dabei in Orientierung an den
Prinzipien der Europäischen Stadt recht stringent umreißen und sind nur sehr
begrenzt gestalterisch. Sie orientieren sich daran, dass öffentliche Räume für
breite Schichten zugänglich und von hoher Gebrauchsqualität sein sollten.
2.2 Für einen symbiotischen Städtebau
CEU muss aber vor allem eine positive Botschaft vermitteln, sagen, wie denn nun
eine gute Stadt aussehen soll. Dazu genügt es nicht, sich gegen die schlechten
Projekte abzugrenzen. Geht man von der Vorstellung einer urbanen, nachhaltigen
und gut gestalteten europäischen Stadt aus, dann könnte ein wesentliches
Erfolgskriterium, das noch nicht abgedroschen scheint, darin bestehen, dass
Projekte „etwas für die Stadt tun“ und nicht nur den Zielen des Eigentümers
dienen. Diese Formel, die übrigens von Hans Stimmann ganz gern verwendet wird,
sollte dabei im umfassenden und nicht nur städtebaulich-gestalterischen Sinn
verstanden werden. CEU, so mein Plädoyer, sollte sich in diesem Sinne für einen
„symbiotischen Städtebau“ stark machen, also einen, der eben verschiedene
Anforderungen von unterschiedlichsten potentiellen und tatsächlichen Nutzern zu
integrieren in der Lage ist.
Symbiotischer Städtebau könnte sein, wenn es gelingt, Developer dazu zu bringen,
ihr Grundstück für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei sogar noch
selbst zu profitieren. Das ist gerade ein Kennzeichen der städtebaulichen
Nachmoderne gegenüber der Industriegesellschaft, die innerstädtische Exklaven
produziert hat. Doch die Zugänglichkeit kennt Differenzierungen, über die man
sich bei der Bewertung von Projekten im Klaren sein sollte. Einer der
Hintergründe meiner Nennung des Bolle-Blocks (bei allen Fragwürdigkeiten, die
das Projekt auch aufwerfen mag und die diskutiert werden müssten) war die
Tatsache, dass im Block, nämlich in der alten Bolle-Meierei, ein Supermarkt
untergebracht ist, der gerade dadurch attraktiv wird, dass der gesamte Komplex
für die Öffentlichkeit zugänglich ist – der denkmalgeschützte Altbau hat eine
sinnvolle Nachnutzung, und eine aufgerissene Straßenfassade mit 150
Lidl-Parkplätzen wurde vermieden (die Fassadenabwicklung von Alt-Moabit wurde
sogar gegenüber dem Vorgängerzustand geschlossen). Dagegen wäre vorsichtiger mit
der Zugänglichkeit von Bereichen wie dem Ufer des „Charlottenburger Spreebogens“
umzugehen, wo es dem Land gelungen ist, einen Uferstreifen herzustellen, aber
die einzelnen Grundstücke dahinter teils eingezäunt sind und teils keinen
Aufforderungscharakter für den Passanten aufweisen, dort vorbeizulaufen. Der
Charlottenburger Spreebogen ist also sicher kein CEU-Vorzeigeort.
Interessant wäre es, einmal durchzuspielen, ob beispielsweise der Potsdamer
Platz in diesem Zusammenhang ein geeignetes Objekt der Kritik oder Unterstützung
durch CEU darstellt. Vordergründig scheint es sich ja um einen symbiotischen
Ansatz zu handeln. Ob nun aber der „Sündenfall“ Einbau einer innerstädtischen
Shopping Mall so schwer wiegt, dass er die Versuche einer Orientierung am
Mailänder Maßstab und einer Schaffung von Nutzungsmischung zunichte macht, ist
am Potsdamer Platz gar nicht zu entscheiden – wichtig ist, dass ein
Referenzprojekt keines sein kann, bei dem ein für die öffentliche Hand
fragwürdiges Grundstücksgeschäft vorausgeht, die Nutzungsmischung vorwiegend
exklusives Wohnen produziert, die stadträumliche Vernetzung mäßig ist und der
Gedanke eines Parzellen-Städtebau deutlich negiert wird.
Legt man ähnliche Maßstäbe an andere Projekte an, wird man schnell dazu
gelangen, dass es nicht so sehr viele vorzeigbare Referenzprojekte gibt. Doch
CEU sollte sich hüten, allein die „gewachsene“ und leidlich wieder gewonnene
Europäische Stadt à la Görlitz in den Mittelpunkt zu stellen – schnell wird man
so marginalisiert und kann überdies nur schwer öffentlichkeitswirksam belegen,
wo die Qualitäten einer Stadt in der Wirtschaftskrise mit erheblichen
Leerständen und durchaus im Detail diskutierbarem Fördermitteleinsatz im
Vergleich mit anderen historischen Städten liegen (wenn also, wie Harald
Bodenschatz andeutet, Kreuzberg nur ein mäßiger Sanierungserfolg ist, weil da
wieder Fördermitteleinsatz geboten scheint – obwohl in geringem Umfang -, dann
kann auch Görlitz kein Sanierungserfolg sein).
Es kann Projekte geben, die von CEU-Mitgliedern befördert oder gar federführend
umgesetzt worden sind und dennoch keine Referenzprojekte sind. Schwierig wird
dabei sehr schnell die Tatsache, dass unterschiedliche Vorstellungen von
Städtebau vermeintlich die Ziele von CEU verfolgen. Vor allem sollte CEU sich
nicht mit für Projekte stark machen, wenn eine Identifizierung mit ihnen
schwierig ist, weil wie im Falle des Grundstücksgeschäfts am Potsdamer Platz das
Projekt in einer Fachdiskussion schwerwiegende „offene Flanken“ aufweist.
Wenngleich die Prinzipien (oder einige von ihnen) im Projekt berücksichtigt
scheinen, dann darf CEU hier nicht leichtfertig sein oder persönlichen Vorlieben
folgen. Dies gilt auch dann, wenn die Vermittelbarkeit der Qualität des Projekts
in eine Gesellschaftsschicht nicht gegeben ist oder das Projekt sich in seinen
Ausprägungen vor Ort für alle Beteiligten unmittelbar aufdrängt (das ist
natürlich ein schwieriger Punkt, der genau diskutiert werden muss).
Eine Kernfrage, die hier noch nicht umfassend behandelt werden kann, ist die
nach der Vermittelbarkeit des Stichworts vom „symbiotischen“ Städtebau in die
Gesellschaft hinein. Der Begriff ist einigermaßen griffig und hinreichend
assoziativ sowie ausdrucksstark insofern, als man einem wohl abnimmt, dass sich
dahinter mehr als nur Phrasen verbergen. Das muss aber auch gewährleistet sein!
Ein Städtebau, der für viele Nutzer gleichzeitig etwas bringt, das ist aber doch
zumindest eine ganz klare Botschaft, die sich auch transportieren lässt, und die
anknüpft an die gute Tradition dessen, was wir unter Urbanität verstehen, oder?
2.3 Der Best-of-Class-Ansatz
Vor dem Hintergrund der obigen Überlegungen scheint es nicht sinnvoll, sich für
Projekte stark zu machen, die „einfach nur so“ gut sind. Das tun viele
Organisationen, und die Überlappung der Inhalte ist groß, denn so weit liegen
reflektierte Fachleute dann vielleicht doch nicht auseinander. Dennoch gibt es
immer wieder „schlechten Städtebau“. Es ist vermutlich nicht zu weitgehend, in
einer „Reformstimmung“, die sich letztlich immer noch gegen die
stadtzerstörerischen (also „gegen die Europäische Stadt gerichteten“)
Ausgeburten der städtebaulichen Moderne richtet, die Nachhaltigkeitsprinzipien
in Verbindung mit einer kontextuellen und anspruchsvollen Stadtgestaltung als
die wesentlichen Kriterien „allgemeinerer“ Art anzusehen, denen sich CEU
verpflichtet fühlt. Dazu kommt die spezifischere Ausrichtung an der
„Europäischen Stadt“, die hier nicht weiter vertieft, aber letztlich mit dem
Stichwort „lebenswerte kompakte fußgängerfreundliche Stadt“ knapp umrissen
werden kann. Wenn also die das Nachhaltigkeitsdreieck in Verbindung mit der
intergenerationalen Gerechtigkeit und erweitert um den Aspekt der
Stadtgestaltung im Mittelpunkt der Bewertungskriterien steht, dann können
Projekte, die sich deutlich gegen eines dieser Kriterien stellen, nicht
CEU-Referenzprojekte sein. Auf der anderen Seite ist es äußerst schwer, etwa von
Produktionshallen zu verlangen, sie sollten besonders fußgängerfreundlich und
kontextuell gestaltet sein.
Der Best-of-Class-Ansatz ist hier der angemessene Ausweg. Er spielt
beispielsweise in der Debatte um nachhaltige Unternehmensführung eine Rolle und
dient dort als Auswahlkriterium für einige Nachhaltigkeitsfonds, die darauf
angewiesen sind, Aktien von mehr als nur einer Handvoll im engen dogmatischen
Sinne nachhaltiger Unternehmen zu kaufen, um ihr Portfolio zusammenzustellen und
unter wechselnden konjunkturellen Rahmenbedingungen sogar noch verändern zu
können. Er betrachtet diejenigen Vertreter einer Gesamtheit als besonders
vorteilhaft, die unter gleichen Rahmenbedingungen am besten abschneiden oder die
größten Verbesserungen durchführen. Im Beispiel der Nachhaltigkeitsfonds wäre
dies etwa nicht nur ein Brennstoffzellenhersteller und ein
Windenergieunternehmen, wenn es um besonders nachhaltiges Wirtschaften geht,
sondern der Lebensmittelkonzern, der seinen Einsatz von allergenen
Konservierungsstoffen am stärksten reduziert hat, oder der Erdölproduzent, der
die Menge seiner Verluste durch abgefackeltes Gas sowie undichte Pipelines am
stärksten reduziert hat und überdies am meisten für Forschung in den Bereichen
alternative Energieträger ausgibt.
Im Fall des Städtebaus könnte dies heißen, sich für die beste Siedlung auf der
grünen Wiese, den besten öffentlich gesteuerten Städtebau in Städten ohne
finanzielle Ressourcen, die innovativste Einzelhandelslösung eines Großkonzerns
o.ä. einzusetzen. Es geht also um „aufgabenfeldbezogene“ Auswahlkriterien. Dabei
muss vor dem Hintergrund der Vermittelbarkeit natürlich vermieden werden,
extreme Aufgabenfelder zu untersuchen, die an sich den Prinzipien von“ CEU
drastisch widersprechen. CEU darf also nicht die „städtebaulich beste gated
community“ adeln. CEU sollte aber mehr tun, als nur die üblichen Verdächtigen
der Stadtplanerzunft zum 250. Mal durchzukauen. Ein Aufgabenfeld muss überdies
eine hinreichend große Grundgesamtheit bilden, damit überhaupt innerhalb der
untersuchten Projekte differenziert werden kann. Und die Unterschiede müssen
schon deutlich sein – es muss sich also um Aufgabenfelder handeln, bei denen man
„etwas falsch machen kann“ und die Wahrscheinlichkeit dafür sogar recht hoch
ist. Damit CEU nicht einfach nur gute Praxis herausstellt, sollten überdies
Innovationen insofern im Mittelpunkt stehen, als es dabei nicht um ein
Denunzieren der Durchschnittlichkeit des menschlichen Miteinanders im
Allgemeinen geht. Wir alle wissen, dass in kommunikativen Zusammenhängen nicht
immer nur Höchstleistungen produziert werden. Die von CEU gefeaturten Projekte
sollten also vorzugsweise auch solche sein, die realisiert werden konnten, ohne
dass der eine Spezialist, den es für das jeweilige Thema in Deutschland gibt,
eingeflogen werden musste (natürlich sollen die Vorzeigeprojekte in Deutschland
dadurch nicht ausgeschlossen werden!).
2.4 Die Alleinstellungsmerkmale von CEU
Wenn CEU in Deutschland hinreichend Gehör finden soll, wird es erforderlich
sein, in der Öffentlichkeit nachzuweisen, dass die Organisation nicht einfach
das Rad neu erfindet (inhaltlich oder institutionell), sondern
„Alleinstellungsmerkmale“ aufweist. Diese Merkmale müssen intensiv vermittelt
werden. Betrachtet man die Prinzipien und die Projekte, für die sich zahlreiche
Aktivisten bislang stark machen, dann wird deutlich, dass die Überlappung zu
anderen Organisationen sehr groß ist, insbesondere zu Planerorganisationen wie
etwa der SRL in Deutschland oder ECTP in Europa. Wenn CEU mehr als nur die
Standards guter Planung vermitteln will, dann reicht es nicht, die
Best-Practice-Datenbanken des BBR zu reproduzieren und dann zu glauben, wir
könnten die dort vorgestellten Projekte besser in die Gesellschaft verbreiten
als eben das Umfeld der Bundesregierung.
Aus meiner Sicht sind die wesentlichen Alleinstellungsmerkmale von CEU
dreierlei. Erstens ist die Bewegung darauf ausgerichtet, eine Vernetzung
unterschiedlichster Professionen herzustellen und damit das Verständnis von
Städtebau in einem gemeinsamen Lernprozess von Investoren, Fachleuten,
Journalisten (was ist überhaupt mit den Journalisten, die haben wir bislang ganz
vergessen!), politisch-administrativem System und Bürgern aktiv, d.h.
Entscheidungsprozessen über Einzelprojekte vor- bzw. nebengelagert auf eine
breite gesellschaftliche Basis zu stellen. CEU kann sich somit auch als
Beratungs- und Vermittlungsinstanz begreifen, die ein anderes Verständnis von
Partnerschaft vertritt als üblicherweise im neoliberalen Sprachgebrauch, nämlich
die Suche nach integrativen städtebaulichen Lösungen, die möglichst allen
beteiligten Akteuren nutzen. Die Vernetzung mit anderen Gesellschaftsschichten
sollte dabei aktiv auch Initiativen wie Fußgänger- und Radfahrer-Lobbyisten und
ähnliche mehr einschließen, die nicht direkt aus dem Städtebau kommen.
Zweitens ist die Bewegung dann stark, wenn sie anders als Planer bisher und
weniger auf bunte geschummelte Bildchen setzend eine sorgfältige und
systematisch Projektdiskussion durchführt. Dabei werden baulich-räumliche
Details thematisiert, die in der Regel in der Best-Practice-Diskussion übersehen
werden, weil sie so kleinteilig sind. CEU muss also in der Lage sein, aus der
Projektdiskussion heraus hochwertige Detaillösungen, die beispielgebend und
möglichst wiederholbar sind, zu destillieren. Diese sollten dann aber bewusst
städtebaulicher und nicht architektonischer Natur sein. Beispielsweise wird die
Umgestaltung der Fußgängerzone von Cottbus u.a. wegen ihres innovativen
Lichtkonzepts zu den Best-Practice-Projekten gerechnet. Wer hat aber wirklich
verstanden, was an dem Lichtkonzept so toll ist? Müsste es nicht viel klarer
gezeigt werden und wäre das nicht eine Aufgabe von CEU? Oder das berühmte Thema
der Arkaden, mit denen sich Stimmann immer brüstet. Hier handelt es sich doch um
ein Ur-Europäische-Stadt-Thema, das aber entweder nicht näher beleuchtet wird
oder wegen der spröden Architektur untergeht oder als Qualitätsmerkmal an sich
hochgehalten wird, ohne genauer auf die Qualität der Einzellösung zu gucken. CEU
könnte einmal prüfen, welche Arkaden in Neubauprojekten wirklich gut sind (die
alten wie in Bologna gut zu finden, sind sich wahrscheinlich ohnehin alle einig,
aber die Übertragung von detaillierten Qualitätskriterien auf den Neubau hat
niemand systematisch gewagt)! Usw. ... man muss sich nicht auf so kleine
Ausstattungsdetails wie hier vorgestellt beziehen, aber die wurden hier bewusst
in den Mittelpunkt gestellt, um deutlich zu machen, was eine Projektdiskussion
alles bringen kann – insbesondere in Abgrenzung zu den konventionellen
Planerverbänden, die hier eher schwach sind.
Drittens ist die Organisation im engsten Sinne international und kann im
Idealfall Erfahrungen aus ganz Europa zu einer Bewegung verarbeiten, die nicht
primär standesbezogen agiert wie die Planerverbände und nicht wissenschaftlich
wie die Hochschulplaner. Sie kann sich also sehr zielgerichtet mit Kampagnen auf
brennende Fragen stürzen. Kampagnen könnten dabei einmal Sensibilisierung und
Erfahrungsvermittlung bringen, die aus meiner Sicht gerade nach Osteuropa nach
der EU-Osterweiterung von äußerstem Interesse sein müsste. Weiterhin könnten sie
anknüpfend an den Best-of-Class-Ansatz bewusst Ehrungen aussprechen, etwa für
das bestintegrierte Neubauvorhaben im Einzelhandelsbereich, für die beste
Aufwertung einer Ausfallstraße usw. Solche Themen können auch inhaltlich
bearbeitet werden, mit Testentwürfen, kritischen Stellungnahmen zu
Planungsverfahren in Beispielstädten usw.
Wird hieraus ein Schuh? Ich weiß es wirklich nicht, aber wir müssen vor allem
anfangen, uns ganz praktisch in die Städtebaudebatte einzuschalten, wenn wir
mittelfristig Aufmerksamkeit erregen wollen! Empfehlungen und Anregungen, die
wir geben, müssen nicht immer abschließende Problemlösungen sein, sondern
vielleicht auch Fragestellungen thematisieren, die bisher noch nicht ausreichend
im Blickfeld sind. Ich selbst denke mit Wehmut an ein gescheitertes Angebot auf
ein Forschungsprojekt des BBR, das ich einmal abgegeben habe (etwa vor fünf
Jahren). Es ging um „Zukünftige Umbaupotentiale“, manch einer wird sich noch
erinnern. Wir hatten im Angebot schon zwei bedeutende Flächentypen
identifiziert, nämlich vom Strukturwandel betroffene Gewerbegebiete und
niedergehende Einkaufsstraßen, beispielsweise Ausfallstraßen größerer Städte.
Nun, ob das Angebot gut oder schlecht war, spielt hier gar keine Rolle, aber ich
habe mich dann schon ein wenig bestätigt gefühlt, als ich vor wenigen Wochen
hörte, dass die Berliner Stadtentwicklungsverwaltung, nachdem sie jahrelang
blindlings unter dem Vorwand der „Integriertheit“ (d.h. Lage in der Nähe des
öffentlichen Nahverkehrs) riesige zusätzliche Einzelhandelsflächen bei
abnehmender Kauflust genehmig hatte, nun auf die Idee kommt, sich dem Thema
niedergehender traditioneller Einkaufsstraßen zuzuwenden. Diese kleine private
Begebenheit zeigt, dass eine Bewegung, wenn sie sich denn eines Themas annähme,
durchaus frühzeitig Zeichen setzen könnte. Das sollten wir auch tun!
3. Vorschläge für den Aufbau einer Projektdatenbank
Eine Projektdatenbank kann nur aus Vorschlägen von Mitgliedern von CEU gespeist
werden. Kommen Anregungen von außen, sollte sich mindestens ein Mitglied für das
Projekt stark machen, bevor es „geprüft“ wird. Vorschläge werden grundsätzlich
einem klar strukturierten Prüfverfahren unterzogen, bevor sie in die
Projektdatenbank aufgenommen werden. Die Datenbank erfüllt mehrere Funktionen,
vor allem dient sie der anschaulichen Darstellung der Ziele und des
Selbstverständnisses von CEU. Daher muss sie vor allem auf diese Darstellung hin
aufgebaut werden.
Das Prüfverfahren hat mindestens zwei Schritte. Im ersten Schritt wird das
Projekt auf taktische Fallstricke geprüft: ob es gegen CEU „verwendet“ werden
kann, weil in seiner Entstehung problematische Dinge passiert sind, ob es von
Nicht-CEU-Mitgliedern in einzelnen Facetten so verstanden wird oder
interpretiert werden könnte, als verstoße es gegen die Prinzipien von CEU, ob es
überhaupt als gutes Projekt vermittelbar ist, ob es eine erkennbare Anzahl von
„schlechten“ Projekten im betreffenden städtebaulichen Aufgabenfeld gibt, so
dass es überhaupt Sinn macht, ein „gutes“ Projekt zu identifizieren. Im zweiten
Schritt wird dann die Qualität selbst anhand einer Reihe von Indikatoren
geprüft, die für die CEU-Prinzipien stehen.
Der erste Schritt soll hier kurz näher erläutert werden. Das bereits erwähnte
Projekt Potsdamer Platz würde schon wegen des problematischen
Grundstücksgeschäfts herausfallen, das bei vielen Fachleuten als „Makel“
aufgefasst wird und daher einer Vermittelbarkeit im Weg steht. Die
Friedrichstadt-Reparatur in den 1990er Jahren würde herausfallen, weil die
vehemente Kritik, die sie aus den verschiedensten Richtungen erfahren hat, sich
automatisch gegen CEU richten würde, und zwar gerade bei bedeutenden Partnern
unter kreativen Architekten, unter Soziologen, Politologen und nicht zuletzt
unter Investoren. Das Projekt Walter-Benjamin-Platz würde herausfallen, weil die
Monotonie der Fassaden von Außenstehenden gerade als Gegenbeispiel zu einem
vielgestaltigen urbanen Städtebau aufgefasst werden könnte. Die Stadt Hamburg
würde herausfallen, weil sie – auch bei Begrenzung auf die Innenstadt – derart
komplex und widersprüchlich ist, dass sie als Beispiel für eine Städtebaureform
überhaupt nicht überzeugend einsetzbar ist. Und so weiter. Es ist allerdings
darauf zu achten, dass die „Nachhaltigkeit“ eines Projekts gewisse Grenzen hat.
Besteht nach Jahren „Nachbesserungsbedarf“, muss das nicht bedeuten, dass
deshalb das Projekt problematisch ist – nur dann, wenn der Aufwand hier
unerwartet hoch ist.
Der zweite Schritt sollte sicherstellen, dass die ausgewählten Kriterien auf
eine zweifache Weise erfüllt werden. Zum einen darf ein Projekt im Rahmen der
Möglichkeiten in seinem städtebaulichen Aufgabenfeld in keinem wesentlichen
Kriterium auffallend schlecht abschneiden. Darüber hinaus sollte es zum anderen
– auch im Sinne des Best-of-Class-Ansatzes – mindestens im Hinblick auf ein
Kriterium vorbildlich sein, besser im Hinblick auf mehrere.
Der Kriteriensatz sollte natürlich genau überlegt sein. Hier können nur einige
erste Anmerkungen zu ihm gemacht werden. Wichtig ist, dass jeder Vorschlag eines
Projekts im Sinne der Kriterien begründet werden muss, um überhaupt geprüft zu
werden (wer die Prüfung vornimmt, soll hier nicht näher besprochen werden). Als
Kriterien kommen aus meiner ganz persönlichen Sicht in Betracht:
- hohe Durchmischung mit Nutzungen, die über Einzelhandel hinausgehen, in
vorwiegend dem Wohnen dienenden Quartieren, und hoher Wohnanteil in eher dem
Arbeiten dienenden Gebieten
- Schaffung von hochwertigen öffentlichen Räumen, die gesellschaftliche
Ausgrenzungsmechanismen möglichst vermeiden
- Parzellenstädtebau mit breiten gesellschaftlichen Zielgruppen, die langfristig
an den Ort gebunden werden
- besondere Fußgängerfreundlichkeit und/oder Intermodalität von kommerziellen
Investitionen
- besondere Attraktivität des Außenraums und der Gestaltung insbesondere von
„Allerweltsnutzungen“ wie etwa Einzelhandelszentren
Wenngleich Altbauquartiere und ihre Erneuerung für CEU identitätsprägend und gut
vermittelbar sein können, muss die Bewegung ganz besonders darauf achten, eine
Reihe ausgewählter Neubauquartiere als Vorzeigeprojekte zu haben, um überhaupt
glaubhaft zu sein.
4. Thesen zur künftigen strategischen Ausrichtung von CEU/Deutschland
1. Der CEU setzt seine begrenzten Kräfte schwerpunktmäßig da ein, wo sie
gebraucht werden. Dies bedeutet für den deutschen Teil der Organisation, sich
mit Nachdruck auf die Arbeit in den EU-Osterweiterungsländern zu konzentrieren
und ihnen die Erfahrungen aus Deutschland zu vermitteln. Dort ist an
Europäischen Städten noch einiges zu verlieren, und der Veränderungsdruck ist
wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage, der liberalistischen Politik und
den nachholenden Prozessen groß.
2. Der CEU verfolgt konsequent einen Best-of-Class-Ansatz und macht diesen als
Qualitätsmerkmal der Organisation in allen Diskussionen in der
Fachöffentlichkeit deutlich.
3. Der CEU baut eine Projektdatenbank auf, die Projekte nur dann als
Vorzeigeprojekte von CEU führt, wenn sie keine „heikle Vergangenheit“ in ihrer
Planungsgeschichte aufweisen, dem Best-of-Class-Ansatz entsprechen, ihre
Qualität auch einer breiten Öffentlichkeit vermittelbar ist und sie keine
„Selbstläufer“ sind.
4. In der Vermittlung der eigenen Inhalte stellt der CEU die Slogans
„Europäische Stadt“ und „Symbiotischer Städtebau“ in den Mittelpunkt, die
Vertreter von CEU in der Öffentlichkeit stets mit wenigen Leitprinzipien
verständlich machen können müssen.
5. Als Zielgruppen einer Vernetzung und Ausdehnung des eigenen
Unterstützerkreises werden schwerpunktmäßig Investoren/Developer, Künstler und
lokale Initiativen identifiziert. Eine Zusammenarbeit mit öffentlichen
Institutionen auf der Ebene des Bundes und der Länder wird ebenfalls angestrebt,
wenngleich eine zu enge Nähe aus Gründen der Profilbildung, des
Selbstverständnisses eines „kritischen Wächters“ gegenüber der Städtebaupraxis
und der Gefahr einer politischen Instrumentalisierung vermieden wird.
6. Der CEU ist bereit, als Beratungs- und Vermittlungsinstanz Lernprozesse in
Gang zu setzen, die allen Nutzern von Stadt gleichermaßen verpflichtet sind und
die umfangreichen Erfahrungen mit „europäisch-urbanen“ Lösungen in den
Mittelpunkt stellen.
7. CEU ist nicht elitär. Eine zu große Nähe zu Bewegungen, die darauf setzen,
Qualität anstatt von Mittelmaß zu fördern, wird daher vermieden, da Mittelmaß
nicht wegreformierbar, sondern selbstverständlicher integraler Teil der
Gesellschaft ist. Nichtsdestoweniger versucht CEU, seine eigenen
Qualitätsansprüche offensiv zu vertreten und mit sanfter Überzeugungskraft zu
vermitteln, ohne sich dabei von der eigentlichen Hauptzielgruppe, den an hoher
Lebensqualität interessierten Menschen, unnötig zu entfernen.
8. CEU arbeitet kampagnenorientiert. Zukunftsträchtige Themen werden ausgewählt
und über mehrere Monate konzentriert und auf verschiedenen Pfaden bearbeitet,
die vor allem in die praktische Stadtentwicklungspolitik hineinwirken. Dabei
lautet das Stichwort nicht einmal „einmischen“, sondern eher noch „Zeichen
setzen“.