Vielseitiges Stilgemisch
Vieles hat das Ceausescu-Regime überdauert: kleine Villen, verwinkelte Gassen. Wohl in keiner anderen europäischen Hauptstadt findet man auf engstem Raum ein derartig vielseitiges Stilgemisch. Trotz Denkmalschutz verschwinden immer mehr historische Gebäude. Denn die Investoren haben andere Interessen. "Ich bin hier mit dem Fahrrad vorbeigefahren, hatte zum Glück einen Fotoapparat dabei und habe fotografiert, wie sie die Villa in der Nacht abgerissen haben", so Höfer. "Ich habe gehört, dass sie es immer nur nachts machen, damit in den Medien keine Aufmerksamkeit erregt wird."
Kriminelle Machenschaften
Der Turbokapitalismus überrollt die Einwohner von Bukarest. Mit kriminellen Machenschaften vernichten Geldgeber alte Bausubstanz, darunter auch viele denkmalgeschützte Häuser. Obwohl die Fälle sich häufen, wurde bisher niemand verurteilt. Und selbst wenn: 2500 Euro Geldstrafe können maximal verhängt werden, dabei sind die Grundstücke oft mehrere Millionen Euro wert. Immer mehr Bürger wehren sich gegen die Bulldozer der Immobilien-Mafia. "Bukarest wird keine europäische Hauptstadt mehr sein, weil jede europäische Hauptstadt ein historisches Zentrum hat und wir werden bald keines mehr haben", befürchtet eine Demonstrantin.
"Die Stadt hat kein Durchsetzungsvermögen", meint Dan Nicusor, der Präsident von "Save Bucarest". "Die internationalen Baufirmen und Investoren kommen nach Rumänien und machen 200, 300 Prozent Profit, indem sie im historischen Stadtzentrum die alten Häuser abreißen und Hochhäuser hinbauen. Das gelingt ihnen hier so gut wie in keinem anderen Land. Der Staat ist schwach und seine Institutionen sind korrupt." Der Denkmalschutz funktioniert nicht, kritisiert die Bürgerinitiative. Gebäude, die seit Jahrzehnten auf der Liste waren, würden nach neuen manipulierten Gutachten wieder von der Liste genommen.
Denkmal in Flammen
"In der Regel begutachten wir von der Denkmalschutzbehörde all die bedeutenden Immobilien", sagt Stefan Damian, Leiter der Denkmalschutzbehörde. "Von den schriftlichen Abrissanträgen werden 60 bis 80 Prozent abgelehnt. Es ist also nicht so, das man hier mit einem Gutachten ankommt und dann beginnt gleich der Abriss. Es ist nunmal unsere tägliche Arbeit, dass wir Gebäude von der Liste nehmen und neue drauf setzen." Es komme ganz auf die Höhe des Schmiergeldes an, sagt die Bürgerinitiative. Aber es geht auch ohne Abrissgenehmigung. Eine alte Mühle war denkmalgeschützt - sie ging in Flammen auf. Heute zeugen nur noch die verkohlten Balken von dem nächtlichen Inferno.
Großbaustelle Innenstadt: Dem städtischen Chefarchitekten, Stefan Dumitrascu, sind die Altbauten ein Dorn im Auge. "Ich bin der Meinung, mehr als 60 Prozent der bestehenden Gebäude im Zentrum sind veraltet, physisch und moralisch. Sie haben auch keine wertvolle Atmosphäre. Diese Gebäude sollten weg", sagt er. "Das mit dem Denkmalschutz und mit dem Urbanismus wird hier noch dauern in Bukarest - bis die Bevölkerung kapiert, dass das Schäden sind, die nicht zu reparieren sind." Bukarest boomt. Aber wenn es so weitergeht, wird vom "Klein-Paris des Ostens" bald nicht mehr viel übrig sein.
Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
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25.09.2009 / ("ttt"/NDR) / yg/se