Die Stadt ist ins Zentrum der öffentlichen Diskussion getreten –
zugegebenermaßen noch nicht in einer Weise, die wünschenswert ist. Die
politische Debatte im Land wird von kurzfristigen Themen diktiert, die Stadt ist
etwas zu normales oder etwas zu unspektakuläres; jedenfalls ist das in
Deutschland so – noch. In anderen Ländern, so z. B. in Großbritannien oder den
USA, sieht das ganz anders aus. Auch hier hat Deutschland Nachholebedarf. Dabei
können wir hier durchaus auf einige Erfolgsgeschichten blicken.
Im September 2005 fand der internationale Kongress des Council for European
Urbanism in Berlin statt – sein Titel war: 30 Jahre Europäische Stadt –
Rückblick und Ausblick. Dieser Kongress offerierte Tendenzen der internationalen
Städtebaudebatte, basierend auf einer Bilanz de vergangenen 30 Jahre Städtebau
in Europa. Die Ergebnisse dieses Kongresses stehen im Mittelpunkt dieser zweiten
Ausgabe.
30 Jahre Europäische Stadt, das klingt irreführend. Hintergrund dieses
Kongresstitels ist das 30 jährige Jubiläum für die spektakuläre Aktion des
Europarates 1975: „A Future for our Past“ lautete das Motto unter welchem der
offizielle Abgesang der verfehlten städtebaulichen Radikalmoderne zelebriert
wurde. Das Ende der Kahlschlagsanierung, der autogerechten Stadt und, vor allem,
der Vernachlässigung des historischen Erbes in den Städten wurde eingeläutet –
europaweit, also auch über die Blockgrenzen im geteilten Europa hinweg. Dieses
Jubiläum ist Anlass für eine Bilanz, aber besonders auch für einen Ausblick.
Dieser wird in einer Reihe von Kongressbeiträgen aus verschiedenen Blickwinkeln
umrissen und die in loser Folge hier vorab veröffentlicht werden, jedoch im
Beitrag des britischen Städtebauministers und Vizepremiers, John Prescott,
fokussiert.
Diese Ausgabe will damit beginnen, verstärkt Projekte zur Diskussion zu stellen.
Ausgehend von Berlin, werden nationale und internationale Projekte erörtert und
mit übergreifenden Beiträgen ergänzt. Damit wird allmählich ein Kompendium der
Projekte entstehen, die den Umbruch in den Städten und Regionen markieren,
vorbildlich sein sollen oder kontrovers diskutiert werden. Dabei reicht das
Spektrum vom Hochhaus versus Fachwerk in der Stadt (z. B. Frankfurt am Main),
über Trends bei neuen Wasserfronten in Hamburg oder Offenbach und neuen Typen
von urbanen Shopping Malls in Pasadena (USA) bis zur visionären „Stadt nach dem
Öl“.
Harald Kegler