Bei der Neugestaltung der Berliner Mitte
geht es vorrangig um den Rathausbereich.
Dort, nicht am Schloss, ist das
Zentrum der historischen Bürgerstadt.
Mit zwölf
Planungsgrundsätzen
zur Rathausmitte
Um der historischen Mitte Berlins gerecht zu werden, muss man den alten 800-jährigen Stadtkern von dem jüngeren
Zentrum der Residenz der Kurfürsten und preußischen Könige deutlich unterscheiden.
Das eine war die Mitte der alten Bürgerstadt und das andere war der Bereich der Hohenzollern und später mit
Schlüters Stadtschloss die Mitte Preußens.
Mit dem Wiederaufbau des Schlosses und seiner Gestaltung als Humboldtforum könnte der alte
ursprüngliche Stadtkern an Gewicht verlieren, weil man meint, mit dem Stadtschloss die Mitte wieder gewonnen zu haben.
Nur der historische Rathausbereich hat jedoch das Potenzial und die Legitimation, sich zu einer demokratischen Bürgermitte
zu entwickeln, die dem Gemeinwesen Berlin einen lebendigen und geschlossenen Zentralraum gibt.
Das überdachte (eingehauste) Humboldtforum als internationales, touristisches Weltkulturforum kann kein Ersatz für ein
urbanes und attraktives Rathaus- bzw. Stadtforum sein.
Mit dem richtigen Konzept kann sich Berlin zwischen Rathaus und Marienkirche ein Leuchtturmprojekt bzw. Exzellenz-Center „Bürgerstadt – öffentlicher Raum“ mit starken stadthistorischen Bezügen schaffen, für das sich genügend Investoren, Mieter und Nutzer finden lassen. Der nachfolgende Text versucht, ein solches Konzept für ein neues Rathausforum zu entwerfen.
Rolf Ludwig Schön
Copyright © Rolf Ludwig Schön, 2010
Rolf Ludwig Schön ist Autor des Buches
Berlins stille Reserven Bürger – Werte – Stadtkultur
Verlag: Books on Demand, ISBN 978-3-8334-7283-1
360 Seiten, Euro 14,90
Der Autor hat 2009 mehrere Vorträge über eine Bürgermitte in Berlin gehalten.
rolf-ludwig-schoen{at|gmx.de
Was man sich nicht vorstellen kann,
strebt man nicht an.
Chancen, die Berlin nicht erkennt, wird die Stadt nicht nutzen.
Wir sprechen im Folgenden vom Kern der historischen Mitte Berlins, dem Bereich vor
dem Roten Rathaus, im sogenannten Marienviertel, das nach Nordwesten hin von der Marienkirche begrenzt wird (siehe auch Seite 10 und 11).
Der Begriff Rathausforum wäre da sehr passend, wenn nicht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung irreführend und absichtlich etwas anderes darunter verstünde und die Berliner in eine andere Richtung drängen will. Sie meint damit den gesamten Raum zwischen Spree und Fernsehturm und möchte den bisherigen aus der DDR-Zeit
überlieferten Freiraum (14 Hektar!) in überarbeiteter Version als luftigen Erholungskern direkt vor dem Rathaus erhalten und den Berlinern als strahlende Rathausmitte verkaufen (siehe Abbildungen auf folgender Seite).
Das hätte mit einem pulsierenden, öffentlichen Zentrumsplatz und den entsprechenden Gebäuden einer demokratisch verfassten Bürgerstadt allerdings nicht das Geringste
zu tun.
Über eine solche Bürgerstadt wollen wir im Folgenden nachdenken und gewichtige Argumente für sie sammeln.
Noch sieht hier alles aus wie zu DDR-Zeiten, als dies der größte Teil der Staatsachse der Hauptstadt des sozialistischen Deutschland war.
Für die Zukunft einer 3,4 Millionen-Stadt kann das jedoch nicht so bleiben, weil es keinen Grund gibt, diesem in Konkurs gegangenen autoritären Staat und einer angeblichen DDR-Moderne auf so großer und wichtiger Fläche zu gedenken. Da hilft auch der trügerische Name Rathausforum nicht.
Die Stadt braucht, wie wir im Folgenden begründen wollen, eine urbane, starke Mitte, die auf der Fläche der ehemaligen Staatsachse und des vormaligen historischen Stadtkerns bestens heranwachsen könnte. Das riesige Areal bietet hervorragende Chancen, ein geradezu exzellentes Rathausforum zu gestalten. Der Platz hat das Potenzial für eine beispielhafte Stadtmitte.
Zugegeben - als Modell für eine demokratische Bürgerstadt mit einer allseits akzeptierten Rathausmitte scheint das große Berlin schlecht geeignet.
Zwei Dinge sprechen jedoch dafür: Die Freiflächen vor dem Rathaus (die ja der Grund für die derzeitigen Überlegungen und Kontroversen sind) und in Bezug auf Bevölkerung und Stadtbezirke das heterogene Berlin. Die Stadt muss besser zusammenwachsen.
Diese Freiflächen bergen also enorme Möglichkeiten, sie sind - neben anderen - ein Tor zur Zukunft der Stadt.
Natürlich ist das eine große Herausforderung und es wird lange dauern, das Berliner Stadtteil- und Kiezbewusstsein zu verändern. Aber das Argument, dass das in Berlin nicht ginge, sollten wir angesichts der Notwendigkeit und der kommenden Zwänge nicht
gelten lassen. Das kann man ändern! Das kreative Berlin braucht Vorstellungen über seine Zukunft, es braucht eine Vision, weiterführende Leitbilder, eine echte Mitte.
Wenn aber anscheinend mit zunehmender Geschwindigkeit alle Monate neue Bücher
und Experten-Meinungen zur historischen Mitte, dem Marienviertel oder seit Dezember

Im Dezember 2009 präsentierte die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher mehrere Entwürfe für ein neues Rathausforum zwischen Rotem Rathaus, Marienkirche, Spree und Fernsehturm. Diese gewaltige Freifläche negiert das alte
Grundraster der historischen Altstadt (siehe dazu Seite 9 und 10). Es handelt sich um Vorschläge, die die Diskussion
um die historische Mitte beleben sollen. Entwürfe: Architektengruppe Graft mit den Büros Chipperfield und Kiefer.
2009 mehrere Entwürfe zu riesigen Rathausforen in den Ring geworfen werden, rot-rote
Koalitionsvereinbarungen bestimmte Lösungen blockieren sollen, Ost mit West erbittert streiten, dann könnte sich Berlin im Vorfeld schon verzetteln.
Aber, und das ist das Positive, die Keimzelle der Stadt ist zum Top-Thema geworden.
Berlin denkt über seine alte und neue Mitte nach.
Bevor wir jedoch über Bebauung oder Freiraum, über historischen Stadtgrundriss, Gestaltungssatzung usw. reden, müssen wir eine Reihe von Grundfragen klären.
Am Anfang steht die Grundlagenermittlung:
Welche Funktion und Aufgabe hat eine Mitte für die Gesamtstadt?
Was will Berlin mit seiner historischen Mitte?
(das gesamte Berlin, nicht der Bezirk Mitte oder die Anlieger)
Welche Möglichkeiten, Chancen und Potenziale bietet das Areal?
Erst wenn Berlin sich über das Wesen und den Charakter seines Stadtkerns im Klaren ist, können wir über dessen Ausgestaltung diskutieren. Vorher nicht.
Fünf kritische Anmerkungen vorweg:
- Die Formulierung eines ideellen Leitbildes und Erarbeitung eines inhaltlichen Masterplans liegen bei Bürgermeister, Abgeordnetenhaus und den Bürgern
der Stadt - das kann nicht Sache der allseits bekannten Fachleute aus der Szene der Architekten, Städtebauer und Senats-Planer sein. Die sind wichtig, aber ihre Kompetenz liegt in der Umsetzung.
- Auf internationale Großexperten kann Berlin getrost verzichten! Das muss sich die Stadt selbst erarbeiten, das muss aus dem Willen und der geistigen Substanz des Ortes kommen (!)
- Gutgemeinte demokratische Bürgerwerkstätten (Stadtforum von unten) in allen Ehren, aber nur mit Vertretern aus allen Bezirken mit den erforderlichen Vorkenntnissen.
- Wir können die Gestaltung nicht streng am historischen Grundriss Alt-Berlins ausrichten. Er dient der Orientierung. Drumherum befindet sich mittlerweile eine 3,4 Millionenstadt mit neuen, andersartigen Herausforderungen.
- Diese Mitte ist ein Zukunftsprojekt. Sollte Berlin die Kraft zu einer starken, neuen Rathausmitte finden, dann wird diese frühestens 2020 bis 2025 sichtbar werden. Einen Teil der derzeitigen Kontrahenten gibt es dann nicht mehr und es werden veränderte Berliner in einem veränderten Umfeld sein, die es dann nutzen.
Ost-West-Nachwendestreitereien sind in zehn Jahren nicht mehr nachvollziehbar.
Bevor formale Lösungen ins Spiel kommen, muss Berlin also wissen, was hier eigentlich
stattfinden soll. Dabei geht es nicht darum, was derzeit angenehm und wünschenswert wäre, sondern was die Gesamtstadt braucht.
Es geht um Stadt-Gesellschaft, um qualifizierte öffentliche Räume – und um Zukunft.
Erst danach können wir über Architektur nachdenken.
Gesucht wird ein verbindliches, greifbares Leitbild, eine Vision.
Wo will die Stadt hin, welche Art von Stadtgemeinschaft schwebt ihr zukünftig vor?
Im Inneren der Stadt sammelt sich alles was für das Gemeinwesen der Bürger wichtig ist. Je weiter man sich der Mitte nähert, desto mehr verdichten sich zentrale Einrichtungen, desto größer und höher die Bauten und wichtiger die Plätze. Am zentralen Punkt dann ein Marktplatz und das Rathaus mit dem Bürgermeister und dem Stadtrat. Nicht weit davon die Kirche.
Dieses alte westeuropäische Muster kommt aus den Freien Reichsstädten des Mittelalters. (Die griechische Polis, ohne Kirche und einer völlig anderen Arbeitsethik,
können wir trotz der Demokratie-Anfänge vernachlässigen.)
In diesen Städten mit einer stolzen selbstbestimmten Bürgerschaft gab es drei ordnungsgebende Säulen: Kirche, Rathaus, Markt - Religion, Politik und Wirtschaft.
Das wurde herausragend und bedeutsam gestaltet. Jeder konnte alle wichtigen Einrichtungen in der Mitte gut erreichen, sie stärkten den Zusammenhalt der Bürger und formten ihr Stadtbewusstsein.
Auch die Land- und Residenzstädte hatten eine betonte zentrale Stadtkrone, aber das Rathaus wurde durch das Schloss des Herrscherhauses ersetzt. Die Selbstbestimmung der Bürger war stark eingeschränkt oder nicht vorhanden.
Mit der Industrialisierung wuchsen die Städte und die Bürger erhielten, auch in den Residenzstädten, ein größeres Maß an Mitbestimmung. Die im 19.Jahrhundert enorm gewachsenen Städte brauchten größere Rathäuser und diese entstanden wie z.B. in Berlin, Hamburg oder München in den historischen Kernen.
In vielen deutschen Kleinstädten sind Rathaus und Marktplatz übrigens oft völlig unverändert. Bürgermeister und Stadtrat arbeiten nach wie vor in den ursprünglichen, jahrhunderte-alten Räumen. (Ja manchmal sind sogar die Möbel noch dieselben.)
In den neuen Großstädten verteilten sich viele öffentliche Einrichtungen über die gesamte Innenstadt. Nicht alles konnte dort in der historischen Mitte Platz finden.
Die neu gebauten Rathäuser hätte man ebenfalls außerhalb der engen Altstadt bauen können. Da war viel mehr Platz. Die alte Mitte war aber für alle gut erreichbar und hatte aufgrund ihrer gewachsenen Tradition Kraft und Ausstrahlung. Das verlieh dem Rathaus und der gewählten Stadtführung Legitimität und Autorität.
In Berlin z.B. steht das Rathaus genau an der Stelle, wo sich seit zirka 1380 das alte Rathaus schon vor der Hohenzollernzeit befunden hat. (Das erste Rathaus davor stand wahrscheinlich am Molkenmarkt.) Das ist eine erstaunliche Kontinuität.
Die historische Mitte erfüllt also noch unverändert in fast allen deutschen Städten wichtige zentrale Funktionen. Sie ist in aller Regel nach wie vor das Herzstück des demokratischen Gemeinwesens Stadt.
Vieles haben die Städte und unsere Gesellschaften in Deutschland und in Europa erreicht. Wir haben Demokratie, ein gutes Grundgesetz und viele persönliche Freiheiten.
Aber in den lockeren, liberalen Gemeinschaften schwindet der Zusammenhalt, steigt mit
wachsender Arbeitslosigkeit die Armut, sinkt mit fehlender Transparenz die Wahlbeteiligung und breitet sich Politikverdrossenheit aus.
Wie wird das weiter gehen? Können wir zuversichtlich nach vorne schauen?
Was sich die Gesellschaft über Generationen mühsam erkämpft und erarbeitet hat, kann in kurzer Zeit wieder zerfallen. Die Erosion von Moral, Solidarität und Sicherheit im öffentlichen Raum ist bereits in vollem Gang. Von den zunehmenden Bildungsdefiziten und den verblödenden Medien der Spaß- und Erlebnisgesellschaft wollen wir gar nicht erst reden.
Auf was können die Stadtbewohner in dieser Lage hoffen?
Auf was kann ein Großteil der Jugendlichen hoffen?
Das städtische Gemeinwesen spaltet sich im Hinblick auf Einkommen, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe zunehmend auf. Statt Integration - Differenz und Ausgrenzung.
Diese Verwerfungen werden in den Städten zu immer härteren Auseinandersetzungen führen. Das geht nicht gut.
In diesem Umfeld kommt dem Stadtkern, der historischen Mitte ein neues Bündel an
elementaren und wichtigen Aufgaben zu.
Die Mitte ist eine Gesellschaftswerkstatt, sie hat aber auch mit Repräsentation, Identifikation und Bewusstseinsbildung zu tun. Natürlich kann sie einen Teil dieser Aufgaben nur symbolisch erfüllen - was sie leisten muss, ist Sache der ganzen Stadt.
Aber sie ist Leuchtturm, zentrales Podium und Taktgeber.
In gewisser Weise ist die Mitte die Zusammenfassung der Stadt – sie ist dabei mehr als die Summe ihrer Einzelteile - und sie ist höherwertig!
Der Rathausplatz im Zentrum sollte daher unter den Stadtplätzen aus gutem Grund der erste und der wichtigste sein. Das muss man sofort sehen. Denn es handelt sich hier um eine höherwertige Öffentlichkeit, die anders ist als die vom Hackeschen Markt oder dem Kurfürstendamm.
Warum?
Weil es am Rathaus um die „res publica“ geht, um die eigenen Anliegen der Bürger der Stadt. Es geht also nicht vorrangig um Handel, Freizeit und Entspannung. Der Kern hat
ein verbindendes Grundmotiv; er versucht die Angelegenheiten des Gemeinwesens sichtbar zu machen, zu thematisieren und zu repräsentieren.
Das Gleiche gilt für das Gebäude Rathaus. Hier erlebt der Bürger und der Tourist, wie dieses Gemeinwesen sich mit allen seinen historischen Bezügen sieht und darstellt. Das ist eine Visitenkarte. (Zu dieser Visitenkarte und zur Geschichte des Ortes gehört in Berlin ausdrücklich auch der 368 Meter hohe Fernsehturm.)
Der schöne Begriff der Stadtkrone ist also durchaus noch aktuell, auch für das große Berlin und auch in moderner Zeit mit Autos, Zeitungen, Fernsehen und Internet.
Aber die Stadtkrone ist nicht nur eine reizvolle Silhouette. Sie steht für bestimmte Inhalte und dementsprechende Aufgaben.
Quer durch die Republik spricht man seit einigen Jahren mit wärmsten Worten über die Europäische Stadt. Das Bundesbauministerium, Bürgermeister, Stadtentwickler, alle reden und schreiben sie im Hinblick auf die Innenstadtgestaltung von der großen Bedeutung eines intakten Stadtkerns, von der Identität stiftenden historischen Mitte.
Der historische Stadtkern Berlins
Doppelstadt Berlin und Cölln um 1400 – vor den Hohenzollern, vor dem Schloss

Nordöstlich der Spree befindet sich Berlin mit dem Molkenmarkt und der Nikolaikirche (1), dem Rathaus (9), dem Neuen Markt und der Marienkirche (3). Die beiden Kirchen stehen noch. Das alte Rathaus wurde 1869 durch das derzeitige Rote Rathaus ersetzt, heute Sitz des Regierenden Bürgermeisters von Berlin.
Südlich davon auf der Spreeinsel befindet sich Cölln mit der Petrikirche (2) und dem Cöllner Rathaus (10). Beide Gebäude wurden abgetragen.
Nördlich des Dominikanerklosters (5) bauten die Hohenzollern ab 1443 ihr Schloss. Nach 1699 wird das kurfürstliche Schloss von Andreas Schlüter zu einem barocken Königsschloss ausgebaut. Dieses Stadtschloss wurde 1950 gesprengt und soll in den nächsten Jahren gegenüber den im 19. und 20. Jahrhundert errichteten Bauten der Museumsinsel als Humboldt-Forum wieder errichtet werden
(siehe auch Skizze gegenüber).

Der Pfeil von links zeigt den Verlauf der Straße Unter den Linden. Er zeigt auf das schräg liegende Stadtschloss, das zukünftige Humboldt-Forum (HF). Der Wassergraben rechts im Bild an der Stadtbefestigung existiert nicht mehr. Vom östlichen Spreearm bis zum Fernsehturm (F) befindet sich heute eine große Freifläche – die ehemalige Staatsachse der DDR. An der Südseite liegt das Rote Rathaus (R). Nördlich davon in der Freifläche die Marienkirche. Hinter dem Fernsehturm ist der Bahnhof Alexanderplatz und nordöstlich davon der Alexanderplatz (AL).
Das ursprüngliche Muster ist die schon erwähnte mittelalterliche Freie Reichsstadt, in der
die Bürger selbst die Angelegenheiten ihres Gemeinwesens regelten. Sie waren freier
als andere, aber sie hatten Verantwortung, Pflichten und sie waren wie alle anderen in religiöse und städtische Ordnungen eingebunden. (Demokratie im heutigen Sinne
war das damals natürlich nicht, aber es unterschied sich deutlich von der Alleinherrschaft
eines Landesherren.)
Da sind wir dann wieder bei Kirche, Rathaus und Markt. Das kommt gut an, weil es in unserer verunsicherten, globalisierten Welt ein Zurück zu Vertrautem verspricht; zu Tradition, Ordnung und abendländischen Werten.
Wir sollten aber nicht in alten Bildern hängenbleiben, denn die Prioritäten haben sich seit über 60 Jahren hin zu Konsum, Staat und Pluralismus verschoben. Ein verbindendes Weltbild, eine geistige Mitte fehlt. Das stellt uns vor völlig neue Herausforderungen.
In die Europäische Stadt kann man alles Mögliche hineininterpretieren und liest man sich etwas ein, wird man mit Definitionen geradezu überschüttet. Jeder versteht etwas
anderes darunter.
Die meisten Menschen halten sie für eine traditionsreiche Stadt mit historischer Bausubstanz und einem historischen Kern. In höchsten Tönen wird Urbanität mit südländischem Ambiente besungen; Cappuccino und zwanglose Öffentlichkeit.
(Dass aber dem Südländischen aus der Sicht der Nordländer auch einige „nördliche“ Ordnungsvorstellungen fehlen, erfahren wir höchst anschaulich in diesen Tagen. Unsere mitteleuropäischen Städte haben andere Traditionen und es lohnt sich, darüber nachzudenken, wie wir das erhalten können. Wer also meint, das Europäische nur in Oberitalien finden zu können, springt zu kurz.)
Eine einheitliche Definition der Europäischen Stadt gibt es nicht. Sie ist ein theoretisches Konstrukt. Rein und vollständig kommt sie nicht vor, sie ist eine Wunschvorstellung.
Die Annahme, es könnte sich um eine Stadtentwicklungsnorm für ganz Europa handeln, verkennt die gewachsenen Unterschiede zwischen Nord/Süd und Ost/West.
Europäische Grundzüge ja, aber für uns in Deutschland in einer mitteleuropäischen
und deutschen Version.
Seien wir nicht zu bescheiden - wir haben selbst gewichtige historische Bezugspunkte!
Wenn man sich aber auf einige grundsätzliche Wesenszüge dieser Art von Stadt beschränkt, dann kann man von einer nützlichen Orientierungshilfe sprechen.
Das hat die 2007 mit Hilfe der Bundesregierung erarbeitete Leipzig Charta durchaus richtig verstanden. Sie führt vier Merkmale der Europäischen Stadt auf:
Mit- und Selbstbestimmung - soziale Integration,
Nutzungsmischung - öffentlicher Raum.
Das Wesentliche ist also die Art des Zusammenlebens, sind Ordnungen und strukturierte Gemeinschaften. Denn wir reden über gesellschaftliche Leitbilder, über Kultur und Werte.
(Verglichen mit Großbritannien und den USA haben wir in Mitteleuropa ein anderes Verständnis von Marktwirtschaft, staatlicher Regulierung und staatlichem Kulturauftrag.
Das alles lässt sich aus unseren Städten durchaus herauslesen.)
Füllt man die historischen Kerne jedoch mit Büros aller Art, mit Cafés, urigen Kneipen,
edlen Boutiquen, quetscht ein paar Kaufhäuser und ggf. eine Shopping-Mall dazwischen,
überlässt das Regieren hinter abweisenden Fassaden dem Bürgermeister und dem Stadtrat, hält die Einwohner beim Politischen auf Abstand (weil Parteien, Verbände und die Wirtschaft das schon machen werden), dann bleibt zuletzt von den europäischen Grundlagen kaum noch etwas übrig. Alles hübsche Restaurieren ändert daran nichts.
Für unsere Städte hat sich seit den selbstbestimmten Handelsstädten des Mittelalters vieles tiefgreifend verändert. Sie sind nur noch zu geringen Teilen ein eigener Rechts- und Wirtschaftsraum. Eine eigene Gerichtsbarkeit, eigene Münzen und Zölle gibt es nicht mehr und die meisten Gesetze und Steuern werden vom Staat (Bund) vorgegeben. Die Stadtspitze und die Bürgerschaft haben heute im Vergleich zur Freien Stadt des Mittelalters wenig zu bestimmen. Ihre Selbstverwaltung ist wichtig und notwendig, aber die Spielräume haben sich verengt. Der Staat hat den Städten viel genommen und mittlerweile regelt sogar die EU in Brüssel vieles mit.
Von der überlieferten Dreiheit Kirche, Rathaus, Markt hat lediglich das Rathaus (2.) im Kern der Stadt seine Bedeutung für alle Einwohner behalten - mit den eben angeführten Einschränkungen: Der Staat hat sich vor die Stadt geschoben. (Aber Berlin ist Bundesland und Stadt zugleich; da sind die Möglichkeiten etwas größer.)
Der Markt (3.) als offene Fläche vor dem Rathaus oder auf weiteren Innenstadtplätzen hat als Handelsplatz seine Funktion verloren. Мarkt ist allerorten, heute auf privaten Flächen als Einzelhandel, Supermärkte oder große Shopping-Malls. In verwandelter Form sind erfolgreiches Erwerbsstreben, Kaufkraft und Konsum in die Mitte der öffentlichen Akzeptanz gerückt. Die intensive Teilhabe an diesem „Markt“ ist eine der wichtigsten Säulen eines sinnerfüllten Lebens.
(Aber die öffentliche Fläche „Markt- bzw. Rathausplatz“ hat neben dem Handel noch weitere Funktionen wie Identifikation, Repräsentation, Versammlungsstätte und z.B. Festplatz. Und das sollte uns heute wichtig sein.)
Die mächtigen Kirchen (1.) sind unübersehbar als hoch aufragende Zeichen präsent, doch spielen sie im geistigen Leben der Bevölkerung nur noch eine untergeordnete Rolle, insbesondere im kirchenfernen Berlin. Kaum jemand weiß was in der Bibel steht, kaum jemand kann mit den christlichen Feiertagen etwas anfangen. Das ist willkommene Freizeit. Jeder hat sich ein eigenes Weltbild zurecht gelegt.
Die großen Klammern sind heute also berufliches Vorankommen, materieller Wohlstand und Sozial-Staat. Die Kirche hat die Funktion als geistige Klammer, als Wertegeber längst verloren.
(Die dabei entstandenen Defizite wollen wir hier aber nicht weiter vertiefen.)
Wer heute die umfassende geistige Klammer, die gesellschaftlichen Leitbilder, das Europäische klar benennen und herausarbeiten will, tut sich schwer. Wer Migranten integrieren, auf unsere Werte und kulturellen Grundlagen verpflichten will, kann nur dann glaubwürdig bleiben, wenn auch die angestammte Bevölkerung diese kennt und sie sichtbar lebt.
Angesichts der auf wirtschaftlichen Erfolg, Wohlstand und persönliche Freiheit ausgerichteten allgemeinen Ellbogenmentalität bleibt von städtischer Gemeinsamkeit oftmals wenig übrig.
Es geht in unserer pluralistischen, auseinanderdriftenden Gesellschaft beim Thema
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Integration nicht, wie viele glauben, nur um Ausländer und ein paar zornige Jugendliche, sondern mittlerweile um die gesamte Bevölkerung. Integration betrifft mit zunehmender Dringlichkeit alle, weil die verbindende Mitte schwer auszumachen ist.
Man braucht wenig Phantasie, um zu erkennen, dass die gesamte Gesellschaft, die
Städte und insbesondere das heterogene Berlin, sich hier etwas einfallen lassen müssen. Denn die Zeit drängt.
Vor uns liegen Einschränkungen und soziale Härten. Wenn sich die Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Verdienenden, Gutverdienenden und einer immer größer werdenden Zahl von Arbeitslosen, Sozialhilfeempfängern und armen Rentnern immer weiter öffnet, dann wird das für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, für die Kohärenz der Stadtgemeinschaft fatale Folgen haben.
Da kann dann die historische Mitte einer Stadt so europäisch aussehen wie sie will; das wird ihr nichts nützen.
Die mitteleuropäische Stadt gründet also vor ihrem hochgeschätzten historischen Aussehen auf unsichtbaren Eigenschaften wie sozialer Integration und gesellschaftlicher Teilhabe aller Einwohner. Teilhabe ist aber nicht nur ein einzuforderndes Recht, sie ist auch eine Pflicht zur Mitarbeit, sprich Bürgerarbeit. Integration und Partizipation muss diese Aspekte mit einschließen!
(Natürlich gründet die Stadt auf Leistung, technischem Fortschritt und wirtschaftlicher Prosperität, - es muss ja was da sein, an dem man teilhaben kann - aber das darf den Charakter eines Rathausforums auf keinen Fall dominieren. Hier geht es vorrangig um
die allgemeinen, öffentlichen Angelegenheiten, die „res publica“.
Gewiss soll ein Zentrum seine historischen Bezüge herausstellen, es soll attraktiv sein und möglichst viele Einwohner aus allen Stadtteilen ansprechen und einbinden. Stadtbürger und Touristen können dort einkaufen, flanieren und die gastronomischen Angebote nutzen. Und natürlich ist es wünschenswert, dass dort auch gewohnt wird. Ein lebendiger Stadtteil darf am Abend und am Wochenende nicht veröden.
Aber wir sollten uns bewusst werden, dass das Zentrum, wie zentrale Organe im Körper, bestimmte Aufgaben erfüllen muss. Es hat leitende, integrierende Funktionen und kann demnach weder ein grüner Erholungsraum noch eine romantisch-schicke Altstadt sein, einfach nur urban und kommerziell.
Da würde nicht nur dem Körper der Stadt etwas fehlen, sondern auch ihrem Geist.
Wer also das Thema Stadt und Gesellschaft ernst nimmt, dem stehen nicht mehr alle Optionen offen.
Jede demokratisch verfasste Stadt steht neben ihrem ökonomischen Wohlergehen und ordnungsgemäßen Funktionieren vor weiteren wichtigen Herausforderungen, insbesondere: Integration, Identifikation, Transparenz und Partizipation.
Das gilt besonders dann, wenn die Einwohner verschieden sind in Einkommen und Besitz, in Bildung und Weltanschauung und in ihren ethnischen Ursprüngen. Fast alle Industrie- und Einwandererländer, so auch Deutschland, müssen das immer wieder ausbalancieren.
Da sind wir gar nicht so weit von der Leipzig Charta von 2007 entfernt. Wenn die Charta aber mehrmals ohne nähere Erklärung wie selbstverständlich von integrierter
Stadtentwicklung und ganzheitlichen Strategien spricht, scheint das entweder
allgemein bekannt zu sein, zum Erklären zu umständlich oder die Verfasser wissen selbst nicht so genau, worum es sich handelt und überlassen die Auslegung den
Städten und Planungsfachleuten.
Das Leipziger Papier haben viele gelesen, es wird dauernd zitiert, aber anscheinend
nicht verstanden.
Die üblichen Innenstadtlösungen, die sich auf die Charta und das Europäische berufen, sind trotz großer Worte weit von integriert und ganzheitlich entfernt. Angenehm durchmischte, kommerzielle Urbanität ist die Messlatte. Mehr wird kaum erwartet und zu mehr reicht auch die Phantasie der Verantwortlichen nicht.
Wir alle (nicht nur Politiker, Stadtentwickler und Architekten) haben kein Bild von einer lebendigen, demokratischen Bürgermitte. Wir können sie uns nicht vorstellen und daher versprechen wir uns nichts von ihr. Die Stadt scheint uns lediglich ein ökonomisches Gebilde zu sein, das Ordnung, Infrastruktur und reibungsloses Funktionieren gewährleisten muss, und natürlich soll sie gut aussehen und uns ein paar urbane, gemütliche Bereiche vorhalten (Flanieren, Shoppen, Genießen).
Das Ideelle haben wir in der Privatsphäre und daneben in Bibliotheken, Museen, Kirchen und Festansprachen geparkt.
Unsere hohen Anliegen müssen jedoch aus den Sonntagsreden, Parteitagsprogrammen und Wahlversprechen heraus ins Leben, heraus in den gesellschaftlichen Alltag, in
die Stadt.
Es kommt nicht darauf an, ob die Stadt alles was wir hierbei erwarten und wünschen leisten kann - sie kann es nicht! - aber wir müssen Zeichen setzen und die heute so hochgeschätzten Innovationen auch im Sozialen, im Gesellschaftlichen zustande bringen.
Jeder weiß natürlich, dass Integration Sache der gesamten Stadt und der ganzen Gesellschaft ist, sozusagen überall und rund um die Uhr - in der Schule, am Arbeitsplatz, in der U-Bahn und im Wohnviertel. Aber alle städtischen Herausforderungen kann man im Forum thematisieren, man kann Podien und Bewusstsein schaffen, Informationen, Beratung, Begegnungen, Feste und, und, und.
Das krisengeplagte Berlin hätte bei besserer Transparenz heute keine 60 Milliarden Euro Schulden. Bei aller Gewaltenteilung, parlamentarischer Opposition und Presse als Vierte Gewalt - es gibt zu wenig Transparenz. Da fehlt was.
Wir müssen uns immer wieder bemühen, Wege zu finden, wie die Politik verständlicher und durchsichtiger werden kann, wie wir uns mit ihr und unserer Stadt identifizieren können.
Dafür öffnet sich die Bürgermitte. Hier wird versucht, Politik einsehbar zu machen, hier greift man allgemeine Themen auf, organisiert Events und stellt Räume und Flächen zur Verfügung, schafft Öffentlichkeit und Identität.
Dabei ist es wichtig, dass die Aktivitäten im Umfeld des Rathauses im historischen Kern stattfinden. Die Aura des Ortes ist Teil der Botschaft.
Sollte das (zeitlich gestreckte) Humboldt-Forum sich mit einer Agora der Weltkulturen für ein internationales Publikum öffnen und dabei eine erhebliche Strahlkraft mit vielen
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Besuchern entwickeln, dann sähe ein introvertiertes, abweisendes Rathaus an einem inhaltsleeren Freiluft-Forum daneben gähnend langweilig und geistlos aus.
Das ließe sich mit einer kommerziellen Investoren-Normallösung mit ein paar netten
Plätzen natürlich irgendwie auffangen. Aber dann gleichen wir uns dem Nikolaiviertel
und dem Hackeschen Markt an.
Auch ein riesiges offenes Freiluft-Forum wäre beeindruckend, aber es bringt der Stadt keinen gesellschaftlichen Gewinn. Es führt die Stadt nicht zusammen. Es thematisiert nichts.
Die im Dezember 2009 von der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher vorgelegten Entwürfe
zu einem neuen „Rathausforum“ erinnern an die große Wohnstadt Lingang in der Nähe von Shanghai (Entwurf Gerkan, Marg und Partner, Hamburg), in der ein riesiger See mit hoher Fontäne die Mitte bildet. Demokratie und Bürger - Fehlanzeige, aber nach Aussage der Architekten hat die Mitte von Lingang Copacabana-Qualitäten.
Für die Stadtpolitiker und die Verwaltung wäre es sicherlich das Einfachste, das Rathausforum entweder keimfrei als Zentral-Park zu gestalten oder wenn dicht bebaut, es möglichst schnell in die üblichen Wirtschaftskreisläufe einzufädeln. Dann braucht man sich keine großen Gedanken mehr zu machen, zu experimentieren und hätte nach der Fertigstellung kaum noch mit dem Ganzen etwas zu tun. (Nun ja, Sauberkeit und Sicherheit.) Das läuft dann wie in jedem anderen Stadtteil und Politik und Verwaltung halsen sich nichts Neues auf. Jeder kann wie bisher pünktlich nach Hause gehen.
Es reicht doch, Bürgerfreundlichkeit und Offenheit vorzugeben und ab und an einen
Tag der offenen Tür zu veranstalten - ein paar Prospekte, Luftballons, Gummibärchen und Tragetaschen zu verteilen.
Wenn es um qualitative Innovationen für die Stadtgemeinschaft geht, fällt uns anscheinend nichts mehr ein. Diese Unbeweglichkeit, dieser Mangel an ernsthafter Auseinandersetzung mit dem Gemeinwesen, wird sich über kurz oder lang rächen.
Was wir heute nicht abarbeiten, wird uns demnächst gewaltsam auf den Tisch geworfen.
In Berlin mit seiner zweistufigen Verwaltung von regierendem Senat und 12 Stadtbezirken mit eigenen Rathäusern, Bezirksbürgermeistern und Bezirksverordnetenversammlungen und der Tradition als Residenzstadt mit einem großen Stadtschloss fehlt das Rathaus-Mitte-Bewusstsein.
Das 1920 zusammengelegte Groß-Berlin wurde von vielen abgelehnt und bekämpft. Der wohlhabende Charlottenburger oder Wilmersdorfer (bis 1920 selbständige Städte) sah seine Mitte nicht im Roten Rathaus. Mit den roten Proletariern östlich des Schlosses wollte er nicht so gern in einen Topf geworfen werden.
Es gibt also viele historische Vorbehalte, die wir hier nicht vertiefen wollen. Und um ehrlich zu sein: Eine beeindruckende bürgerliche Rathausmitte, mit stolzen Gebäuden und schönen Plätzen gab es im historischen Stadtkern nie.
Zuletzt Krieg, Zerstörung und Freiräumen für die luftige DDR-Achse. Nach nunmehr über 40 Jahren Abwesenheit verblasst die Erinnerung an den alten Stadtkern. Im Bewusstsein der Berliner gilt es also, einiges neu zu ordnen.
Sollte es Berlin jedoch mit einer neuen Rathausmitte gelingen, hier Beispielhaftes umzusetzen, könnte sich die Blickrichtung allmählich ändern. Und dann haben auch die Investoren, der Einzelhandel, die Reisebüros und das Stadtmarketing etwas davon.
Aber niemand verfügt über eine Vorstellung, über ein plastisches Bild von der Kraft, die ein solcher Stadtkern ausstrahlen kann.
Vor lauter ökonomischen Zwängen, Standortvermarktung, Wirtschaftsförderung, Tourismuswerbung, zwanglosem Lifestyle mit Kreativszene und Cappuccino-Trinkern ist uns die Sensibilität dafür verloren gegangen.
Hat Berlin anderen Orten etwas voraus?
Ja! Eine leere Mitte, die sich völlig neu gestalten lässt und die Möglichkeit, sich mit neuen
Erfahrungen und Ideen den heutigen Herausforderungen zu stellen.
Wenn die hippe und trendige Hauptstadt nun wirklich so wahnsinnig kreativ ist mit
Künstlern, Agenturen, Architekten, Universitäten, klugen Professoren, Akademien und Exzellenzzentren, dann sollte der Stadt eigentlich etwas einfallen, das Maßstäbe setzt. Die derzeitigen Probleme und die nächste Zukunft sind doch den meisten bekannt.
Genau hier liegt die Herausforderung und das Potenzial.
Und was ist mit den Bezirken - die sind doch viel näher am Bürger dran?
Denkt man an Integration in die deutsche Gesellschaft, in deutsche Kultur und Geschichte, an Identifikation mit dem Gemeinwesen Berlin, an Transparenz der Berliner Regierungspolitik und Arbeit des Abgeordnetenhauses, dann ist ein entsprechend gestalteter Rathausbereich besser geeignet als ein nüchternes, geschichtsarmes Bezirkszentrum.
Auch wenn das Rote Rathaus keinen unmittelbaren Publikumsverkehr wie die Bezirksverwaltungen hat, so ist es doch die sichtbare Zentralgewalt Berlins. Der Regierende Bürgermeister ist das bekannte Oberhaupt der ganzen Stadt. Die vom Bezirk kennt man allenfalls im eigenen Stadtteil.
Es sage mir keiner, dass ein attraktiver Rathausmarkt sich nicht wie der neue Hauptbahnhof, der neue Flughafen Schönefeld, das kommende Humboldt-Forum und die Museumsinsel für Berlin auszahlen wird. Das Rathausforum wird zum gesellschaftlichen Knotenpunkt, zur herausgehobenen Mitte, die neben Brandenburger Tor, Reichstagskuppel und Gendarmenmarkt zu einem der Wahrzeichen von Berlin werden wird.
Zum Abschluss dieses Abschnitts „Gesellschaftswerkstatt Mitte“ müssen wir uns klarmachen, dass dieses Rathausforum eine möglichst intensive Beziehung zu allen Einwohnern der Stadt herstellen soll.
Denn das Forum richtet sich an eine Zielgruppe von 3,4 Millionen Personen. Das Einzugsgebiet ist das gesamte Stadtgebiet von Berlin.
Diese Gesamtheit ist in diverse Gruppierungen unterteilt: Kinder, Jugendliche, Schulen,
Berufstätige, Rentner, Stadtbezirke, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, verschiedene Nationalitäten, Interessengebiete (Sport, Musik, Theater, Tanz), Parteien, Vereine und weiteres mehr.
Das Forum (die Stadt oder eine von ihr beauftragte städtische Gesellschaft) muss also für sein Angebot intensiv werben, denn es soll sich als aktiver Teilnehmer am Eventgeschehen der Stadt begreifen. Es soll zusammenführen.
Alle neuen Medien, insbesondere das Internet, werden hierbei eine wichtige Rolle spielen. Für die erfolgreiche Kombination des virtuellen Raumes mit realen urbanen Räumen, mit öffentlichen Einrichtungen und Veranstaltungsabläufen gibt es schon heute beste Beispiele.
Die Behauptung, dass die neuen Medien, wie Fernsehen und Internet, einer pulsierenden Rathausmitte fundamental entgegen stehen, ja sie sogar überflüssig machen könnten,
ist falsch. Es gibt viele gute Vorbilder, wie sich beides sinnvoll vernetzen lässt.
Berlin ist da ja nicht unerfahren, an Ideen wird es nicht mangeln. Und, ist das gut gemacht, wird es zur Freude der dortigen Gastronomie und Einzelhändler auch Stadtbesucher anziehen. Denn bei allen hohen Absichten, man darf sich dort auch wohlfühlen und Geld ausgeben.
In meinem Verständnis besteht der Kern einer Rathausmitte aus drei Teilen -
dem Rathaus,
dem Platz davor und
den Platzwänden.
Das Rathaus ist vorhanden. Es fehlen der Platzraum und die umgebende, bauliche Begrenzung.
Alles andere, ein sich anschließendes historisches Viertel mit wichtigen weiteren Plätzen wie z.B. dem Molkenmarkt und dem Neuen Markt an der Marienkirche, lassen wir jetzt beiseite. Es geht, wie anfangs ausgeführt, um den Kern der alten Mitte.
Rotes Rathaus: Als Gebäude ist es groß und bedeutungsvoll, von junger Geschichte zwar, aber dort, wo sich einst das alte Rathaus befand. Es ist durchaus ein Stück gewachsene Berliner Geschichte. Mit dem Äußeren lässt sich also bestens leben.
Innen der Regierende Bürgermeister (gut!), ohne das Abgeordnetenhaus (schlecht!). Das befindet sich, völlig falsch gelegen, im ehemaligen Preußischen Landtag weit westlich der alten Mitte in der Nähe des Potsdamer Platzes. Das nimmt der Mitte Kraft und Autorität.
Das Stadt-Parlament gehört - ohne Wenn und Aber - ins Rote Rathaus.
Platz vor dem Rathaus: Bei aller Liebe zur historischen Mitte, das Rathaus und die ganze Situation drum herum waren immer mangelhaft. Einen Platz, sprich Markt, gab
es nicht.
Der älteste Platz der Stadt, der Molkenmarkt, lag leicht entfernt und machte mit seiner länglichen Dreiecksform auch nicht viel her.
Das 1869 fertiggestellte Rote Rathaus hatte keinen Bezug zum Molkenmarkt, Turm und Eingang wiesen nach Nordwest in eine völlig andere Richtung. Es war nach vorn ein paar Meter von der wichtigen Königstraße (heute Rathausstraße) zurückgesetzt. Dem neuen, großen Bau hatte ein ganzes Karree weichen müssen und man wollte gegenüber dem Eingang nicht noch ein weiteres „Loch“ für einen Marktplatz in die Altstadt reißen.
Einen ansehnlichen zentralen Berliner Rathausmarkt gab es also zu keiner Zeit.
Es gab den Fischmarkt in Cölln auf der Spreeinsel (mit der Petrikirche), den Molkenmarkt (mit der Nikolaikirche) und den Neuen Markt (mit der Marienkirche).
Aber konzentrieren wir uns auf den Rathauskern.
Dieses Defizit ließe sich in den nächsten Jahren leicht korrigieren.
Ohne den alten Stadtgrundriss komplett zu negieren, sollte Berlin versuchen, sich hier einen vorbildlichen neuen Stadtplatz zusammenzustellen. Setzen wir ruhig die Messlatte hoch an - den schönsten Platz Berlins!
Das ist in keiner Weise vermessen, denn nehmen wir das Gemeinwesen Berlin und die Demokratie ernst, kann hier nichts entstehen, was zweitklassig wäre. Denn das Rathaus -
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nicht das Schloss! - ist der erste Bau am Ort und der Platz davor der wichtigste öffentliche Raum Berlins.
Dieser Stadtraum konkurriert aus gutem Grund mit den Residenzplätzen (Schlossplatz, Lustgarten, Gendarmenmarkt, Opernplatz, Pariser Platz) am Schloss und westlich davon, da er (heute!) höherwertig ist. Er befindet sich in der historischen, in der echten Mitte Berlins, er ist der zentrale Platz der demokratischen, bürgerlichen Selbstbestimmung.
Das Schloss und der Dom stehen für die alte Stadtkrone der preußischen Residenz, der Rathausbereich mit dem Fernsehturm ist die Stadtkrone des gegenwärtigen Berlin.
Platzwände: Je nach Größe des Platzes und der gewählten Parzellierung passen an die drei Platzwände 20 bis 30, ja vielleicht 40 Gebäude. Das Rathaus hat die formale Oberhoheit.
Ob Giebelhäuser, ob Ziegelbauweise oder mit Naturstein verkleidet, das wird zu gegebener Zeit entschieden.
Das Entscheidende - und hier beginnt der Test, ob der Stadt Plätze wirklich wichtig
sind - ist die einem solchen zentralen Stadtplatz angemessene Nutzung.
Sind wir heute in der Lage, das Umfeld für eine qualifizierte Öffentlichkeit zu schaffen? Wir wollen keinen Platz, der nur gut aussieht (was heute schon schwer genug ist). Er muss für das Gemeinwohl etwas leisten und den städtischen Charakter betonen.
Die Stadt muss sich im Hinblick auf die Nutzung und die prozessualen Abläufe vor den Wettbewerben, Preisgerichten und Planungsaufträgen eine feste Vorstellung von diesem Areal erarbeiten. Ein Leitbild. Die erste Priorität ist nicht: Wie soll das aussehen, sondern was soll da passieren? Für was steht das, was repräsentiert das, was wollen wir damit erreichen, welche Symbolik unterstützt unsere Absichten?
Wie das von den Planern gestaltet wird, ist von größter Wichtigkeit, aber vorher muss die Stadt mit präzisen Vorgaben einen überzeugenden Rahmen setzen.
Keiner der Entwurfsverfasser der angrenzenden Gebäude darf die Grundidee der Gesamtanlage z.B. mit herausragenden Solitären unterlaufen. Die Architektur muss sich einfügen. Es zählt die Anlage, das Ensemble. Das Rathaus ist der beherrschende Bau.
So wie ein Gebäude eine empfindsame Gesamtform darstellt, so gilt das auch für einen Platz. Plätze haben ein Wesen, einen Charakter. Das ist nicht einfach ein Leerraum zwischen hochwertigen Bauwerken sensibler und streitbarer Entwurfsverfasser.
Die Stadt ist der Dirigent und für die Qualität verantwortlich, wen immer sie mit einbezieht.
Das Gleiche gilt für die nachfolgende Nutzung: Hier bestimmt Berlin!
Das ist im Unterschied zum Gendarmenmarkt und dem Pariser Platz eine öffentliche Fläche, mit kommunaler Ausrichtung, lokal auf Berlin bezogen, städtisch trotz des Bundeslandes Berlin.
Und wieder kommt der Testfall!
Was passiert in den Platzwänden (den präzise gesetzten Raumkanten)?
Dominieren global agierende Ketten mit aufdringlicher Markenwerbung, die auf Kaufkraft und Prestige aus sind, denen das Städtische aber letztlich gleichgültig ist?
Die Platzwände formen mit ihrer Nutzung den Charakter und das Bild dieses Forums intensiv mit. Vereinfacht gesagt: Die Mieter sind so wichtig wie die Fassaden. Die Mieter und ihr Angebot bestimmen zu großen Teilen, was an einem solchen öffentlichen Stadtraum abläuft.
Dazu muss sich das von der Stadt erarbeitete Leitbild klar und deutlich äußern!
Das Planwerk Innenstadt, seit 1999 städtebauliches Leitbild für die Reurbanisierung und
Revitalisierung der Berliner Mitte, trifft für einen solchen Sonderfall keine ausreichenden Festlegungen.
Da sind wir dann wieder bei integriert und ganzheitlich.
Bei den jetzigen ungenutzten Flächen lässt sich das im vorhinein vertraglich regeln.
Fast-Food und Filialisten sind hier ausgeschlossen. Die ganze Stadt steht ihnen zur Verfügung, nur hier an diesem Rathausforum (und gegebenenfalls an einigen anderen Stellen in der historischen Mitte) will Berlin etwas Eigenes, auf die Stadt bezogenes.
Zur Erinnerung: Unsere Bezugspunkte sind Integration, Identifikation, Transparenz
und Partizipation.
Im Vorfeld der Planung wird man darüber nachdenken müssen, welche gesellschaftlichen
Einrichtungen (u.a. für Zivilgesellschaft, Nicht-Regierungs-Organisationen, den NGO's und für Bürgerarbeit) und öffentliche Institutionen hier neben Gastronomie und Handel eingebunden werden.
Die Qualität der Stadtmitte steht und fällt mit ihren öffentlichen Plätzen!
Aber Plätze haben keine Anwälte, niemand setzt sich so für sie ein wie Architekten, Bauträger, Immobilienbesitzer, Vermieter und Mieter für ein Gebäude auf privatem Grund.
Das Öffentliche hat gegen das Private nur dann eine Chance, wenn die Gemeinschaft sich das energisch auf die Fahne schreibt. Das heißt der Regierende Bürgermeister und sein(e) Stadtentwicklungssenator(in) sind in der Pflicht, sich für eine anspruchsvolle Platzgestaltung einzusetzen.
Für diese anfänglichen Mühen wird die Stadt am Ende reichlich entlohnt, denn das
kann Berlin weltweit vorzeigen.
Wirklich bemerkenswerte neue Innenstadtplätze sind in den letzten 60 Jahren in der Bundesrepublik nicht entstanden.(Alle guten Stadtplätze wurden uns aus der
Geschichte überliefert.)
Hier könnte Berlin beweisen, dass es über Kreativität, Einsicht und Willensstärke verfügt, dass es ein starkes Leitbild erarbeiten und umsetzen kann.
Hochwertiger Städtebau ist ohne charaktervolle Stadtplätze nicht denkbar!
Vielleicht hätten dann die auf kommunale Öffentlichkeit ausgerichteten Innenstadtplätze wieder starke Fürsprecher.
Bevor wir zur Aufzählung der Planungsgrundsätze kommen, müssen wir uns das Ziel und das Umfeld nochmals vergegenwärtigen.
Das Ziel: Eine lebendige, attraktive, demokratische Bürgerstadtmitte, die versucht, die Gesamtstadt und ihre Einwohner einzubinden.
Die Vision dazu sollte Berlin zu einem einfachen Slogan, der auf die Rückseite einer Streichholzschachtel passt, komprimieren.
Vorerst bleiben Details zur formalen Gestaltung offen. Das kommt später.
Aus der Vision lassen sich dann Leitlinien und danach strategische Ziele ableiten.
Für eine solche Vorgehensweise gibt es bewährte Arbeitsmuster, die es erlauben, eine systematische Bestandsanalyse durchzuführen und danach die gewünschten Entwicklungsziele zu präzisieren. (U.a. arbeitet die Stadt Warschau mit der sogenannten SWOT-Methode, um die Stadt nach bestimmten Leitlinien bis 2020 fortzuentwickeln.)
Die politische Stadtspitze selbst muss klar herausarbeiten, was hier geschehen
soll und was nicht. Visionen und Leitbilder kann sie sich nicht von anderen suchen lassen.
Es mag ja politisch klug sein, sich bedeckt zu halten und bezahlte Experten zu beauftragen, etwas vorzuschlagen. Und dann abzuwarten, ob das ankommt.
Ganz anders sieht das bei der nachfolgenden Umsetzung aus. Da braucht man die einschlägigen Fachleute. Jetzt kommen die Wettbewerbe, Preisgerichte, Expertenrunden, Diskussionen über Architektur, Platzgestaltung und Nutzungskonzepte.
Denken wir an die schon mehrfach aufgeführte integrative Stadtentwicklung mit den
ganzheitlichen Strategien, dann müssen wir - vereinfacht gesagt - alles was wichtig ist
und alle, die etwas beitragen können, einbeziehen.
Denn es geht darum, zusammenzufügen, ein neues Ganzes herzustellen.
Sehr überzeugend beschrieb das 2008 der Berliner Journalist Klaus Hartung in einem Artikel zur historischen Mitte „Das verlorene Ganze“.
Wir können die vielen Einzelteile eines solchen Ganzen hier nicht alle aufzählen, aber es geht um Einbindung in die Gesamtstadt, Verknüpfung mit allen Einwohnern, um Bauten, Plätze, um Symbole und Identifikation, um Vergangenheit, den alten Stadtgrundriss, um wichtige Personen und Berliner Geistesgeschichte und um die Zukunft der Stadt.
Die Stadt und ihre Bürger nehmen nicht die besonderen Mühen und Kosten einer solchen
aufwendigen Vorarbeit auf sich, wenn später globale Fast-Food-Konzerne, Mode- und Kosmetik-Filialisten über die gesamte Dauer der Nutzung die Rosinen abgreifen und dem Ganzen einen irreführenden Lifestyle-Stempel aufdrücken.
Wir suchen eine Berliner Lösung, nicht internationales Wellness-Einerlei.
Das hat mit rigidem, autoritärem Vorgehen oder gar mit Protektionismus nichts zu tun. Es geht um kommunale Interessen und wenn die Stadt mit solchen Filetstücken begehrte Premium-Flächen in ihrem Besitz hat, kann sie bei der Partnerwahl durchaus anspruchsvoll sein. Das sind 1a-Lagen (ab 2017 mit U-Bahnanschluss vor dem Roten Rathaus), die sich bestens vermarkten lassen. Aber die Stadtentwickler und Stadtjuristen müssen von vornherein bedenken, dass das Gebaute später in einer Bürgerstadt-förderlichen Art genutzt werden soll.
Bevor wir die Planungsgrundsätze aufführen, ist es nützlich, sich vier unterschiedliche Berliner Stadtbereiche vor Augen zu halten. Jeder dieser Bereiche sollte seine besonderen Wesensmerkmale deutlich herausarbeiten. Das gibt der Stadt Halt und Orientierung und wir können besser erkennen, worauf es beim Kern in der historischen Mitte ankommt.
Mit Tourismus hat die Rathausmitte erstmal nichts zu tun. Das ist, wie schon vorher ausgeführt, demokratische Bürgerstadt (1) für 3,4 Mio Einwohner mit lokalen Berliner Interessen und 800 Jahren Geschichte. Und das unterscheidet sich klar von der ehemaligen Residenzstadt und selbstverständlich von der Bundeshauptstadt Berlin.
Die Mitte der Bundeshauptstadt (2) für 83 Mio Deutsche sind der Reichstag und das „Band des Bundes“ mit den Abgeordnetenbauten, dem Bundeskanzleramt und dem beklagenswerten Leerraum des nicht ausgeführten sogenannten „Bürgerforums“.
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Die bis 1918 existierende Residenzstadt (3) hat ihr Zentrum am östlichen Ende der Straße Unter den Linden, auf der Museumsinsel und am wiedererrichtetem Schloss.
Das ist zum einen Preußen mit Glanz und Gloria, mit König, Kaiser, Schloss, Zeughaus und Dom, mit verweigerter Verfassung, Dreiklassenwahlrecht bis 1918 und eingeschränkter Berliner Selbstverwaltung. (Das demokratische Berlin mit allgemeinem und freiem Wahlrecht kommt erst nach 1918.)
Besser sieht das mit Spree-Athen (4) aus. Hier wird zum hochfliegenden klassischen Weimar ein Bogen geschlagen. Die sogenannte „Вerliner Klassik“ um 1800, die maximal 30 Jahre dauerte, richtete sich jedoch nicht an die ganze Zivilgesellschaft, sondern an eine kulturelle geistige Elite. Gewiss war es ein Aufbruch, ein Emanzipationsschritt, der die Stadt glänzen ließ. Aber letztlich ging es nicht um gesellschaftliche Erneuerung und erst recht nicht um städtische Rathaus-Angelegenheiten.
Sowohl die Residenzstadt als auch Spree-Athen haben heute eine starke touristische und internationale Ausrichtung – hier liegen bedeutende Einrichtungen der Hochkultur.
So wie die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften seit 2003 in dem Langzeitprojekt „Вerliner Klassik“ diese Zeit wissenschaftlich ausleuchtet, genau so sollte es ein Projekt geben, das die Geschichte der Bürgerstadt erkundet.
Es geht dabei natürlich um den historischen Stadtgrundriss und versunkene Bauten, aber
auch um lebendige Geschichte, um Personen, Ereignisse und geistige Strömungen.
Dieser Teil der Stadttradition und das entsprechende Bewusstsein der heutigen Berliner
ist ein wichtiger Baustein für die Neugestaltung des historischen Stadtkerns. (Berlin und Cölln gab es schon 200 Jahre vor den Hohenzollern, Berlin war über hundert Jahre Mitglied der Hanse und es hatte sogar einen Roland.)
Den zukünftigen Platz vor dem Rathaus „Henriette-Herz-Platz“ nennen zu wollen (wie aus einem der Entwürfe des Architekten Bernd Albers zu erkennen ist), zeigt das mangelnde Verständnis für passende Bezugspunkte. Henriette Herz und Rahel Levin mit ihren intellektuellen Salons, die beiden Humboldts, ja auch Schinkel repräsentieren Spree-Athen und die Berliner Klassik. Sie passen nicht zum Roten Rathaus.
Hinter Schloss, Dom und Spree begann schon damals eine andere Welt mit einer eigenen 800-jährigen Geschichte, eigenen Bestrebungen und Verdiensten. Das steigerte sich noch mit der Industrialisierung im Verlauf des 19.Jahrhunderts. Vom Schloss an nach Westen wurde es bürgerlich und vom Schloss nach Osten eher proletarisch.
1. Der Rathausbereich ist Chefsache, das ist Angelegenheit des Regierenden Bürgermeisters (mit Abgeordnetenhaus und Senat). Es handelt sich um ein gesamtstädtisches Projekt, das bedeutendste Bauvorhaben der Stadt.
2. Das Rote Rathaus ist Sitz des Regierenden Bürgermeisters und des Berliner Abgeordnetenhauses. (Der jetzige Sitz des Abgeordnetenhauses im ehemaligen Preußischen Landtag wird aufgegeben.)
3. Die wichtigsten öffentlichen Angelegenheiten der Stadt finden am Rathausmarkt statt.
(Pressekonferenzen, Vereidigungen, Regierungserklärungen,Auszeichnungen,
Siegesfeiern, Empfänge, Begrüßung wichtiger Gäste, Stadtfest, Gedenkfeiern und
andere Festlichkeiten).
4. Vor dem Roten Rathaus entsteht ein neuer Rathausmarkt, ein voll begehbarer Stadtplatz mit geschlossenen Platzwänden. Es ist das erklärte Ziel der Stadt, diesen Platz zum bedeutendsten öffentlichen Raum der Stadt zu machen.
Der Fernsehturm ist ein integraler Bestandteil des Berliner Rathausensembles.
5. Die Stadt gibt mit Satzungen einen Rahmen für die Baugestaltung, für Werbeanlagen und für Sondernutzungen (Tische, Stühle, Schirme, Verkaufsstände, Aktionen, Events usw.) auf Gehwegen und Plätzen vor.
Die Stadt gibt einen Rahmen für die spätere Nutzung vor, d.h. sie kann unpassende Angebote und Mieter in den Bauten innerhalb einer festgelegten Zone ablehnen.
6. Ohne eine attraktive Angebotsmischung in enger Kooperation mit diversen Berliner Unternehmen kann ein solches Forum nicht entstehen. Handel, Gastronomie, Handwerk, Gewerbe und freiberufliche Dienstleister, die sich dort einmieten, sollen möglichst ihren Sitz in Berlin haben und dort ihre Steuern entrichten.
7. Die Stadt orientiert sich weitestgehend am historischen Grundriss. Sie sieht überwiegend eine kleinteilige Parzellenbebauung vor. Die Grundstücke werden mit Auflagen möglichst an private Berliner Eigentümer/Unternehmen im Erbbaurecht vergeben oder verkauft, mit einem Vorkaufsrecht der Stadt.
8. Es wird angestrebt, u.a. Eigentumswohnungen und Mietwohnungen zu bauen.
In Rathausnähe entstehen keine Stadthäuser bzw. Townhouses! Sie können - abseits der öffentlich genutzten Bereiche - Teil der Bebauung der historischen Mitte werden.
9. Dem Thema Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit im öffentlichem Raum wird eine hohe Priorität eingeräumt! In Zusammenarbeit mit Freiwilligen aus der Berliner Zivilgesellschaft wird die Stadt die gleiche Qualität für die Bürgermitte garantieren,
wie das in großen Shopping-Malls, in Bahnhöfen und an Flughäfen selbstverständlich ist. Alle Beteiligten sind sich darüber im Klaren, dass die Attraktivität und das Ansehen des
Rathausforums davon in starkem Maße abhängig ist.
10. Die Stadt oder eine von ihr beauftragte Gesellschaft initiiert und koordiniert die
Aktivitäten und Events in den zentralen öffentlichen Räumen. Nur mit einem breiten Programm, Beratungs- und Informationsangebot können die Ziele des Bürgerforums
erreicht werden.
11. Die Berliner Zivilgesellschaft wird in die Planung und insbesondere in das spätere
Programmangebot wesentlich einbezogen. Für den Rathausbereich werden, wenn es erforderlich sein sollte, neue Vereinigungen gegründet und diese werden mit ihren Zentralen in Rathausnähe angesiedelt.
Es werden Verbindungen zu allen in Berlin registrierten und tätigen Vereinen hergestellt und bei passender Eignung versucht, diese in die Aktivitäten des Forums einzubinden.
12. In Zusammenarbeit mit Freiwilligen aus der Zivilgesellschaft wird ein stationärer und
mobiler Bürgerservice installiert, der Auskünfte rund um das Rathausforum, dessen Programm und zu Berlin allgemein gibt.
(Da dieser Service auch von Touristen genutzt werden wird, müssen die Mitarbeiter
über Englischkenntnisse verfügen.)
Der Rathausbereich wird einen starken Motor bzw. einen findigen Animateur brauchen –eine Einrichtung, die Best-Practice-Beispiele sammelt, Ideen einbringt, Initiativen ergreift und moderiert. (Eine solche am Forum angebundene „Werkstatt“ zu beschreiben, wird die Aufgabe eines weiteren Textes nach diesem Artikel sein.)
Das längst überfällige Thema „Вürgerarbeit“ wurde Ende Mai 2010 von der Bundesministerin für Arbeit Ursula von der Leyen öffentlich angesprochen. Neben
freiwilligem und ehrenamtlichem Einsatz engagierter Personen tritt die Verpflichtung für Langzeitarbeitslose, an kommunalen Aufgaben mitzuwirken. In Sachsen-Anhalt versucht man seit einiger Zeit - sehr vorsichtig - gemeinsam mit der Bundesanstalt für Arbeit, Arbeitslose für kommunale Bürgerarbeit zu gewinnen.
Warum geht Berlin mit seiner hohen Arbeitslosigkeit hier nicht energisch voran? Das ist doch Sache der Städte! (Man kann darauf wetten, dass das in Kürze ein großes Thema werden wird - weil die Not der Städte dies erforderlich macht. Noch traut sich keiner.)
Ein internationaler Architekturwettbewerb (2011 oder 2012 ?), so steht zu befürchten, wird trotz des riesigen Tamtams vieles von dem hier Besprochenen nur schwer lösen können.
Lassen wir uns von großartigen Entwurfsverfassern nicht blenden, auch wenn die Berliner Stadtspitze und die Stadtentwickler glauben, hiermit vorbildlich alles Erforderliche getan zu haben. In der Regel ist das die Stunde der Formalisten, das Inhaltliche bleibt
meistens auf der Strecke. Fast immer steht die Architektur im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen.
(Da gibt es deutliche Parallelen zum geplanten und verschobenen „Wiederaufbau“ des Stadtschlosses bzw. Humboldt-Forums.
Dass es sich hier um das Schloss der Preußen handelt, wird voll wahrgenommen und von einigen Berlinern mit Skepsis betrachtet. Endlos der Streit um diesen barocken Hohenzollernbau, um die Architektur und ob eine solche „Rekonstruktion“ in wirtschaftlich schweren Zeiten nötig ist.
Anscheinend ist es bisher nur mangelhaft gelungen, die veränderten Inhalte und
den Nutzen für die Stadt genauso deutlich herauszuarbeiten.
Denn hier entsteht etwas Neues.
Die Agora der Weltkulturen im Forum ist für das eurozentrische Kunst- und Kulturverständnis geradezu sensationell. Europa öffnet sich der Welt und das Museum kommt in die Gegenwart. Diese inhaltliche Ausrichtung hebt den Schlüterbau weit nach oben und wird dem internationalen Ansehen Berlins und Deutschlands außerordentlich förderlich sein. Wenn es gelingt, die Agora mit Leben zu füllen, dann wird das ein mächtiger Publikumsmagnet mit weltweiter Ausstrahlung.)
Um bei soviel „Inhalt“ nicht missverstanden zu werden: Die gelungene formale Gestaltung, die städtebauliche Eingliederung ist letztlich entscheidend. Wenn der Inhalt hochwertig ist, muss auch die Form hohen Ansprüchen genügen. Die Gestaltung muss uns beeindrucken, uns imponieren und wir müssen uns in diesen Stadträumen wohlfühlen.
Aber erst wenn Architektur und Platzanlagen inhaltlich fundiert sind, über sich hinaus weisen, werden sie stark und bedeutend. Schönheit für sich ist fade.
Sollte es Berlin gelingen, hier anders, umfassender vorzugehen, hätte die Stadt die Möglichkeit, etwas Neues zu verwirklichen und neben dem strahlenden Humboldt-Forum für die Bürgerstadt ein gleichwertiges Rathausforum zu etablieren.
Die Stadt muss also ihre Planungshoheit nutzen, um auf eine populäre, historisierende Bebauung (ob nach dem bestehenden Planwerk Innenstadt oder einer 2.0-Version) etwas draufzusetzen. Ohne eine solche „Sahnehaube“ auf der Stadtgestalt kann eine demokratische, lebendige Bürgermitte nicht gelingen. Und wer meint, sich mit einem novelliertem Planwerk schon im Bereich der integrierten Stadtentwicklung mit ganzheitlichen Strategien zu bewegen, irrt. Dazu braucht es mehr.
Berlin lernt zur Zeit in Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen über diese
schlummernden Potenziale viel über sich. Der Autor nimmt sich davon nicht aus.
Aber wir müssen schon mutig nach vorne schauen. Was kommt auf uns zu?
Das geistreiche Berlin, mit der Tradition des klassischen Spree-Athen, mit Humboldts umfassendem Bildungsbegriff, mit Exzellenz-Initiativen, mit Hochkultur und demnächst einem anspruchsvollen Humboldt-Forum darf sich wegen dieser Mitte nicht in einen rückwärtsgewandten Ost-West-Streit bzw. in ideologische Architekturdebatten verbeißen. Dabei würde die Stadt ihre Herausforderung und Chance vertun.
Der geringe Stadtzusammenhalt hat Gründe, er ist - wie wir dargestellt haben - gewachsen. Dass der Berliner nicht aus seinem Kiez herausgeht, mag heute so sein.
Aber das kann sich ändern. Allerdings brauchen wir dazu weiterführende neue Inhalte - gesellschaftliche Innovation und natürlich Attraktivität.
Wenn wir bei den zwölf Regeln Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit im öffentlichen
Raum so betont haben, dann hat das damit zu tun, dass die Einwohner Berlins
erkennen sollen, dass ihre Stadt, ihr Gemeinwesen auch ein Ordnungswahrer ist.
In verwahrlosten öffentlichen Räumen, wo der Bürger ggf. noch um seine persönliche Sicherheit fürchten muss, leidet die Ortsverbundenheit, der Stolz auf die Stadt empfindlich. Die Vorstellung, dass hier jede kommerzielle Shopping-Mall den ersten
öffentlichen Raum der Stadt um Längen überholt, ist schwer auszuhalten.
Was immer die Gründe sind, es zeigt deutlich, dass uns die Qualität des öffentlichen Raums zu wenig bedeutet.
Die Stadtgemeinschaft kann nicht nur auf Menschenrechten und Freiheiten, lockerem Lifestyle, Szenekneipen und „easy going“ beruhen. Sie muss auch den Mut haben, ihre Vorstellungen von der zentralen Bürgermitte durchzusetzen. Auch wenn wir heute noch nicht wissen, wie das alles zu bewerkstelligen ist, müssen wir anfangen, Erfahrungen zu sammeln.
Unser derzeitiger Freiheitsbegriff ist nicht gemeinschaftstauglich. Jeder nimmt sich von dem, was über lange Zeit mühsam erkämpft wurde, soviel wie möglich für sich selbst. Das
was er der Vergangenheit, dem Staat und seiner Stadt schuldet, privatisiert er als sein Recht und sein Eigentum. Das ging, solange es Wachstum gab und etwas zu verteilen war, bisher gut. Das ist jedoch für die meisten von uns zu Ende.
Aber Freiheit beinhaltet neben der Komponente Ungebundenheit auch die Notwendigkeit, Position zu beziehen und Verantwortung zu tragen. Ohne Verantwortung, Pflichten und
Bürgerengagement, ob wir das wollen oder nicht, wird es in unseren Städten nicht weitergehen. Wenn sich die Zivilgesellschaft nicht gezielt für eine Mitarbeit in den Städten gewinnen lässt, wird sich die Qualität unseres Zusammenlebens rapide verschlechtern.
Die öffentlichen Kassen sind leer, den Städten geht es im Hinblick auf die Finanzen schlecht und obwohl sich in vielen Bereichen das Prekäre zuspitzt, locken uns die kommerzialisierten Innenstädte mit „Shoppen, Flanieren, Genießen“.
Fast 25 Prozent aller Berliner leben von Transferleistungen, mehr als ein Drittel aller Kinder leben am Rande der Armut. Nicht die „Ausländer“ werden ggf. zum Pulverfass, sondern die Armen. In diesem Umfeld setzen Architektur, Konsumtempel und edle Markenprodukte die falschen Zeichen.
Die realen Orte für eine qualifizierte Stadt-Öffentlichkeit, für Identifikation, Standortbindung
und für die Auseinandersetzung mit den kommunalen Herausforderungen führen ein Schattendasein. Die Einkaufs- und Erlebnisstadt hat Vorrang.
Berlin hat neben der zentralen herausgehobenen Rathaus-Mitte übrigens noch weitere demokratische Knotenpunkte: die zwölf Bezirkszentren. Obwohl die umstrittene Bezirksfusion im Jahre 2001 - mehr Bürgernähe, mehr Effizienz, mehr Zukunft - die Zuordnung dieser „Zentren“ und der teilweise riesigen Rathäuser zum jeweiligen Stadtbezirk an Klarheit stark verloren hat, lohnt es sich, auch über sie nachzudenken.
Diese überwiegend völlig gesichtslosen Stadtteilkerne können die historische Mitte des 800-jährigen Berlin auf keinen Fall ersetzen!
Ob Rotes Rathaus, ob Abgeordnetenhaus, ob die gesplitteten „Zentren“ der zusammengelegten Stadtbezirke - sie liegen im Hinblick auf die belebten und populären Stadtbereiche fast alle im Abseits - vielfach durchaus gut zu erkennen, aber meistens in toten Winkeln.
Am Abend ist dort der „Hund begraben“ - insbesondere vor dem Rotes Rathaus und dem Abgeordnetenhaus. Das wertet den Ort, das Gebäude und das Öffentliche ab.
Es gibt nichts was man dort tun könnte. Das lebendige, bevölkerte Berlin ist anderswo.
In München, in Bremen und in vielen anderen Städten der Republik ist die Rathausmitte gleichzeitig Stadt- und Gesellschaftsmitte.
Wie taub und unsensibel muss man eigentlich sein, um diese offensichtlichen Defizite nicht schmerzhaft zu empfinden?
Die mentalen Voraussetzungen für die erforderlichen Stadtkorrekturen, insbesondere in Berlin, sind heute denkbar schlecht, weil die meisten Stadtbewohner Bevormundungen und unnötige Ausgaben befürchten. Wir reden von einer Bürger-Stadt, deren Vorteile wir nicht erkennen - und gegen die wir uns innerlich sträuben.
Die aus den Parteien kommenden Volksvertreter werden zu viel Bürgernähe – trotz gegenteiliger Bekundungen – als unnötig hinstellen.
„Bringt Wirtschaftswachstum nach Berlin, baut Schulden ab! Ein Hoch dem Tourismus, der
Kreativszene und der Hochkultur und lasst die Berliner so locker wie bisher weiterleben! Wozu brauchen wir eine Bürgermitte?
Das kostet nur und funktioniert doch sowieso nicht.“
Wenn Berlin (und andere Städte) über die Turbulenzen der nächsten Jahrzehnte heil hinwegkommen will, muss es integrieren, seine Stadtgemeinschaft stärken.
Die Gestaltung der Rathausmitte schafft das nicht allein, aber sie ist ein wichtiges Werkzeug, um dieses Ziel zu erreichen.
Verknüpft die Stadt diese wertvollen zentralen 1a-Lagen mit einer zukunftsweisenden, stringenten Konzeption und verkauft das als ihr wichtigstes Vorhaben, als ihren ersten
öffentlichen Platz, als attraktive und urbane Exzellenz-Mitte, dann bekommt Berlin ein weit hinaus strahlendes Leuchtturmprojekt, das die Qualität des Gemeinwesens nachhaltig verbessern wird.
Begreift und entwickelt die Stadt das als ein geschlossenes Projekt und setzt sie ihr gesamtes Instrumentarium konsequent und kreativ ein, wird es an Investoren, Mietern
und Nutzern nicht mangeln.
Textauszüge …........
Die Berliner Rathausmitte ist eine Gesellschaftswerkstatt für die 3,4 Mio
Stadtbewohner; sie ist ein Ort der Begegnung, der festlichen Repräsentation,
der Identifikation und der Stadtgeschichte.
Wir sollten uns bewusst machen, dass das Zentrum, wie ein zentrales Organ im Körper, bestimmte Aufgaben erfüllen muss. Es hat leitende, integrierende Funktionen und kann demnach weder ein grüner Erholungsraum noch eine romantisch-schicke Altstadt sein, einfach nur urban und kommerziell.
Da würde nicht nur dem Körper der Stadt etwas fehlen, sondern auch ihrem Geist.
In verwahrlosten öffentlichen Räumen, wo der Bürger ggf. noch um seine persönliche Sicherheit fürchten muss, leidet die Ortsverbundenheit, der Stolz auf die Stadt empfindlich. Die Vorstellung, dass in puncto Sauberkeit und Sicherheit jede kommerzielle Shopping-Mall die Rathausmitte, den wichtigsten öffentlichen Raum der Stadt, um Längen überholt, ist schwer auszuhalten.
Die Stadt und ihre Bürger nehmen nicht die besonderen Mühen und Kosten einer aufwendigen Vorplanung für einen urbanen attraktiven Rathausbereich auf sich, wenn später globale Fast-Food-Konzerne, Mode- und Kosmetik-Filialisten über die gesamte Dauer der Nutzung die Rosinen abgreifen und dem Ganzen einen irreführenden Lifestyle-Stempel aufdrücken.
Wir suchen eine Berliner Lösung, nicht internationales Wellness-Einerlei.
Wenn die hippe und trendige Hauptstadt nun wirklich so wahnsinnig kreativ ist mit Künstlern, Agenturen, Architekten, Universitäten, klugen Professoren, Akademien und Exzellenzzentren, dann sollte der Stadt eigentlich etwas
einfallen, das Maßstäbe setzt. Die derzeitigen Probleme und die nächste Zukunft sind doch den meisten bekannt.
Genau hier liegt die Herausforderung und das Potenzial.
Die Qualität der Stadtmitte steht und fällt mit ihren öffentlichen Plätzen!