Suburbanizacja - międzynarodowe tendencje i praktyczne moŜliwości działania.

(Vortrag zum Nationalen Städtebaukongress Polens, Wroclaw/Breslau, 8./9. September 2006: Suburbanisierung – internationale Tendenzen und praktische Erfahrungen)

Harald Kegler


Suburbia heute – eine Annäherung

Galt noch vor 100 Jahren das frei stehende Haus im „Grünen“, an einer geschwungenen Strasse wohl platziert und in ansprechender Gestaltung ausgeführt, vor den „Toren“ der Stadt gelegen, mit Bahnanschluss ins Zentrum der alten Stadt, als Ideal bürgerlichen Wohnens. Die Gartenstadt-Bewegung propagierte seit ihrer Gründung in dieser Zeit jenes Ideal auch für die breiten Bevölkerungsschichten – ein Traum des guten Wohnens sollte sich als gesellschaftliche Medizin zur Heilung von den Unbilden der Urbanisierung und Industrialisierung erweisen. Was auch in Ansätzen gelang. Dies war das gestalterische und soziale Modell für die gezielte, neue Suburbanisierung, die das Wachstum der Städte dezentralisieren sollte: das Paradigma der modernen Stadtplanung war geboren. Und erste versuche der Umsetzung wurden gestartet – durchaus erfolgreich. Der große Plan für Breslau gehört zu den ambitioniertesten Vorhaben aus den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts. Ein Blick auf das Ruhrgebiet um 1900 zeigt, dass eine Dezentralität der Besiedlung im Entstehen ist – Arbeitersiedlungen als neue vororte der alter Kernstädte prägen neben den zechen und Stahlwerken, unterbrochen von Bahnlinien und Kanälen, aber auch von Grünanlagen die Landschaft. heute, 100 Jahre später, ist aus dem Dezentralisierungsmodell ein amorpher Brei aus Wohnanlagen, Infrastrukturen, Brachen, neuen und alten Industriebetrieben, Shoppingzentren u. ä. geworden. Die Arbeitersiedlungen sind Teil dieses Breis, dieser „Zwischenstadt“ geworden. Aus Dezentralisierung, die ja die Existenz eines Zentrums bedingt, ist die totale Dezentralisierung geworden, etwas was in den USA als „Sprawl“ bezeichnet wird. Doch das ist nur sehr grob und oberflächlich beurteilt.

(Abb. 1)

Es haben sich offenbar im Laufe des 20. Jahrhunderts, vor allem aber in den letzten Jahrzehnten, neue Qualitäten in Suburbia herausgebildet, die bisweilen fragwürdig erscheinen mögen. Für das Wohnen wirkt zwar immer noch jener „Traum“ der Jahrhundertwende, wonach das freistehende Einfamilienhaus DAS Modell für gutes Wohnen schlechthin wäre, doch ist damit nur ein Aspekt des neuen Suburbia benannt. Die historische Gartenstadt war ja auch nicht nur als Wohnstätte (Schlafsiedlung) gedacht – sie sollte eine Stadt vor der Stadt sein. natürlich können wir heute (auf jeden Fall in Europa) die Kernstädte erkennen, sie haben vieles von dem noch erhalten oder wieder hergestellt, was die historische Stadtstruktur ausmachte. Doch was ist „Draußen“ passiert? Werfen wir einen Blick auf ein Beispiel, das in jüngster Zeit entstanden ist: Erscheinungen dieser neuen Qualität an „Städtebau“ zwischen Halle und Leipzig in Ostdeutschland.

Bildfolge:


1. „Dream Town“ – die Karikatur einer Gartenstadt, vorangetrieben von Bausparkassen, genehmigt von Stadtverwaltungen, suggeriert von der Vergangenheit des Massenwohnungsbaus in Plattenbausiedlungen („Arbeiterschließfächern“). (Abb.2)


2. „Cape of Chinese Hope“, denn alle Hoffnung auf Wachstum scheint jetzt vom neuen Licht aus dem Osten, diesmal China, abzuhängen, welch ein Trugschluss, aber gegen Aberglauben ist wenig auszurichten; noch aber prangt das Firmenschild vom Versandhaus „Quelle“ in lateinischen Lettern am Warenverteilzentrum für Ostdeutschland. (Abb. 3)


3. „Fun-Urbia“ – neue Erlebniswelten, künstlich aus dem Boden gestampft, mit künstlicher Geschichte versehen, fremd in ihrer Umgebung, billig in ihrer Machart (damit erschwinglich) und auf vordergründige Attraktion ausgerichtet: hier der Vergnügungspark Belantis (schönes Atlantis...), südlich von Leipzig; Motto: „mehr Spaß im Osten“, noch Fragen? (Abb. 4)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


4. www.garden city – die Umwandlung ehemaliger Arbeitersiedlungen zu Mittelschichten Wohnanlagen; sie werden Heimstatt für die Dienstleister in den Edge Cities: hier die Arbeiterkolonie Zschornewitz. (Abb. 5)


5. „Edge City“ – die neuen Zentren zwischen den Städten, die Dienstleistungsagglomerationen als die neuen Knoten im suburbanen Zwischenland: hier die neue Leipziger Messe. (Abb. 6)


6. „Ex-Urbia“ – Wohnen am Rande der Gesellschaft; eine Art Selbstisolationshaft, sehr ordentlich und ohne Verdacht auf lokale Einbindung, historische Bezüge und soziale Kommunikation; hier: ein Wohnpark nördlich von Leipzig im Nirgendwo. (Abb. 7)


7. „Franchaise Paradise“ – das höchst Erstrebenswerte, der letzte Schrei des Verbrauchers gilt dem ewigen Leben im Überfluss; hier: der Sachsenpark zwischen Leipzig und Halle, ein noch bescheidenes Paradies, das allerdings alle Attitüden des zukünftigen bereits vollkommen vereint. (Abb. 8)


8. „Arcadia“ – die schöne Insel, die Plattenbaugroßsiedlung, in der inzwischen (nach der Schließung der nahen Industriebetriebe) ein Überschuss an Wohnungen größte Freizügigkeit bei der Wahl im Leerstand für die bietet, die aus dem Niedriglohnsegment stammend die Suburbia-Maschine am Laufen halten; hier: ein Plattenbaugebiet irgendwo „in the Centre of Nowhere“ (wahrscheinlich bei Stendal, nahe Magdeburg). (Abb. 9)


9. „Post-Agrokultur“ – was kommt mit der nächsten Agrarreform? Werden die Landwirte wirklich wieder Landbewirtschafter im Sinne einer Kreislaufwirtschaft oder vielmehr Zulieferer für die auf Biomasse basierende Chemieindustrie? Das Landschaftsbild ändert sich bereits; hier: Flächen bei Dessau; der ländliche Raum steht inzwischen auf der „Roten Liste“ bedrohter suburbaner Räume.


10. „Post-Suburbia“ – gerade erst fertig geworden, stehen die neuen schönen, Vorortsiedlungen schon zur Disposition: eine Überalterung macht auch vor den schmucken Eigenheimen nicht halt und die jüngere Generation, oft arbeitslos, will nicht unbedingt in diesen autogerechten gestalt-, geschichts- und infrastrukturlosen Schlafsiedlungen dem Lebensabend entgegen wohnen; die Kinder müssen täglich zur weit entfernten Schule mit dem Auto gebracht werden … für die älteren Menschen ist kein Arzt mehr da; die Stadt wird wieder attraktiver (wie jüngste Untersuchungen der Immobilienwirtschaft belegen); doch, was wird aus Suburbia? Post-Suburbia wird DIE Herausforderung für die städtebauliche und landschaftsplanerische Entwicklung der nächsten Jahre werden!



In diesem Strukturschema von Kunzmann für eine sich möglicherweise abzeichnende Zukunft des post-suburbanen Raumes spitzt einen Trend zu, der in der öffentlichen Debatte nur wenig wahrgenommen wird. Hinter diesem Szenario, das nicht der Wunsch des Autors ist, sondern ein eher beängstigendes, aber nicht unrealistisches Zukunftsbild darstellt, verbirgt sich die Frage, was kann, was muss getan werden, um auch dieses Gebiet, das sich ausbreitet, zu einem nachhaltigen Lebensraum der Menschen werden zu lassen. (Abb. 10)


Typologie von Suburbia heute


Um sich der Frage nach der Zukunft von Suburbia zuwenden zu können, ist ein Blick auf die unterschiedlichen Ausprägungen und Tendenzen im suburbanen Raum notwendig. dies ist ein Feld, das erst in Anfängen „beackert“ ist. Dennoch soll hier der Versuch unternommen werden, bildlich untersetzt, die Formen von Suburbia zu umreißen:
a) Wohn-Suburbia: das ist das hauptsächlich wahrgenommene suburbane Thema, das gemeinhin mit „Zersiedlung“ gleichgesetzt wird. es handelt sich hierbei um jene stark in der Kritik befindliche Wohnform, die zugleich massenhaft produziert und (noch) nachgefragt wird.
b) Gewerbe-Suburbia: die neuen Industrien und Dienstleistungsangebote realisieren sich in randstädtischen Gewerbegebieten, die sich entlang der Autobahnen oder Flughäfen als Summe verschiedenartiger Schuhkartons entfalten. Ausgelegt für kurze Lebensdauer und für schnelle Funktionswechsel, geben sie das wider, was sie sind: ein für die Rendite notweniges über, ein zu minimierender Kostenfaktor.
c) Agro-Suburbia: die Landwirtschaft ist längst nicht mehr das, was man unter einer bäuerlichen Wirtschaft verstehen könnte. Sie gleicht sich dem Gewerbegebiet an und die landwirtschaftlichen Flächen werden Intensivzonen chemisch-maschineller Nutzung.
d) Infrastruktur-Suburbia: die Funktionsteilung im regionalen Raum bewirkt eine Ansiedlung bestimmter Infrastrukturen in konzentrierten Zonen: Flughäfen sind die noch wahrgenommenen Areale; es sind aber auch die Tanklager, die Verteilzentren, die Klärwerke, die Kraftwerke usw., die mit ihren Netzen einen wesentlichen Teil der suburbanen Wirklichkeit ausmachen.
e) Brachen-Suburbia: zunehmend breiten sich untergenutzte Flächen aus; Flächen, die wahrscheinlich nie wieder wirtschaftlich genutzt werden können, da moderne Industriebetriebe und Dienstleistungsgewerbe weniger Flächen benötigen. es entstehen Landschaften, die verwildern oder als ewiges Bauerwartungsland „zwischengenutzt“ werden bzw. notdürftig gesichert ein armseliges Dasein fristen.
f) Suburbia-Städte: es zeigt sich eine Tendenz des Eindringens typisch suburbaner Elemente, wie Billig-Supermärkte mit ihrer typischen Barracken-Architektur in die Kernzonen der Städte. Damit verwischen allmählich die unterschiede zwischen „Innen“ und „Außen“; sicher: noch sind dies nur Anzeichen, doch sie sind unverkennbar.

Diese Typologie bzw. Tendenzdarstellung bedarf einer historisch-genotypologischen Untersetzung. Die aktuellen Prozesse in der Suburbanisierung und der Übergang zur Post-Suburbbanisierung sind Ergebnis eines komplizierten historischen Vorgangs, der in den einzelnen Regionen Europas sehr unterschiedlich abgelaufen ist und hier nur generalisierend umrissen wird. das Thema ist bislang nur unzureichend wissenschaftlich bearbeit worden. (Harlander, S. 11 ff)

Begrifflich scheinen keine eindeutigen Bestimmungen für die Phänomene des suburbanen Raumes in Europa zu existieren. In den USA wird die stadtregionale Entwicklung nach dem Ende der Ausprägung von Suburbia im Gefolge der Industrieentwicklung mit Post-Suburbia bezeichnet. Suburbia war stets von der Kernstadt abhängig gewesen – dies hat sich mit der post-suburbanen Entwicklung geändert. Post-Suburbia hat ein gewisses Eigenleben. Dabei sind alle Formen postsuburbaner Entwicklung vom Sprawl über Gated Communities und Edge Cities bis zu neuen, reurbanisierten Siedlungen gemeint. Dieser Begriff steht im Zusammenhang mit der Diskussion um den Übergang der Stadtentwicklung im post-industriellen Zeitalter. Post-Suburbia und die Kernstadt werden folgerichtig dann als Regional City oder Metropolitan Area definiert. (Bodenschatz, Schönig, S. 21-23) In Europa sind die Begriffe nicht so klar ausformuliert. Postsuburbia gewinnt zwar an Bedeutung, aber die „Zwischenstadt“ hat – vorrangig im deutschen Fachjargon – noch ein Übergewicht. Die wissenschaftliche Debatte tendiert aber auch zu „Post-Suburbanisierung“. (Brake, S. 276) Dies scheint sich daraus abzuleiten, dass „Post-Suburbia“ offener und interpretationsfähiger ist als der festgelegte Begriff der „Zwischenstadt“, welcher einen nur rückwärtsgewandten Horizont besitzt und keine strategische Perspektive eröffnet, was mit Post-Suburbia möglich erscheint. Gleichzeitig kann mit Sprawl eindeutig eine kritische Position dargestellt werden, die sich von möglichen Vorstellungen eines nachhaltigen Umbaus der überkommenen post-suburbanen Strukturen in Gestalt des Sprawl abheben kann. Die Stärke des Begriffes „Zwischenstadt“ liegt in der Tatsache begründet, dass mit diesem zum ersten mal in Deutschland auch begrifflich die Entwicklungen außerhalb der Kernstädte, vor allem in den industriell geprägten Agglomerationen (z. B. im Ruhrgebiet) benannt werden konnten und dieses Areale als Herausforderung für die Planung und Politik bestimmbar geworden waren. (Sieverts, S. 7 ff)

Exkurs zur Entwicklung von „Suburbia“ und zu aktuellen Diskussionen, insbesondere mit Blick auf die USA

- Suburbanisierung ist ein Prozess, der die europäische Stadtentwicklung seit dem Mittelalter kennzeichnete. Mit dem Anwachsen der Städte bildeten sich „vor den Toren“ der Kernstädte neue Ansiedlungen, die meist Ähnlichkeiten mit den „richtigen“ Städten besaßen aber funktionell, wirtschaftlich und oft auch politisch von diesen abhängig waren. Sie stellten Ergänzungen oder Entlastungen der Kernstädte dar. Europa hat also eine lange Tradition und Erfahrung mit der Gestaltung der „Vor-Städte“, den Sub-Urbias. Mit dem Beginn des Industriezeitalters setzte der enorme Bevölkerungsboom ein, der die traditionelle Stadt radikal überformte, ausweitete und das Verständnis von der Suburbanisierung gründlich änderte.
- Insbesondere seit der Mitte des 19. Jahrhunderts rollte die Suburbanisierungswelle im Zuge der Industrialisierung über Europa hinweg. Dabei gab es zunächst vor allem die „Auswanderung“ der Oberschichten in Villenkolonien, die vor der Ausbreitung der Industriestädte „flüchteten“. Diese noblen Vororte lagen meist im Westen der Städte und wurden oft mit eigenständigen Bahnanschlüssen versehen. Diese Art der Wohnsuburbanisierung setzte Maßstäbe. Um 1900 folgte die Industriesuburbanisierung, die wiederum die Absiedlung von Arbeitskräften im städtischen Umland zur Folge hatte. Seit dieser zeit wird intensiv nach Planungsmodellen gesucht, wie dieser Wachstumsprozess der Städte gesteuert werden kann, um dessen soziale, funktionelle und ökonomischen Folgen in den Griff zu bekommen.
- Die Suburbanisierung gewann einen zentralen Stellenwert in der städtebaulichen Debatte. das Planungsparadigma der „Satelliten-Stadt“ formte sich und bestimmte das Planungsdenken im 20. jahrhundert. Das schillernde Konzept der „Gartenstadt“ steht dafür. Die Suburbanisierung hat jedoch erst in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, insbesondere seit den 1960er Jahren, eine neue Dimension gewonnen: die Utopien einer „Auflösung“ der Städte haben Züge einer dramatischen Wirklichkeit angenommen. Obgleich die Entwicklung wie sie in den USA zu beobachten war mit dem Ausbreiten des Sprawl und gleichzeitigem Verfall der Kernstädte in Europa nicht dem Maße zu konstatieren ist, sind viele Ähnlichkeiten in zahlreichen Regionen festzustellen. Suburbanisierung heute wird weitgehend gleichgesetzt mit Zersiedlung, mit durch Einfamilienhäuser, Plattenbaugroßsiedlungen, Verkehrsinfrastrukturen, Gewerbegebiete u.ä.m. „ungestalteter“ Stadt-Landschaft und als Gegensatz zur historischen „Europäischen Stadt“ betrachtet. Daraus resultierte der Begriff der „Zwischenstadt“.
- Dieser Prozess ist vor allem in den letzten 15 Jahren deutlich geworden und hat an Dynamik gewonnen. Dem steht eine relativ geringe Kenntnis der vielschichtigen Prozesse der Suburbanisierung gegenüber – im Unterschied zu den USA. Aber nicht nur Kenntnisse fehlen, es gibt auch kaum Institutionen, die sich diesem Thema widmen oder gar praktische Experimente zum Umbau der suburbanisierten Areale durchführen.
- Die Suburbanisierung der Gegenwart stellt eine enorme Herausforderung dar. Sie ist als der räumliche Ausdruck des Wandels der fordistisch geprägten Industriestadt des 19. und 20. Jahrhunderts zu einer postfordistischen Stadtregion des nachindustriellen Zeitalters zu verstehen. Welche Struktur und Form diese haben wird oder soll, darüber herrscht Unklarheit. Entwicklungen wie sie in den USA zu konstatieren sind – etwa die Ausprägung von Egde-Cities, Urban Villages etc., sind nicht direkt übertragbar. Außerdem herrscht Uneinigkeit über die Strategien zur Gestaltung, Planung und zielgerichteten Entwicklung der suburbanen Gebiete. Amerikanische Trends wie etwa der New Urbanism oder die New Economic Geography werden skeptisch betrachtet. Andererseits gibt es kaum eigene Konzepte.
- Bislang dominiert die Beobachtung, Beschreibung und ansatzweise Deutung die Arbeiten zur Suburbanisierung. Am treffendsten ist in dieser Hinsicht die Darstellung des Phänomens Post-Suburbanisierung der jüngeren Zeit durch den Begriff „Zwischenstadt“ (Thomas Sieverts, 1997). Seitdem gibt es vermehrte Versuche, die Debatte zu forcieren und erste Konturen von Strategien zu entwickeln – so die deutsche Situation. In Großbritannien gibt es eine längere Tradition der Auseinandersetzung mit der Suburbanisierung, hat doch hier die Deindustrialisierung früher eingesetzt und folglich auch früher Erscheinungen der neuen Suburbanisierung hervorgebracht. Ähnlich sieht es in Holland aus – um zwei Beispiele anzuführen.

(Abb. 11)
- In Deutschland wird die Debatte um die neue Tendenz in der Suburbanisierung (Post-Suburbia) derzeit überlagert von der Auseinandersetzung um das Schrumpfen bzw. die Abwanderung der Bevölkerung und den damit verbundenen Leerstand in Wohnbereichen. Trotzdem geht die Gewerbe- und Infrastruktursuburbanisierung weiter. Ähnlich Prozesse sind z. B. in Italien festzustellen. Suburbanisierung ist zwar schon immer mit der Migration verknüpft gewesen, doch werden im Zuge der Deindustrialisierung neue Erscheinungen deutlich.
- In diesem Kontext hat sich die Kritik an der Post-Suburbanisierung (im Sinne von Sprawl) in den letzten 10 bis 15 Jahren verstärkt. Sie ist ein politisches Thema, wie nicht nur am Wahlverhalten in den USA abgelesen werden kann (republikanische Wähler sind zu einem größeren Teil Sprawl-Bewohner als die der demokratischen Partei). In der fachlichen Diskussion rückt vorrangig der Flächenverbrauch (landwirtschaftliche Fläche wird durch Siedlungstätigkeit und Infrastruktur sowie durch Gewerbesuburbanisierung in Anspruch genommen und damit ökologisch „unbrauchbar“ gemacht) ins das Fadenkreuz der Kritik. Inzwischen bleibt es aber nicht mehr nur bei der Kritik. Es werden normative Ziele formuliert, operationale Empfehlungen gegeben und Beispiele des verminderten Flächenverbrauchs propagiert. Kern dessen ist die These vom „30 ha-Ziel“, wonach der tägliche Flächenverbrauch von derzeit 100 ha auf jene 30 ha pro Tag in Deutschland gesenkt werden soll. Dies wird vorrangig, aber nicht nur den Naturschutzvereinigungen vorgetragen und hat sogar dazu geführt, dass nationale Leitbilder formuliert worden sind, die explizit diese ziele festschrieben (in Deutschland und den Niederlanden).
- Neben der ökologisch determinierten Kritik am Sprawl, wächst die ökonomische Auseinandersetzung. Dies wird vor allem Kräften forciert, die im Zuge einer Abschwächung des Suburbanisierungsdrucks neue Felder für Investitionen und Grundstücksvermarktung suchen. Dabei wird die Kernstadt wieder zu einem tendenziell bevorzugten Zielgebiet. Dies entspricht auch Tendenzen in den USA. Damit wird zwar die Frage, was aus den Kernstädten wird zu einem Teil beantwortbar sein, nicht aber die Frage was aus den suburbanen Gebieten wird, die ja weiterhin existieren und sogar auch weiterhin wachsen, wenngleich nicht mehr mit der großen Dynamik (zumindest nicht in Deutschland).
- Damit wird ein weiteres Dilemma deutlich: noch immer werden Kernstadt und suburbane Gebiete getrennt betrachtet und entsprechend separat behandelt – anders als in den USA. Dort werden unter der Überschrift „Regional City“ oder „Polycentric City“ (Metropolitan Area) Planungsstrategien und praktische Projekte entwickelt, die zum großen Teil von privaten Akteursverbünden oder in PPP-Modellen vorangetrieben werden. Die hoch entwickelte europäische Raumordnung hat zwar gegenüber den USA ein ausgefeiltes Instrumentarium parat, doch die „Zersiedlung“ der Landschaft kann auch hier nur in gegrenztem Maße verhindert werden – die kommunale Selbstverwaltung, die Städtekonkurrenz, das Steuersystem und mangelnde regionale Kooperation treiben die europäische Form des Sprawl voran.
- Die Unterschiede in der Post-Suburbanisierung in Europa und den USA bestehen zugespritzt gesagt darin, dass hier das polyzentrale Siedlungssystem noch vorhanden ist und sich als relativ resistent gegenüber den Bestrebungen einer Überformung im Zuge der industrie-fordistischen Moderne erwiesen hat. In den USA ist das ursprünglich kleinstädtisch geprägte dezentrale Siedlungssystem zu einem Sprawl verschmolzen (worden). Nunmehr wird eine Re-Konzentration forciert mit dem Ziel, jene polyzentrale Struktur zu erreichen, um für die postfordistischen Entwicklungen wie für das Zeitalter nach dem Ende der billigen Energie gerüstet zu sein. Die relativ günstigere Ausgangsposition in Europa ist dennoch eine trügerische, da trotz hoch entwickelter Raumordnung praktisch nur eine verlangsamte Sprawlbildung erzielt wurde, also kaum durchschlagende Erfolge bei der Umsteuerung des ausufernden Sprawl erzielt worden sind – eine ernüchternde Erkenntnis und auch ein Anlass, sich vermehrt mit den Prozessen in den USA auseinander zu setzen – ohne vordergründige Kopieabsichten.
- Die Frage, warum es immer notwendiger wird, sich mit dem Umbau der post-suburbanen Areale zu beschäftigen resultiert aus sozial-kulturellen, immobilienwirtschaftlichen, energiestrategischen Problemen und natürlich aus den allgemein ökologischen bzgl. der Flächenverknappung und der Reproduktionsfähigkeit der Ressourcen Wasser, biologische Vielfalt und Nahrungsgüterproduktion.
- Während die immobilienwirtschaftlichen Gründe und die sozialen Probleme inzwischen aktuell geworden sind (die Unverkäuflichkeit bestehender suburbaner Bausubstanzen, also eine abnehmende Werthaltigkeit, bedroht bereits in relevantem Umfang Wohn- und Gewerbestandorte; die sozialen Probleme konzentrieren sich aber vorerst „nur“ auf die Plattenbaugebiete wie dies in Frankreich sichtbar wurde) - so steht der dritte Grund noch vor der Tür, anders als in den USA. Suburbia in der Form des Einfamilienhaus-Sprawl ist dort längst zu einem sozialen Problemfall geworden. Die soziale Monofunktion, die mangelnde Vielfalt und die Isolation haben zu z. T. dramatischen Problemen in diesen Arealen geführt. Dies steht in Europa noch aus, deutet sich aber – in kleinem Maßstab - durchaus schon an.
- Die Steigerung der Ölpreise in den letzten Jahren hat deutlich gemacht, dass dies nicht ein vorübergehender Prozess ist. Untersuchungen besagen, dass das Zeitalter der preiswerten Verfügbarkeit von Energie vorbei ist und dass dies zu gravierenden Auswirkungen führen wird. Die suburbanen Gebiete konnten in diesen Dimensionen nur wegen der preiswerten Energie, vor allem des Öls, entstehen. Damit sind zugleich auch soziale Probleme vorgezeichnet: Es wird zu neuen Verteilungskämpfen in den suburbanen Gebieten, zwischen den Regionen und global kommen. Die eingeschränkte – und sich weiter einschränkende - Resistenzfähigkeit der suburbanen Gesellschaft gegenüber den rasant zunehmenden Konflikte, die sich aus der Energiefrage ableiten, stellt DIE Herausforderung für die Planung, Gestaltung und systematische Entwicklung - den Umbau der suburbanen Gesellschaft und ihrer baulich-infrastrukturellen, institutionellen, wirtschaftlichen und politischen Basis dar. Dies wird auch mit einer Qualifizierung“ von Post-Suburbia umschrieben – eine Annäherung an diese zentrale Herausforderung.
- Es zeichnen sich vorerst prinzipiell drei Möglichkeiten einer räumlichen Kultivierung des suburbanen Raumes als erste Schritte auf dem Wege zum Umbau von Suburbia ab: a) ästhetisierende Interpretation und planerische Neujustierung - die Zwischenstadt wird zum künstlerischen Interpretationsfeld und Sujet künstlerischer Verarbeitung ohne direkte Änderung des Prozesses (Wahrnehmungsänderung statt Prozessänderung) sowie zum planerischen Experimentierfeld jenseits gegenwärtiger Verfahrensmöglichkeiten; b) Umbau überkommener Strukturen aus der Industrialisierungszeit und deren Anpassung an die postindustriellen Nachfragesituationen mit Ausprägung von quasiurbanen Verhältnissen – mit (wenn auch vermittelten) Orientierungen an den Leitbildern einer traditionellen Stadt; c) Versuche eines Neuschaffens von urbanen Qualitäten in bewusster oder unbewusster Abkehr von Bezügen zur historischen Stadt; hierbei sehen einige Planer bereits eine „dritten Weg“ des Städtebaus am Horizont heraufziehen. Insgesamt kann noch keine abschließende Bilanz gezogen werden: dafür liegen noch zu wenige Beispiele vor, die ausgewertet werden können (siehe Beispiel-Fälle). Dennoch können Trends ausgemacht und einer ersten Bewertung unterzogen werden.
- Auf der strategischen Ebene wird eine Re-Urbanisierung unter der Überschrift „Sustainable Community“ (wie sie von Großbritannien ausgeht) verfolgt. Diese zielt vorrangig auf die Revitalisierung der Industriestädte im regionalen Kontext. Dies kann als europäisches Vorbild für eine staatlich forcierte, marktorientierte Stadtentwicklungspolitik gelten. Ein staatlicher Ansatz, mittels indirekter Steuerung über Kampagnen, Modellprojekte und gezielte Anreize kann einen komplexen Zugang für den Umbau der Stadt-Region, einschließlich von Suburbia öffnen. Hier spielt vor allem das regionalplanerische Modell des „Korridors“ eine zentrale Rolle.
- Das „Zentrale Orte Konzept“, wie es für das fordistische Zeitalter lenkend fungierte, hat sich endgültig überholt – das postfordistische Zeitalter ist keines mehr, in welchem über fiskalisch gelenkte Funktionsverteilungen im Raum Ordnungspolitik betrieben werden kann. Eine animierende Nachfragebeeinflussung – gepaart mit ordnungspolitischen Rahmensetzungen durch die öffentlichen Institutionen - scheint, so jedenfalls der Tenor in der Debatte, einzig Erfolg versprechend zu sein. Das setzt neue regionalpolitische Regularien jenseits administrativ verfasster Strukturen, jenseits überkommender Hierarchien und jenseits eingefahrener Akteurskonstellationen voraus. Erste Beispiele dafür gibt es neben Deutschland in Holland, Skandinavien oder Österreich. doch stehen wir diesbezüglich in Europa noch am Anfang.
- Fazit für die Gesamtstruktur: So, wie für die Entwicklung der Industriestadt ein ganzes System von Theorien, Methoden, Rechtsvorschriften, Instrumenten und Verfahren entwickelt worden, um das Werden und Wachsen der Stadt und ihrer Vor-Städte, der Infrastrukturen, der Standorte der Industrie und der Rohstoffgewinnung zu regulieren, so wird es nunmehr dringend erforderlich sein, ein vergleichbares System für den Umbau der entstandenen suburbanen Raumstrukturen in Richtung der postindustriellen/post-suburbanen Stadt-Region zu entwickeln, im praktischen Prozess zu erproben, auszugestalten und letztlich in eine breite Anwendung zu überführen. Das Planungssystem für die Industriestadt und die Fach-Disziplin Stadtplanung entstanden um 1900 über einen Zeitraum von 30 Jahren - in einem konfliktreichen Prozess im Zuge der Urbanisierung. Der gegenwärtige komplizierte „Neuaufbau“ der Stadt- und Regional-Planungsdisziplin hat gerade erst begonnen – seit etwa 10 Jahren. Er wird vor allem auch ein europäischer sein müssen, denn der Sprawl macht vor keine Grenze halt.
- Um diesen Neuaufbau erfolgreich gestalten zu können, ist es notwendig, die europäische wie die transatlantische Kooperation und den Austausch von Erfahrungen, deren kritische Reflexion inbegriffen, als elementare Voraussetzung voranzutreiben. Mit dem 2003 gegründeten CEU (Council for European Urbanism www.ceunet.de ) ist ein Schritt in diese Richtung getan worden. Die Anstrengungen müssen ausgebaut, europaweit koordiniert und integriert werden. Zum Zweiten müssen die realisierten Projekte systematisch unter dem Gesichtspunkt der Zukunftsfähigkeit für den postindustriellen Umbau bewertet werden, um frühzeitig Fehlentwicklungen korrigieren zu können. Und Drittens müssen ideologische, disziplinäre und kulturelle Vorurteile abgebaut werden, um überhaupt konzertiert zu einer Lösungssuche antreten zu können – hier liegen derzeit noch gewaltige Hürden. Der gemeinsame Nenner würde die Suche nach dem „nachhaltigen Post-Suburbia in der Regional City“ lauten können. Ein vorurteilsfreier Wettbewerb in der Suche nach angemessenen Wegen nach „Post-Suburbia“ könnte neue Horizonte eröffnen für die Gestaltung der nachhaltige Stadt-Region, ein Ziel, das gesellschaftlich weitgehend akzeptiert ist, was aber bzgl. des Umbaus der suburbanen Stadt-Region nur in Ansätzen ausformuliert ist.

(Abb. 12)

Post-Suburbia: Tendenzen in den USA

Um besser verstehen zu können, was heute Post-Suburbia bedeutet und welche Möglichkeiten des Umbaus von Alt-Suburbia und Post-Suburbia sich abzeichnen, kann ein Blick in die USA sehr hilfreich sein. Zum einen haben wir es dort mit einer „Suburban Nation“ zu tun, einem, zugespitzt gesagt, komplett suburbanisierten Land, in welchem ca. 65 % der Bewohner in der zweiten oder gar dritten Generation im „American Dream“ wohnen. (Holzner, S. 117) Zum anderen gibt es seit Jahrzehnten eine praktische Auseinandersetzung mit dem Sprawl, getragen von vielfältigen Initiativen, die inzwischen in handfeste Praxis mündeten. Hier können wir in Europa lernen, wie umgekehrt die USA von unseren Erfahrungen bei der Bestandsentwicklung, dem Denkmalschutz und der Infrastrukturplanung (z. B. Eisenbahn) lernen können. Wenn beides zusammenkommt, kann eine gute Basis für die Gestaltung der „Regional-City“ gelegt werden.

Doch zunächst der Blick auf die „Suburban-Nation“:
Die Stadt-Land-Karte der USA zeigt die Verteilung der suburbanisierten Gebiete der USA, wobei ersichtlich wird, dass im Grunde alle besiedelbaren Areale suburbanisiert, d. h. in eine „Stadtlandschaft“ (Holzer, S. 118) verwandelt worden sind. Diese hat unterschiedliche Ausprägungen. In den Kernzonen vor allem an den Küsten herrscht eine hohe Dichte an Autobahnen und unterschiedliche Formen suburbanisierter Strukturen, die sich um die Geschäftszentren gruppieren. Im mittleren Westen wechseln sich endlose Wohnareale mit landwirtschaftlichen Monokulturen ab. (Abb. 14) Dabei wird eines erkennbar: der Sprawl ist kein zufälliges Resultat blinden Wirkens von anonymer Kräfte, sondern Ergebnis systematischer Entwicklungspolitik und Planung. Er ist Ausdruck einer Lebenshaltung und Planungskultur, eines Verständnisses von Freiheit. (Holzer, S. 117-119) Schon frühzeitig hat die jüngst verstorbene Jane Jacobs in ihrem bahnbrechenden Werk „The Death and Life of Great American Cities“ 1961 auf diese Entwicklung verwiesen und ein Gegenmodell zur suburbanenen Lebensweise entwickelt. Bis heute ist sie damit zu einem Bezugspunkt für die Debatte um die Zukunft der Stadtentwicklung geworden. In letzter Zeit mehren sich die Untersuchungen in den USA, die sich mit der Entstehung und dem Verlauf der Suburbanisierung beschäftigen: Anthony Flint, This Land – The Battle over Sprawl and the Future of America oder Dolores Hayden, Building Suburbia – Green Fields and Urban Growth 1820-2000. Als ein besonderes Beispiel kann hier die Untersuchung zu Los Angeles genannte werden. (Hise, 1997) Los Angeles (L.A.) ist insofern wichtig, da diese „Stadt“ schlechthin als die „Mother of Sprawl“ gilt.

In L.A. kann wie in einem „Reagenzglas“ der fast 100jährige Aufstieg des Sprawl, aber auch gegenwärtig eine Renaissance der Urbanität nachvollzogen werden. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts, besonders aber seit den 1930er Jahren wurde systematisch die Suburbanisierung im Sinne des Baus isolierter, autoabhängiger Wohnanlagen vorangetrieben. Die Haus- und Autoindustrie sowie die sich entfaltende Ölwirtschaft waren die treibenden Kräfte. Gleichzeitig wurde das umfangreiche Straßenbahnnetz der Stadt demontiert und anstelle dessen ein Gitter von Autobahnen, von bis zu 16-spurigen Highways, errichtet. dieser Umbau war grundsätzlich in den 1960er Jahren abgeschlossen. Dabei verfiel das Zentrum, L.A. Downtown, ja wurde in weiten Teilen abgerissen. Bilder aus dieser Zeit zeigen weite Brachflächen, eingerahmt von Highways und am Horizont ein endloser wenig geschossiger Häuserbrei. Dabei war der Großraum von L.A. historisch ein Netz von über 100 selbständigen Kommunen, die zu jenem „Jam“, der von großen Dunstglocke überwölbt wird, verschmolzen waren.

(Abb. 14)

Eine Analyse der Qualitäten des Sprawl zeigt, dass dies ein simples System weniger konstituierender Elemente darstellt: Ein hierarchisches Straßennetz, deren Kern auf der Mikroebene der fußwegfreie Loop (Ringstraße) und die „Cul de Sack“ (Sackgasse) mit egalisiertem Raumprofil und gesäumt von Garageneinfahrten sind. (Abb. 15) Diese beiden Straßen münden in Sammelstraßen und diese wiederum in den Highway. Dieses System wird von einer strikten funktionalen Trennung in Wohngebiete, soziale Infrastrukturen und Versorgungsareale (Shopping Malls) sowie in, entfernt liegende, Büro- und Geschäftszentren flankiert. Dieses Grundmodell des modernen Städtebaus ist, vereinfacht gesagt, auf die gesamte Landschaft, die „Suburban Nation“ übertragen worden und als Modell gilt L.A.

Dieses scherenschnittartige Bild zeigt jedoch vor allem die Unterschiede zu den suburbanisierten Gebieten in Europa: diese Ausmaße und Formen kennen wir hier (noch ?!) nur ansatzweise, wenngleich auch diese nicht harmlos sind. Die Ausbreitung des Auto- und LKW-Verkehrs – ein untrüglicher Indikator für das ausbreiten des Sprawl - lässt bereits ahnen, wohin auch in Europa die Reise geht.

Diese scheinbar endlose Entwicklung ist offenbar an eine gewisse Grenze gestoßen, jedenfalls gibt es in den USA deutliche Anzeichen dafür, dass es eine Hinwendung zu mehr urbaner Lebensweise und Baukultur gibt. Neue Tendenzen, wie sich seit den 1980er Jahren abzeichneten deuten darauf hin, dass die Mittelschichten zunehmend mehr Innenstadtlagen und urbane Vorortquartiere nachfragen. Eine Tendenz, die sich auch in Europa zeigt. Zunehmend erodieren die Sprawl-Areale sozial, werden die Transaktionskosten für die Mittelklasse zu hoch und zunehmend kommen neue Akteure ins Spiel, die räumliche Nähe, urbane Strukturen und soziale Begegnung als Standortfaktoren nachfragen. Die sog. „Kreative Klasse“ drängt aus dem Sprawl in die städtischen Gebiete oder in re-urbanisierte Vorstädte. (Florida, S. 67 ff) Seit den 1990er Jahren sind urbanes Wohnen und urbaner Lifestyle wieder schick, gehört es zum guten Ton der Mittelklasse urban zu leben, jedenfalls betrifft dies für die Küstengebiete und traditionellen Großstadtagglomerationen in den USA zu. Damit ist eine Grundlage entstanden, auf er die Anti-Sprawl-Bewegung ihre Programmatik entfalten konnte. Das andere Moment war das begünstigende politisch-wirtschaftliche Klima der Clinton Ära. Dennoch darf nicht übersehen werden, dass die Anti-Sprawl-Bewegung keine Majorität in den USA hinter sich weiß. Die beschönigenden Kräfte, die Akteure, die am Sprawl wirtschaftlich partizipieren sind noch dominant, wenngleich nicht mehr in dem Maße wie bis in die 1980er Jahre. Auch im akademischen Lager gibt es viele Befürworter oder Relativisten des Sprawl. (z. B. Bruegmann) Und: die neuen Mittelschichten sind vorrangig Weiss, die in den USA vorhandene rassische Segregation spiegelt sich auch wieder. Doch die Ursachen dafür sind weit komplexer und auch historischer Natur.

Strategien: Gestaltung von „Post-Suburbia“

Nun stellt sich die Frage, welche konkreten planerischen Mittel werden in den USA eingesetzt, um Post-Suburbia zu gestalten, den Umbau des Sprawl zu bewerkstelligen. Dabei tritt vor allem die Anti-Sprawl Bewegung in Erscheinung („Smart-Growth“, „Liveable-Community“ etc.), allen voran deren planerischer und gestalterischer Arm, der CNU. (Flint, S. 61 ff)

Da es in Europa zwar eine Reihe von Debatten um die Gestaltung von Post-Suburbia gibt, aber nur wenige Erfahrungen aus praktischen Umgestaltungen vorliegen, kann der Blick auf die Elemente der Gestaltung und Planung von Post-Suburbia in den USA hilfreich sein. Gleichwohl ist damit nicht gesagt, dass diese Ergebnisse 1:1 auf unsere Verhältnisse übertragbar sind. Das entstandene Gesamtsystem offenbart jedoch einen hinreichenden Ansatz für weitergehende Überlegungen bei uns in Europa, insbesondere auch in Deutschland oder Polen.

Es haben sich unter maßgeblicher Führung, aber keinesfalls isoliert und allein, folgende Strukturelemente einer Anti-Sprawl-Planungskultur heraus gebildet, die z. T. mit denen in Europa korrespondieren:

1. Ebene


Leitbild post-suburbaner Entwicklung: polyzentrische Stadtregion, Entwicklungskorridore (Abb. 16)


2. Ebene
Strategische Instrumente: TND-Masterplan (Traditional Neighborhood Development), Transect-Model, TOD (Transit Orientated Development), Pedestrian Pocket, Infill-Strategy


3. Ebene

Verfahren und Regeln: Charrette, Urban Code, Urban Charter


4. Ebene
Urbanistische Bewegung: Congress fort he New Urbanism
(vgl. Kegler, 2004, S. 233-237, Bodenschatz, Schönig, S. 89 ff)

Ohne alle Elemente im Einzelnen ausführlich behandeln zu können, soll dieser Überblick Anregungen vermitteln für weitere Diskussion über praktische Mittel zum Umbau des Sprawl. Diese können an einer Reihe von gebauten Beispielen bewertet werden, für die hier nur exemplarisch und kursorisch genannt werden sollen:

Neue urbane Vororte:

- Civano, eine Ökosiedlung in Arizona
- Kentlands, bei Washington
- Crossings, eine Siedlung in Sillicon Valley
- Habor Town in Memphis
- I’On in South Caolina
- Stapleton in Denver, ein Konversionsprojekt in ausgesprochen moderner Architektur
- West Palm Beach in Florida, ein Projekt zur Reurbanisierung des Sprawl
- Hail Village Centre in der Nähe in Gainsville, Florida, ein Umbauprojekt im Sprawl
Stadtumbauprojekte:
- Chicago, Loop, d.h. die Innenstadt
- Milwaukee, Riverfront
- Providence, Innenstadt


- Pasadena, Innenstadt (Abb. 17)

- Pittsburg, Innenstadt
Stadtregion:
- Los Angeles
- Chicago
- Portland
- Salt Lake City
- Bosten
- Maryland
(vgl. Bodenschatz, Kegler, 2000, S. 42 ff; Flint, S. 62 ff www.cnu.org)

Keines dieser gebauten Vorhaben, von denen es inzwischen hunderte gibt, erfüllt die Kriterien des New Urbanism vollständig. Vielmehr sind es Trittsteine auf dem Weg zu einer Alternative, die grob umrissen, aber der sich nur schrittweise angenähert und die dabei im offenen Diskurs vervollkommnet werden kann.

Im Jahre 2004 wurde in Los Angeles der sog. „Compass-Plan“ veröffentlicht. Es handelt sich dabei um einen strategischen Plan für die Großregion Los Angeles – San Diego, ein Raum mit ca. 20 Mio. Einwohnern, jenes Gebiet der „Mother of Sprawl“. Dieser Plan, der vom New Urbanism Büro Fregonese/Calthorpe erarbeitet worden ist, entstand in einem dreijährigen Prozess, in welchen mittels einer Vielzahl von Charrettes (Workshops) tausende Einwohner, Aktivisten, Initiativen einbezogen worden sind. Getragen wurde dieser Plan von der Mehrheit der gut 100 Kommunen im Großraum L.A. das strategische Ziel besteht darin, eine „Polycentric Region“ aufzubauen, d. h. den Sprawl durch gezielte Verdichtung an den historischen Kernen, durch Neubau eines schienengebundenen öffentlichen Verkehrsnetzes, durch Reurbanisierung von monofunktionalen Arealen und durch Ausprägung von urbanen Korridoren sowie einer schrittweisen Renaturierung des komplett kanalisierten Los Angeles Rivers (der längste kanalisierte Fluss der Welt!) neue Qualitäten der Stadtregion zu erreichen. Dieser Plan ist seitdem in Umsetzung. Die ersten Kilometer der insgesamt 7 Mrd. Dollar teuren Straßenbahnnetze sind gebaut, erste TOD-Zentren entstanden und der Umbau von Super-Shopping Malls zu urbanen Stadtvierteln hat begonnen. Ein beeindruckender Schritt zum Umbau der größten Sprawlstadt der Welt.

(Abb. 18)

Ein anderes Beispiel ist der „Metropolis 2020“ Plan für Chicago. In diesem Plan, der von der privaten Wirtschaft getragen wurde, wird ein vergleichbares Modell neuer Dezentralität entwickelt, jedoch mit stringentem Bezug auf die Kernstadt Chicago. Während in L.A. zwar die Down Town gestärkt und ebenfalls reurbanisiert wird, ist hier eher eine netzartige Anlage konzipiert, die das historische Geflecht eigenständiger Städte neu belebt und in neuer Weise mit einander verknüpft. Dennoch führen im Großraum Chicago die dezentralen „Intermodal Villages“ ein relativ eigenständiges Leben. (Johnson, S. 142)


(Abb. 19)

Diese strategische Ebene, die „Regional City“ bildet das Fundament des Planungsverständnisses im New Urbanism. Es ist das „Planning fort he End of Sprawl“, wie Peter Calthorpe, einer der Wortführer des New Urbanism herausarbeitete. (Calthorpe, Fulton, S. 15 ff) Auf diesem Fundament gründen sich die anderen planerischen Elemente, so das TND- und das Infill-Konzept. Ausgehend von der Erkenntnis, dass die historischen Städtebauelemente, Straße, Platz, Zentrum und Rand, das Netzwerk der öffentlichen Räume, die Fußgängerorientierung, die Mischnutzung, Respektierung lokaler Bautraditionen und soziale Vielfalt mit entsprechenden baulichen Angeboten, wie sie aus der Pre-Sprawl-Ära bekannt sind, durchaus geeignet erscheinen, auch für die postmoderne/postindustrielle Stadt das Grundgerüst für die Planung und Gestaltung zu liefern, werden traditionelle Raummuster als Grundlage und deren Neuinterpretation für Neubausiedlungen wie für den Umbau des Sprawl als auch für die Revitalisierung der Stadtkerne in verschiedener Varianz verwendet. Dies wird mit TND und Infill bezeichnet. (Duany, S. 222 ff) Bei diesen Planungen handelt es sich nicht mehr um ein dem neofunktionalen Denkmuster verhaftete Planungsverständnis, welches aus umfassenden Analysen, dann die – mechanischen – Ableitungen für die Zukunft der Stadt oder entsprechende Vorhersagen trifft. Es werden „nur“ noch die strategisch entscheidenden Analysen getätigt, wie sie vornehmlich aus dem demografischen Entwicklungstrend, aus der Energiesituation oder aus den Wasserverhältnissen abzuleiten wären. Im gleichen Atemzuge wird eine umfassende Einbeziehung der Öffentlichkeit betrieben, denn nur durch aktivierende Beteiligung der Bürgerschaft, der Wirtschaft, der Initiativen und Vereinigungen, kann der Umbau der Sprawl-Region zu einer dauerhaft tragfähigen gelingen. Dies ist auf den ersten Blick keine große Neuigkeit, doch gerade im Zuge des Umstellungsprozesses auf den postindustriellen Wandel, auf die neue Rolle der „kreativen Klasse“ gewinnt die Einbeziehung gerade auch dieser Bevölkerungsgruppen eine herausragende Bedeutung, ohne andere auszugrenzen.

Darüber hinaus ist eine Orientierung auf umsetzbare Projekte ein Grundzug, der im Rahmen konventionellen Planungsverständnisses diffizilen Analyse, umfassenden und nahezu endgültigen Flächennutzungsplänen und daraus abgeleiteten Bebauungsplänen besteht. Diese Mechanik muss, will sie überhaupt praktisch wirksam werden, durchbrochen werden, ohne deren produktiven Elemente aufzugeben. Vielmehr gehen Planung und Projektentwicklung hand in hand, wird die strategieorientierte SWOT-Analyse mit umfangreicher Öffentlichkeitsbeteiligung verbunden und werden strategische Leitbilder mit schrittweisem Vorgehen verknüpft. hier schlägt auch die Debatte in den „New Goegraphic Economy“ durch, die sich als ein Wegbereiter auch des New Urbanism darstellt. (vgl. Schätzl, S. 201 ff sowie Krugman, S. 58 ff)

In Deutschland ist dieser Wandel um Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park erfolgreich probiert worden und mit dem Begriff „perspektivischer Inkrementalisimus“ (strategisch orientiertes, schrittweises Planen und Umsetzen) gefasst worden. (Ganser, Sieverts, S. 35/36) Dabei gibt es keine eindeutigen Lösungsmuster, eher „Überlappungen“, jedoch klare strategische Orientierungen, die unmittelbar handlungsorientiert sind. (vgl. Talen, S. 274 ff)


(Abb. 20) <<< hier >>>

Die Ebene zwischen dem Quartier oder dem Infill-Gebiet und der Region ist das entscheidende Problem bei der Bewältigung des Sprawl. Der Umbau der einzelnen Gebiete würde zwar schon eine neue Qualität erzielen, würde aber kaum etwas an der flächenhaften Zersiedlung ändern. Es muss also ein Übergangsmodell geben, das die Unterscheidung von Zentrum und Rand, von offen zu haltender Landschaft und besiedeltem bzw. Infrastrukturgebiet ermöglicht. Dies wird mit Hilfe des „Transect-Modells“ bewerkstelligt. Noch liegen nur wenige praktische Ergebnisse vor, die die Tauglichkeit dieses Instruments wie Planungsmodells belegen. Doch erste Ansätze sind viel versprechend, wie z. B. beim Stadtentwicklungsplan für Nashville. (Steuteville, S. 1-5 ff)
 

(Abb. 21, 22) <<<hier>>>

Dabei handelt es sich um ein Raummodell für die Verknüpfung von Funktion und räumlicher Gestaltung. Es soll damit die dominierende Zonenplanung, eine nur auf Verteilung bedachte Flächennutzung durch ein räumliches Planungsmodell ersetzt werden, was Übergänge vom dichten Zentrum in die offene Landschaft durch ein Stufenmodell planerisch ermöglicht. Damit werden regionale Entwicklungsbalancen angestrebt. Gleichzeitig gilt der „Mixed Use“ als anzustrebendes Ziel, womit die monofunktionale Trennung aufgebrochen und lebensfähige Stadtbereiche geschaffen werden sollen. Ob das Modell für die gesamte Breite der Suburbanisierungstypen anwendbar ist, konnte noch nicht überprüft werden, prinzipiell denkbar ist es aber. (Duany, S. 187, vgl. auch Kelbaugh)

Die gesamte Planung wird von den New Urbanists als ein öffentlicher Vorgang verstanden. Die Stadt, so die Argumentation, braucht wieder die öffentliche Teilhabe der Bewohner, nur dann kann die „Isolationshaft“ im Sprawl wirksam aufgebrochen werden. Das entscheidende Instrument dafür ist die Charrette. dabei handelt es sich um ein öffentliches und offenes Beteiligungsverfahren zur Erzielung eines gemeinsamen, umsetzbaren Plans für das quartier, den Stadtteil oder die Region. Charrettes sind intensive Planungsverfahren, die die verschiedenen Akteure, die Bewohner, die Developer, die Planer, die Verwaltungen, Experten verschiedener Fachgebiete, Initiativen, Händler etc. zusammenführt, und in einem klar strukturierten, stets öffentlich rückkoppelnden Planungsprozess einen gemeinsamen Masterplan entwickelt. Charrette ist ein Markenzeichen und Indikator für eine neue Planungskultur. Der Unterschied zu deutschen Beteiligungsverfahren besteht darin, dass eine gemeinsame Planung von Bewohnern und Fachleuten zur Erzielung eines gemeinsamen Ergebnisses stattfindet, welches dann auch umgesetzt wird.

Die Anti-Sprawl-Bewegung insgesamt ist nur deshalb in der Öffentlichkeit zunehmend erfolgreich, weil sie sich in Plattformen organisiert hat. Dabei handelt es sich, wie im Falle des CNU, um eine Vereinigung, die sich durch ihre Offenheit und Transdisziplinarität auszeichnet. Sie ist alles andere als geschlossener Klub oder eine Berufsvereinigung. Sie schließt neben Planern und Architekten, Developer, Bürgermeister, Umweltaktivisten, Bürgerinitiativen, Verkehrsplaner etc. ebenso ein wie Befürworter und Kritiker des New Urbanism. Darin liegt die Stärke der Bewegung. Ihr Wachsen bestätigt diesen Ansatz. davon sind wir in Europa und insbesondere in Deutschland noch weit entfernt. Die ideelle Basis des CNU ist eine Charta, in der für alle (!) verständlich klare Prinzipien der Alternativen zum Sprawl nieder gelegt sind. Ein Dokument, was von (fast) jedem unterschrieben werden kann, ein oft kritisierter umstand - doch auch darin liegt eine Stärke. Somit können viele Akteure angesprochen werden, kann die Allianz für den Umbau des Sprawl und die Renaissance der Stadt wachsen. Überhaupt gehört das Bilden von Koalitionen zu den Hauptmerkmalen wie zu den Hauptvoraussetzungen der Anti-Sprawl-Bewegung. Der Erfolg des Umbaus der Sprawl-Nation kann nur gelingen, wenn breite Kreise der Öffentlichkeit aktiv mitwirken. Somit gibt es eine Verknüpfung von Charrette als Koalition auf der konkreten Planungsebene und dem Congress fort he New Urbanism auf der diskursiven, nationalen Ebene – mit internationalen Verbindungen. (CNU, S. 5 ff)

Mehr als“nur“ Sprawl

In jüngster Zeit begann die Debatte im CNU sich neuen Dimensionen zuzuwenden. Es geht inzwischen nicht mehr „nur“ um den Sprawl, der ja längst noch nicht „besiegt“ ist. Es vergeht kaum ein Tag, da steht nicht ein Bericht, Kommentar oder eine Meldung zum Thema Klimawandel in den Medien der USA. Selbst die konservativen Blätter wie die „US Today“ kommen nicht umhin, den Klimawandel, und zar nicht erst seit dem Hurrican „Katrina“, besonders aber danach, als einen durch den Menschen beförderten Prozess von gigantischem Ausmaß zu akzeptieren und entsprechend zu kommentieren. Dass dies noch keinen Einfluss auf die US-Administration um G. W. Bush hat, steht auf einem anderen Blatt. Zunehmend werden nun fundamentale Fragen der Energieversorgung und der sozialen Konflikthaftigkeit thematisiert. So werden auch der New Urbanism im Kontext eines „Endes des billigen Öls“ gesehen und die sich daraus ergebenden Konsequenzen erörtert. Zugleich wird über die Lösbarkeit von Umweltfragen und sozialen Problemen im Zusammenhang mit dem Klimawandel diskutiert. „The Long Emergency“ heißt die These, nach der sich die Stadtentwickler auf die Dauerhaftigkeit von Konflikten größten Ausmaßes einstellen müssten – die Instrumente dafür müssen schleunigst entwickelt werden. Derartige Themen und die Schärfe der Argumentation erscheinen für unsere Ohren ungewöhnlich, doch angesichts der Katastrophe von New Orleans ist dies verständlicher. (vgl. vor allem Kunstler, 2006)


(Abb. 23)

Damit beginnt die Debatte in der Anti-Sprawl-Bewegung sich auszuweiten. Längst ist das Thema „Location“, das Schaffens einer neuen Qualität von „Lokalität“ von Post-Suburbia im Sprawl oder im Stadtkern, also in der „Regional City“ nicht mehr ausreichend, wenngleich damit nicht von der Tagesordnung verbannt. Auch hier hat die Auseinandersetzung erst begonnen. Mit dem Klimawandel und den sich daraus ableitenden grundsätzlichen Fragestellungen für eine geradezu autoabhängige (wie „drogenabhängige“ Gesellschaft) beginnt sich eine breite, neue Koalition in den USA zu formieren. Al Gore hat sich an die Spitze gestellt und viele, auch Konservative, schließen sich dem an. (vgl. Postcarbon Institute, Vancouver B.C.) Obgleich in Europa weit günstigere Ausgangsbedingungen herrschen und die europäischen Städte eher in der Lage sind (wären), den Herausforderungen des Klimawandels eine nachhaltige Perspektive gegenüber zu stellen, sind doch viele Zeichen in eine Richtung gestellt worden, die gerade dabei sind, die Fehler der USA aus der Vergangenheit blindlings nachzuvollziehen. Dennoch, die Debatten z. B. in Deutschland um die Reduzierung des Flächenverbrauchs (siehe oben) sind ein deutliches Indiz dafür, dass hier ein Umdenken und Besinnen auf die ureigenen Qualitäten und Chancen der europäischen Stadt begonnen hat.

Planungs-Typen für Post-Suburbia

Diese Typologie kann nur als eine erste, vorläufige angesehen werden. Noch ist das Feld der Planung international zu sehr in Bewegung. Dennoch haben die für die USA skizzierten Tendenzen zur Planung für Post-Suburbia auch in Europa ihre Entsprechungen. Dabei spielen zwei besondere Typen, hier als Planungstypen hervorgehoben, eine besondere Rolle, obgleich sie vielleicht in der eigenen Perspektive der Akteure so gar nicht gesehen werden:
Zum einen a) die Kunst des öffentlichen Intervenierens und zum anderen c) ein sog. „3. Weg“ der Städtebauarchitektur; der Typ b) „European Urbanism“ soll dann anhand eigener Experimente behandelt werden.

Typ A: Die Kunst hat sich in den letzten Jahren zu einem der wesentlichen Seismographen des postindustriellen Umbruchs und zu einer treibenden Kraft für eine Neuorientierung in der Auseinandersetzung um die Qualitäten der Lebensumwelt in der „sterbenden“ Industriegesellschaft entwickelt. Sie hat sich alles andere als eine unterhaltende „Bekunstung“ verstanden. Vielmehr ist das ganze Spektrum von Intervention, Ironie, Verfremdung, Interpretation, Zerstörung oder Perspektiv-Wechsel mit einer Vielzahl künstlerischer Ausdrucksmittel durch Künstler unterschiedlicher Genres vorangetrieben worden. Ob Fotografie oder Theater in der Landschaft, ob Land Art oder Musik, ob Plastik oder Video, ob Malerei oder Literatur, die Vielfalt der Künste, vor allem das „Grenzgängertum“ hat sich zu einem wichtigen Inspirator und Reflektor des landschaftlichen und urbanen/suburbanen Umbaus entpuppt. Städtebauliche, landschaftliche und regionale Planung haben zunehmend die Kunst zu einem essentiellen Bestandteil der neuen Planung ausgebaut und selbst dabei gewohnte Wege verlassen. Dies hat zwar noch sehr ungenügenden Raum in der rechtsverbindlichen Bauleitplanung gefunden, in der informellen Planung ist sie nicht mehr wegzudenken. Eindrucksvoll können diese neuen Qualitäten räumlicher Planung an Beispielen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park, in Mittelengland oder Nordfrankreich, aber auch in Leipzig oder in Graz besichtigt werden. ( vgl. Ganser, 1999, S. 10 ff) )

(Abb. 24)

Typ C „3. Weg“: Dies ist offenkundig noch ein sehr junger und kaum ausreichend diskutierter Ansatz. Im Kern geht es um eine Verknüpfung von Qualitäten des Städtebaus der Moderne mit räumlichen Vorstellungen für die – angenommenen – neuen Nutzer dieser Gebiete, den jungen, kreativen Stadtbewohnern, die sich nicht in den Kerngebieten ansiedeln. jüngste beispiele sind das Olympische Dorf in Turin oder Wettbewerb für ein neues Wohngebiet in München. Fließender Raum, eine Gestaltungs-Kategorie des modernen Städtebaus, soll mit funktionaler Mischung verknüpft werden. Ob dies den oben beschrieben Anforderungen im komplexen Sinne entspricht oder sich „nur“ um eine ästhetische Weiterentwicklung der Moderne handelt, kann vorerst nur vermutet werden. Überzeugend erscheinen diese Ansätze auf den ersten Blick jedoch nicht. (Süddeutsche Zeitung, S. 13)


(Abb. 25)

Typ B „European Urbanism“:

Nun erhebt sich die Frage, wie mit dem Übergang von der industriell-fordistischen Stadt der Moderne zur Stadt-Region in der Wissensgesellschaft in Europa umgegangen werden kann. Sicher, es gibt viele Erfahrungen bei der Bewahrung des städtebaulichen Erbes in Europa – hier hat gerade Polen Mustergültiges geleistet, doch wie sieht es mit dem suburbanen Raum aus? Es gibt eine Reihe von Projekten im Wohnungsbau und in der Landschaftsgestaltung bzw. der Umnutzung altindustrieller Areale, die nach neuen Wegen bei der Entwicklung dieser postindustriellen Strukturen gegangen sind. Auch hier ist wieder die IBA Emscher Park zu nennen. Doch gibt es zu wenige Experimente und strategische Versuche, sich dem Thema Post-Suburbia im umfassenden Sinne zu widmen. An dieser stelle sollen Beispiele solcher Experimente, die das Labor für Regionalplanung, Dessau/Ferropolis, im Verbund mit Partnern durchgeführt hat, darstellen, welche Möglichkeiten es unter den jeweiligen Bedingungen der einzelnen Länder gibt. dabei werden hier Beispiele von Planungen und Realisierungen aufgeführt, die im räumlichen Kontext der Region zwischen Berlin und Leipzig durchgeführt wurden.

Methodisch wird dabei der Frage nachgegangen, wie bestimmte Erfahrungen aus den USA beim Umgang mit Post-Suburbia mit den geltenden gesetzlichen Bestimmungen im Bau- und Planungsbereich in Deutschland unter den Bedingungen der wirtschaftlichen und kulturellen Transformation Ostdeutschlands umgegangen werden kann. Die Projekte sind auf den Ebenen
- Region
- Stadt
- Stadtteil
angesiedelt und stehen in einem inhaltlichen und räumlichen Zusammenhang und wurden während der letzten fünf Jahre umgesetzt.

Ebene Region:
„Regionalpark Mitteldeutschland – Region der Balance zwischen Berlin/Potsdam und Halle/Leipzig“ (Kegler, 2001, S. 45)

Dieser ca. 160 mal 60 km große „Park“ wurde als eine Initiative im Jahr 2001 gestartet und versteht sich als räumlicher Entwicklungs- und Gestaltungsrahmen für eine regionale Kooperation zwischen den Metropolen Berlin und Halle/Leipzig. Es handelt sich dabei um einen Korridor, der sich entlang wichtiger Verkehrsbänder erstreckt und als ein Stabilisierungsraum zwischen den Metropolen dienen soll. Die verschiedenen Landschaften und kleinstädtischen Netze werden in ihren jeweiligen Eigenheiten gesichert und durch eine abgestimmte Funktionsteilung untereinander und in Bezug auf die Metropolen im Dialog der Akteure ausgeprägt. Das ist das Gegenteil von nivellierender Sprawlbildung. Natürlich gibt es in diesem Raum seit 1990 Anzeichen von Sprawl. Doch zunehmend beginnen Kommunen sich zu Netzwerken zusammenzuschließen (z. B. Städtebünde), um eine regionale Abstimmung der regionalen Funktionsteilung und -ergänzung zu betreiben. Die ersten Anfänge einer Umsetzung sind seit 2002 unternommen worden. Inzwischen gibt es mehrere kooperierende Netzwerke zur kommunalen Kooperation, zum Tourismus, zur Gestaltung der Bergbaufolgelandschaften und zur Schulentwicklung. Ein neuer Schwerpunkt bildet sich seit zwei Jahren heraus: die regionale Energieautarkie. Dabei beginnen die Kommunen Konzepte zu entwickeln, wie sie sich, regional abgestimmt, energetisch von fossilen Brennstoffen unabhängig machen können, um eine ökonomische Entwicklung im Sinne regionaler Kreisläufe zu forcieren, die durch die Nutzung nachwachsender Rohstoffe zugleich Perspektiven für Landwirte wie für Menschen in den Städten eröffnen.

siehe auch: www.regionalpark-mitteldeutschland.net

Es gibt eine breite wissenschaftliche Debatte in Europa zum Thema der Korridore. (BBR, S. 91 – 98) An diese wird mit dem Regionalpark angeknüpft. Korridore werden zunehmend als Grundgerüste nachhaltiger Regionalentwicklung angesehen. Dies korrespondiert auch mit den Erfahrungen in den USA und dem europäischen Ausland. Besonders in dem nordwesteuropäischen Entwicklungsraum Belgien, Niederlande und England findet das Korridor-Modell einen breiten Niederschlag.


(Abb. 27)

Ebene Stadt:
„Transect“ für den stadtregionalen Umbau unter den Bedingungen des Schrumpfens der Bevölkerung

Es gibt die paradoxe Situation, dass auch unter den Bedingungen eines Schrumpfens der Bevölkerung die Außenentwicklung, also die Sprawlbildung weiter geht. Dabei kommt es zugleich zu einer „rückwirkenden Suburbanisierung“ der Zentren der alten Städte. Dies ist zwar nur erste Anzeichen, dürfte aber durchaus zunehmen, wenn nicht gegen gesteuert wird.


(Abb. 28, 29))

Regionale Kooperation und Abstimmung bei der Funktionsteilung zwischen den Städten sind wichtige Säulen bei der Entwicklung von Alternativen zum Sprawl. Doch können damit noch keine Antworten auf der konkreten städtebaulichen Ebene gegeben werden. Post-Suburbia braucht Modelle wie sie mit dem Transect vorliegen. Hieran knüpft ein Experiment, das für die Stadt Aschersleben (35.000 Einwohner) 2004 erfolgreich durchgeführt worden ist und sich derzeit in der Umsetzung befindet. Die Stadt schrumpft. Leerstehende Plattenbauten am Rand und Einfamilienhäuser in der Umgebung – so zeigt sich das Bild. ein typisches Bild. Der Transect-Plan sieht nun vor, dass die Entwicklung der Stadt entlang von drei Transecten, Übergangskorridoren aus der Stadt in das Umland, erfolgt und die anderen Bereiche klar in ihrer Außenentwicklung begrenzt werden. Dazu gehören auch der Abriss von Plattenbauten am Rand, die gelenkte, zunehmende Verdichtung der Bebauung von Außen nach Innen und das Festlegen von Wachstumsgrenzen der Stadt zwischen den Transecten. Dieses Modell wurde mit der in Deutschland geltenden Baunutungsverordnung verknüpft, die eine Baudichtenregelung für jeweilige Funktionsgebiete festlegt. Zu den einzelnen Typen an Baugebieten sind hier, angelehnt an die Traditionen der europäischen Siedlungsgebiete, bestimmte Überbauungsdichten ausgewiesen. Diese allgemeinen Vorgaben nun mit einem städtebaulichen Modell zu verbinden, war der Kern des Experiments. Dies war noch nie in Deutschland angewandt worden.


(Abb. 30) <<<hier>>>

Ebene Stadtteil:
Die beiden Beispiele gehören zu dem strategischen Regionalprojekt „Industrielles Gartenreich“, das in den 1990er Jahren in der Region Dessau, Bitterfeld, Wittenberg auf Initiative des Bauhauses Dessau entwickelt und im Zuge der EXPO 2000 umgesetzt worden ist. (Stiftung Bauhaus Dessau, 1999)

Pisteritzer Siedlung – ein klassisches Suburbia vom Beginn des 20. Jahrhunderts (eine Arbeitersiedlung) wurde als neuer Wohnort re-etabliert als autofreie Vorstadt zu einem „zweiten Leben“ nach dem ende der Zuordnung zur Industrie geführt. Die alte Arbeitersiedlung war im ersten Weltkrieg für die Sprengstoffwerke in Piesteritz bei Wittenberg errichtet worden. Sie zählt zu den mustergültigen Siedlungen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts europaweit. Sowohl städtebaulich als auch sozialpolitisch galt diese Siedlung in Fachkreisen als DAS Modell für die Werkssiedlung im Industriezeitalter. In den 70 Jahren ihres Bestehens bleib sie zwar erhalten, aber verfiel zusehens. Mit der politischen und ökonomischen Wende in der DDR wurde das benachbarte Chemische Werk weitgehend geschlossen und eine Bindung der Siedlung an dieses Werk wurde aufgelöst. Sie stand zur Privatisierung. Es gelang – im Rahmen einer regionalen Strategie – einen neuen Eigentümer zu finden, der bereit war, die Siedlung als neues Suburbia (Post-Suburbia) zu entwickeln. Dazu gehörte die denkmalpflegerische und sozialverträgliche Sanierung des städtebaulich wie architektonisch wertvollen Bestandes. dazu kam jedoch ein wesentlich neues Element: die Siedlung wurde autofrei! damit erhielt sie eine gänzlich neue Qualität und erfreut sich seit der Fertigstellung 2000 – im Jahr der EXPO 2000 – ungebrochener Beliebtheit und Nachfrage. Sie ist inzwischen an ein amerikanisches Investmentunternehmen weiter verkauft worden, die sich an die einst getroffenen Abmachungen der sozialen, denkmalpflegerischen und kulturellen Standards halten. somit kann diese Siedlung als ein Musterbeispiel nicht für den historischen Städtebau aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gelten, sondern auch für die postindustrielle Entwicklung am Beginn des 21. Jahrhunderts ein Modell sein.


(Abb. 31)

Ferropolis/Stadt aus Eisen – die postindustrielle Infrastruktur in der Bergbaufolgelandschaft erhält einen neuen Zweck. Mit dem Ende der alten Industrie werden viele Infrastrukturen, Baulichkeiten und Industrieobjekte zu Relikten eines vergangenen Zeitalters. Vieles ist einfach überflüssig geworden und hat den Zweck erfüllt. Doch mit dem Ende des alten Zweckes verschwinden auch die kulturellen Bedeutungen, die diese Infrastrukturen für die Region und für die Menschen hatten. zugleich verschwinden Spuren der Widersprüche des Industriezeitalters. Von besonderer Bedeutung sind für den Raum zwischen Leipzig/Halle und Berlin die Braunkohletagebaue. Nach 1990 ging der Bedarf an Braunkohle aus diesem Revier enorm zurück, die Braunkohleproduktion wurde weitgehend überflüssig. Somit begann innerhalb weniger Jahre eine komplette Stilllegung, Sanierung und Gestaltung einer gigantischen Bergbaufolgelandschaft, die zu einem erheblichen Teil aus neuen Seen bestehen wird. Dabei verschwinden jedoch fast alle Hinterlassenschaften des Bergbaus. Um gegen dieses Vergessen ein Zeichen zu setzen, zugleich aber auch eine neue Möglichkeit für eine originelle, wirtschaftlich tragfähige Tourismusnachnutzung zu sorgen, wurde das Projekt „Ferropolis“ am Rande eines ehemaligen Tagebaus entwickelt. Dabei wurden fünf der Bergbaugroßgeräte zu einem künstlichen Ensemble geformt, das eine Spielarena umfasst, sowie weitere umgenutzte Bauten des ehemaligen Bergbaubetriebs, die für kulturelle, gastronomische, aber auch für Tagungszwecke und Kunstaktionen genutzt werden. Zugleich ist eine Möglichkeit geschaffen worden für die Ansielung kreativer Unternehmen, die neue Impulse für die regionale Entwicklung einbringen. Ferropolis wurde zu einem Zeichen für den Aufbruch in das neue, postindustrielle Zeitalter und für die angemessene Umgestaltung des brachgefallenen, „zwischenstädtischen“ Raumes.

Mit dem Ausbau dieser neuen Freizeit- und Kultur-“Stadt“ in der Bergbaufolgelandschaft begannen die kleinen Städte, die einst inmitten der Braunkohleabbaugebiete lagen, für sich neue Perspektiven zu erschleißen. Gegenwärtig sind sie vor allem durch hohe Arbeitslosigkeit geprägt. Sie haben aber begonnen, sich vor allem einem neuen Thema zuzuwenden: neue Energie. Die erste Stadt hat sich zum Ziel gestellt, in den nächsten 15 Jahren eine komplette Umstellung auf die Versorgung durch regenerative Energie zu vollziehen. D. h., sie will von der ehemaligen Stadt der Braunkohle zur Stadt der Energie aus Biomasse, Sonne und im Erdreich bzw. Wasser gespeicherter Energie übergehen. damit schleißt sich ein Kreis: nach dem ende der alten Industrie wird nun ein Impuls für neue Entwicklungen eingeleitet – der zugleich eine neue Identität, neue Arbeit, neue kulturelle Anziehungskraft und Unabhängigkeit von externen Energielieferanten ermöglicht. Sowohl die Strategie für die „Stadt mit Neuer Energie“ als auch für den Ausbau von Ferropolis wurden in einem Charrette-Verfahren entwickelt. Es hat sich gezeigt, dass dies ein sehr effektives, kreatives, die umfassende Beteiligung der Öffentlichkeit ermöglichendes Verfahren bei der Gestaltung der post-suburbanen Region ist. (Kegler, 2005, S. 18 ff sowie Marx; Schauz, S. 62/63)


(Abb. 32)

Literatur:

Barnett, J. (2001): Planning for a New Century, Washington
Bodenschatz, H.; Kegler, H. (2000): Städtebaureform auf Amerikanisch, in: Stadtbauwelt 12/2000, S. 42 – 59
Bodenschatz, H.; Kegler, H. u. a. (2000): Die Piesteritzer Siedlung, Lutherstadt Wittenberg
Bodenschatz, H.; Schönig, B. (2004): Smart Growth – New Urbanism – Liveable Communities. Programm und Praxis der Anti-Sprawl-Bewegung in den USA, Wuppertal
Bölling, L.; Sieverts, T. (2004): Mitten am Rand, Wuppertal
Brake, K.; Dangschat, J.; Herfert, G. (2001): Suburbanisierung in Deutschland, aktuelle Tendenzen, Opladen
Bruegmann, R. (2005): sprawl – a compact history, Chicago, London
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung BBR, Hg. (2003): Szenarien zur Raumentwicklung, Heft 112, Bonn
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Hg. (2004): Raumentwicklungsszenarien aus Nachbarstaaten, 1./2. 2004, Bonn
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Hg. (2004): Suburbia (Themenheft), Bonn
Calthorpe, p.; Fulton, W. (2001): The Regional City – planning for the End of Sprawl, Washington
Deutsche Landeskulturgesellschaft, Hg. (2006): Ländlicher Raum auf Roter Liste, Kaiserslautern
Duany, A.; Plater-Zyberk, E.; Speck, J. (2000): Suburban nation – The Rise of Sprawl and the Decline of the American Dream, New York
Ellin, N. (1996): Postmodern Urbanism, New York
ETH Zürich (2005): Urban Sprawl – Strategien und Instrumente einer nachhaltigen Flächenpolitik (Themenheft), DISP 160, 1/2005, Zürich
Flint, A. (2006): This Land – The Battle over Sprawl and the Future of America, Baltimore
Forida, R. (2002): The Rise of the Creative Class, New York
Ganser, K. (1999): Kunst gibt dem ökologischen Wandel ein Gesicht, in: Pachnicke, P.; Mensch, B.: Kunst setzt Zeichen, Oberhausen, S. 10 – 13
Ganser, K.; Sieverts, T. (1993): Vom Aufbaustab Speer bis zur Internationalen Bauausstellung Emscher Park und darüber hinaus, in: DISP 115, S. 31 - 37
Harlander, T., Hg. (2001): Villa und Eigenheim – suburbaner Städtebau in Deutschland, Stuttgart, München
Hayden, D. (2003): Building Suburbia, Green Fields and Urban Growth 1820-2000, New York
Hise, G. (1999): Magnetic Los Angeles – Planning the Twentieth-Century Metropolis, Baltimore, London
Holzer, L. (1996): Stadtlandschaft USA: Die Kulturlandschaft des American Way of Life, Gotha
Johnson, E. (2001): Chicago Metropolis 2020 – The Chicago Plan for the Twenty-First Century, Chicago, London
Kegler, H. (1998): Mehr als Sehnsucht nach der alten Stadt: New Urbanism in den USA, in: Borst, O., Hg. (1998): Die Alte Stadt – neu gebaut (Themenheft), Die Alte Stadt, 4/98, Stuttgart, Köln, Berlin, S. 335 – 346
Kegler, H. (2001): Regionalpark Mitteldeutschland, in: et – Magazin der Regionen, S. 45
Kegler, H. (2002): Eine Kleinstadt macht sich auf den Weg, in: Die Wohnungswirtschaft, 10/02, S. 18-21
Kegler, H. (2004): New Urbanism – Bewegung und Strategie für eine postmoderne Stadt, in: Petz, U. v.,
Kegler, H.; Gruppe F, ts redaktion (2004): Transect-Modell - Planungsstudie Aschersleben
Kegler, H. (2005): Ferropolis – Die Stadt aus Eisen, Dessau
Hg.: „Going West?“ Stadtplanung in den USA – gestern und heute, Dortmund
Kelbraugh, D. (2002): Repairing the American Metropolis, Saettle, London
Krier, L. (1998): Freiheit oder Fatalismus, München, London, New York
Krugman, P. (1997): Development, Geography, and Economic Theory, Cambridge, London
Kunstler, J. (1993): The Geography of Nowhere, New York
Kunstler, J. (2006): The Long Emergency, New York
Loomis, A.; Ohland, G. (2005): Los Angeles: Building the Polycentric Region, Pasadena
Marx, Ch.; Schautz, T. (2003): Studentische Charrette Ferropolis, in: Planerin 4/02, S. 62-63
Ministry of Construction Republic of Serbia (1997): Spatial Plan of the Republic of Serbia, Belgrade
Sassen, S. (1997): Metropolen des Weltmarktes, Frankfurt/M., New York
Schätzl, L. (2003): Wirtschaftsgeographie – Theorie 1, München, Wien, Zürich
Sieverts, T. (2001): Zwischenstadt, Basel, Berlin, Boston (3. Aufl.)
Steuteville, R.; Langdon, P. (2003): New Urbanism: Comprehensive report & Best Practice Guide, Ithaca
Süddeutsche Zeitung, 2. August 2006, S.13
Talen, E. (2005): New Urbanism & American Planning. The Conflict of Cultures, New York, London

www.ceunet.de
www.dr-kegler.de
www.cnu.org
www.charrette.de


Abbildungen
1 Vergleich des Ruhrgebietes 1900 (oben) und 2000 (unten) – Fortschritt der Zersiedlung (Sprawl)
2 Dream-Town**
3 Cape of Chinese Hope**
4 „Belantis – mehr Spaß im Osten“ (Werbeblatt des Freizeitparks)
5 www.garden-city …**
6 Edge City**
7 EX-Urbia**
8 Franchise Paradise**
9 Arkadien*
10 Der funktionale Archipel der europäischen Stadtregion, Kunzmann, S. 215
11/11a Titel der Bücher: „Zwischenstadt“ (2001) und „Suburban Nation“ (2000)
12 Gründung von CEU-Deutschland, Görlitz/Zgorzelec, 2004**
13 Sprawl im „Irgendwo“ („Center of Nowhere“)*
14 Los Angeles – Überflug*
15 Typische „Cul de Sack“ im Sprawl, CNU.org
16 „Polycentric City“: Titel des CNU-Kongresses 2005 in Pasadena
17 Umbau des Zentrums von Pasadena: Reurbanisierung einer Shopping Mall, 2006*
18 Compass Plan für den Großraum Los Angeles, 2004 (Ausschnitt)
19 Plan für Chicago 2020 (Titel der Publikation)
20 Masterplan für das Infill-Projekt „Hail Village Center“, 2000
21 Transect-Modell, Duany, 2000
22 Transect-Planung für die Region Nashville
23 Buchtitel „The Long Emergency“, James H. Kunstler, 2006
24 Kunstprojekt in einer Baulücke in Leipzig, 2004*
25 Planung für Münchener Werkbundsiedlung, Entwurf Sakamotos, 2006
26 Regionalpark Mitteldeutschland – ein Korridor der Balance zwischen Berlin, Potsdam, Halle, Leipzig, Entwurf Kegler/Marx, 2001
27 Transeuropäische Korridore als Ausdruck der Strategien nachhaltiger Entwicklung, BBR
28 Suburbanisierungsanzeichen in der historischen Kernstadt, Gräfenhainichen, 2006*
29 Dessau – Schrumpfungsareale in der Innenstadt*
30 Trasect-Plan für Aschersleben, Kegler, Gruppe F, ts redaktion, 2004
31 Pisteritz – die autofreie Siedlung, 2005*
32 Ferropolis – Die Stadt aus Eisen, 2005*

Fotos: *Kegler, ** Marx


Partner:

c.e.u. Deutschland

Labor für Regional-
planung

 iXwin Internetservice

Nachrichten
Städtebau-
aktuell
Best-Practice
Projekte
Essays/
Kommentare
Publikationen
Diplom-/
Masterarbeiten
Ausschreibungen
Jobs/Praktikum
c.e.u.-
Deutschland
c.e.u.-
Europe
[statt]portrait
Sponsoren/
Partner
Archiv
gefördert durch: c.e.u. / Labor für Regionalplanung / iXwin
Ausgabe: II/VI