Zukunft Sundern

Städtebauliche Rahmenplanung zur Innenstadtentwicklung

(2007– 2008)
Die Bewohner planen ihre Stadt: … eine „Charrette“ …


Stadtverwaltung Sundern
59846 Sundern
Rathausplatz 1

  1. Zukunft Sundern

    Städtebauliche Rahmenplanung zur Innenstadtentwicklung


    Charrette Sundern - Konzept für ein modellhaftes Planungsverfahren zur Zukunftsgestaltung von Sundern durch direkte Mitwirkung der Bevölkerung


    Warum Sundern?

    Die Stadt Sundern gehört zu den typischen Mittelstädten im unmittelbaren Umfeld der Kernzone des Ruhrgebietes, die in einem gravierenden strukturellen Wandel stehen: von der industriell geprägten Stadt zu einer postindustriellen Dienstleistungsstadt für die Metropole „Ruhrstadt“. Die Globalisierung hat die kleineren Städte im ländlich geprägten Raum erreicht. Dabei entstehen gravierende Veränderungen für die soziale, ökonomische und Versorgungsfunktion der Stadt im regionalen Umfeld. Die Stadt muss sich, wie die anderen vergleichbaren Städte in Nordrhein-Westfalen (NRW) auch, diesen Herausforderungen stellen, will sie nicht Gefahr laufen, zu einem sozialen und wirtschaftlichen Problemfall in den nächsten Jahren zu werden.

    Bislang standen kleinere und mittlere Städte eher im Schatten der öffentlichen Aufmerksamkeit – doch gerade im Zuge von Globalisierung und Metropolenentwicklung gewinnen die kleinen und mittleren Städte eine entscheidende Rolle für die Stabilisierung des ländlichen Raumes und dessen Ausgestaltung als Wohnstandort, Versorgungszentrum, touristischer Nah- und Fernerholungsraum, aber auch als Orte für die Ansiedlung neuer, innovativer Dienstleistungsangebote bis hin zu neuen kreativen Unternehmen. Doch wird dies nicht spontan erfolgen. Dabei spielt die aktivierende Einbeziehung der Bevölkerung, der Unternehmen und Verwaltungen, aber auch von externen Wissensträgern eine Schlüsselrolle, wie internationale Erfahrungen zeigen.

    Hier ist es sinnvoll, gezielt modellhafte Vorhaben zu starten, um neue Wege beim stadtregionalen Umbau von Mittelstädten im Kontext der Globalisierung und der Neustrukturierung des „nicht-metropolitanen Raumes“ zu erproben. Gerade für das „Umland“ der metropolitanen Kernzone in NRW, des Ruhrgebietes, wird es in Zukunft von strategischer Bedeutung sein, wie sich diese klein- und mittelstädtischen Strukturen neu positionieren, um insgesamt eine sinnvolle, nachhaltige Entwicklung zwischen Metropole und Umland zu erreichen. Dafür sind neben landesplanerischen Aktivitäten auch Initiativen der Klein—und Mittelstädte erforderlich. Unter den Bedingungen einer schrumpfenden Bevölkerung kommt gerade der aktivierenden Einbeziehung der Bewohnerschaft eine Schlüsselbedeutung zu, um einer Abwanderung entgegenzuwerken.

    Ein solches Vorhaben will die Stadt Sundern angehen: Die Anwendung einer neuen Generation von Beteiligungsverfahren, der Charrette, bei welchem – internationale Erkenntnisse einbeziehend – neue Wege der direkten Integration von Interessenträgern mit einer Entwicklung strategischer wie umsetzungsorientierter Planungen gegangen und miteinander verknüpft werden; diese Vorgehensweise gehört zu den Schlüsselmomenten für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklungsplanung. Damit wird zum Teil von gewohnten Wegen abgewichen, was sich aus der aktuellen Situation heraus als erforderlich erweist. Gleichzeitig können übertragbare Erfahrungen gesammelt werden, die die Stadt Sundern anderen Städten auch zur Verfügung stellen will.



    Die Charrette – die Bürgerschaft „spannt sich vor den Karren“:


    1. Grundlagen der Charrette


    Die Stadt Sundern steht vor einem gravierenden Umbruch: der Übergang in eine sog. postindustrielle Entwicklungsphase. Dabei handelt es sich um einen Strukturwandel, wie er für altindustrielle Regionen generell abläuft und von dem eine Vielzahl von Städten, auch in der Region um Sundern, betroffen sind. Die Stadt Sundern hat jedoch Besonderheiten: sie ist eine relativ kleine Stadt, die eine große wirtschaftliche Prosperität erlangt hatte auf der Grundlage von qualitativ hochwertiger Metallverarbeitung. Diese Prosperität bildete die Grundlage für einen weit reichenden Umbau der Innenstadt in den vergangenen Jahrzehnten. Die Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung hat sich jedoch in den letzten Jahren deutlich verändert und der Veränderungsprozess wird noch an Dynamik zunehmen: die Globalisierung erfasst nun auch die kleineren Städte und löst eine neue Qualität an Städtewettbewerb im metropolitanen Umfeld des Ruhrgebietes aus. Hierauf sind neue Antworten zu finden. Die Stadt braucht eine strategisch angelegte Neujustierung, die den veränderten Rahmenbedingungen Rechnung trägt. Zugleich besteht akuter Handlungsbedarf, um das Zentrum der Stadt als lebendigen Mittelpunkt einer ländlich geprägten Stadtregion nicht nur zu erhalten, sondern in neuer Weise zu entfalten. Dies korrespondiert mit internationalen Trends, auf die die Stadt Sundern reagieren muss, will sie sich im Wettbewerb als zukunftsfähiger Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort behaupten. Daraus leiten sich neue Handlungsbedarfe ab für den historischen Kern der Stadt, die weitere Innenstadt und letztlich auch für die Stadtregion.

    Die Stadt Sundern hat bereits erste Aktivitäten entfaltet, um sich auf kommende Veränderungen einzustellen. Dazu zählen die Erarbeitung des Einzelhandelsgutachtens und das erfolgreich durchgefochtene Normenkontrollverfahren zur gezielten Steuerung des Einzelhandels, die Konzepte für die einzelnen Ortsteile und vor allem das Attraktivierungskonzept für die Fußgängerzone, wo mit einer aktuellen Zukunftswerkstatt für diesen Bereich der historischen Kernstadt wichtige Impulse gesetzt werden. Diese als notwendig erkannten Schritte zielen in die richtige Richtung. Sie sind konsequent weiter zu führen, vor allem aber zu vernetzen, zu einem Gesamtkonzept zu vereinen, durch breite Einbeziehung der Bürgerschaft zu konsolidieren und – was besonders wichtig ist – in ein umsetzungsfähiges Programm zu überführen. Gerade diesem Aspekt kommt entgegen, dass es eine Reihe von Unternehmen und Handelseinrichtungen in der Stadt gibt, die nach adäquaten Standorten suchen, was den Handlungsdruck bestätigt.

    Außerdem sind weitere Fragen, wie z. B. die nach einem Standort für den Busbahnhof, ungeklärt und bedürfen einer integrierten Lösung. Letztlich sind die Entwicklungen im Umfeld des Sorpesees und die Aktivitäten der größeren Nachbarstädte in die Gesamtbetrachtung einzubeziehen. Der offensiven Einbeziehung der Bürgerschaft, vom Unternehmer über den Händler, Innenstadtbewohner oder den eine Szene suchenden Jugendlichen bis zum Stadtrat und Verwaltungsmitarbeiter wird zu einem Gradmesser im Standortwettbewerb, geht es doch um die zukunftsorientierte Sicherung der Identität der jetzigen und morgigen Bevölkerung mit Sundern – einer Voraussetzung dafür, dass die Stadt ein lebendiger Ort mit eigenem Charme für Jung und Alt, für Unternehmer und Shopper, für Kreative und Handwerker, für Urlauber und Großstadtmüde wird. Gerade unter dem Gesichtspunkt des demografischen, aber auch des sozial-kulturellen Wandels gewinnt die Stadtkultur und damit auch die aktive Mitwirkung an deren Formierung durch eben diese Bevölkerung eine neue Bedeutung. Dies ist mehr als eine förmliche Beteiligung am Erstellungsprozess der Bauleitplanung.


    2. Instrumente/Verfahren zur Beteiligung an der Stadtplanung


    Um auf diesen Handlungsdruck zukunftsweisend zu reagieren, gibt es mehrere planerische Möglichkeiten des Einsatzes von Verfahren und Instrumenten, wie Erfahrungen aus anderen Regionen und dem Ausland bestätigen:
    a) die klassische Bauleitplanung: dies ist ein gerade durch die rechtliche Verbindlichkeit unverzichtbares Mittel der Planung, jedoch sind Bebauungspläne kaum geeignet, Strategien zu entwickeln, eine proaktive Einbeziehung der Bevölkerung zu gewährleisten und eine strikte Umsetzungsorientierung zu erzeugen; es sind die am Ende eines Prozesses einzusetzenden Instrumente;
    b) der quartiersbezogene städtebauliche Rahmenplan: der Rahmenplan ist grundsätzlich ein wichtiges, unverzichtbares Instrument einer orientierenden Planung; bei einem ausschließlichen Quartiersbezug entsteht Stückwerk (wobei jedes Teil für sich genommen durchaus gut sein kann); ein übergreifender Zusammenhang kann kaum hergestellt werden; die Einbeziehung der Bevölkerung beschränkt sich in der Regel auf die Möglichkeiten der gesetzlich normierten Bauleitplanverfahren;
    c) städtebaulicher Wettbewerb: über Ausschreibung mit Jury wird ein Bearbeiter ermittelt, der dann einen Plan entwickelt und diesen dann auf den bekannten Wegen zur Beschlussfassung führt. Als inzwischen allgemein anerkannter Nachteil dieser Vorgehensweise sind die geringe und nicht aktivierende öffentliche Beteiligung (nur über frühzeitige Information, Auslage und Anhörung der Träger öffentlicher Belange (TÖBs), die relativ hohen Verfahrenskosten, das Risiko, ein nicht umsetzbares Ergebnis zu erhalten - relativ geringe Einflussmöglichkeit im Bearbeitungsprozess durch die Öffentlichkeit;
    d) städtebauliche Gutachterverfahren: Um diese Nachteile etwas ausgleichen zu können, wird häufig zum Gutachterverfahren gegriffen. Dabei können die Formen konkurrierender oder kooperierender Gutachterverfahren gewählt werden. Das konkurrierende Verfahren ist eine Art vereinfachter Wettbewerb, bei dem gleichzeitig ein Kreis geladener Teilnehmer parallele Vorschläge erarbeitet, die dann vorgestellt werden und der Stadtrat wählt einen Vorschlag aus. Beim kooperierenden Verfahren werden Gutachter geladen, die zwar parallel arbeiten, aber sich untereinander austauschen können, um die eigenen Lösungen zu optimieren. Es gibt dann keinen Gewinner, sondern ein durch einen Gutachterkreis ermitteltes Ergebnis, das in Varianten vorgelegt wird. Aus diesen kann dann der Stadtrat eine auswählen. Die Variantenvielfalt ist – ähnlich wie beim Wettbewerb – ein Vorteil. Die Nachteile: die Einzelergebnisse sind nur additiv bewertbar, es erfolgt kaum eine Integration von fachlicher und öffentlicher Meinung;
    e) Werkstattverfahren: dieses Verfahren, das eine Vielzahl von Variationsmöglichkeiten kennt, setzt sich international immer stärker durch. Die Vorteile liegen in der Möglichkeit einer breiten Einbeziehung der Öffentlichkeit, der kooperierenden Arbeitsweise und der direkten Einflussmöglichkeit der Stadträte auf das Ergebnis. Es können grundsätzlich zwei verschiedene Werkstattverfahren unterschieden werden – die Planungszelle und die Charrette (erweiterte Zukunftswerkstatt).

    Die Planungszelle wird nach dem Zufallsprinzip zusammengesetzt und fungiert außerhalb der Verwaltung und ohne direkte Integration von Fachleuten im Sinne der Erarbeitung eines Bürgergutachtens, das dann von der Verwaltung und den Stadträten ausgearbeitet und umgesetzt werden soll.




    Ein besonderes Werkstattverfahren ist die Charrette – franz. „Karren“. Im übertragenen Sinn meint dies: Alle ziehen an einem Karren. Dieses Verfahren vereint die Formen des Werkstattverfahrens (wie z. B. die klassische Zukunftswerkstatt) mit dem eines kooperierenden Gutachtens. Dabei besteht das Ziel, EIN gemeinsam getragenes, umsetzbares Ergebnis in einem öffentlichen Verfahren zu erarbeiten. Es wird strikt öffentlich gearbeitet, d. h. bei dem nach einer klaren Dramaturgie ablaufenden Verfahren können sich die Bewohner, die Unternehmer usw. jeder Zeit einbringen, ja regelrecht mitarbeiten. Die Fachleute leiten den Prozess und arbeiten interdisziplinär zusammen. Die Arbeit folgt einem strengen Ablaufplan, der eine Ergebnisgarantie darstellt. Alle Erfahrungen des In- und Auslands zeigen, dass dies tatsächlich auch unter den Bedingungen des deutschen Planungsrechtes möglich ist. Dennoch ist das Charretteverfahren in Deutschland – im Gegensatz zum Ausland – ein noch relativ wenig gebräuchliches Verfahren. Die Charrette gehört im englischen, skandinavischen und amerikanischen Raum zu einem sehr verbreiteten und seit etwa 10 Jahren erfolgreich angewandten Beteiligungsverfahren. Es erfordert hohen Einsatz der Beteiligten, strikte Konzentration und ein hohes Maß an Integrationsfähigkeit durch die moderierende und inspirierende Kerngruppe der Charrette. Mit dieser aktionsbezogenen Art der Planung, der Ausrichtung auf EIN gemeinsam zu erarbeitendes Endergebnis und einer strikten Umsetzungsorientierung geht die Charrette über die Zukunftswerkstatt hinaus.

    Da in Sundern für die Fußgängerzone bereits eine Zukunftswerkstatt vorbereitet und durchgeführt wird, erscheint es sinnvoll, daran anzuknüpfen und diese auf die umfassendere Ebene der gesamten Innenstadt mit Bezügen zur Stadtregion auszuweiten – damit ist die Zukunftswerkstatt ein Teil eines gesamten Planungs- und Umsetzungsprozesses. Das Ergebnis der Charrette ist ein Rahmenplan für die gesamte Innenstadt mit ausgewiesenen Bereichen für sofort aufzulegende B-Pläne (bei deren Erarbeitung kann auch das Instrument des architektonischen Wettbewerbs angewandt werden – auch unter Einbeziehung externen Sachverstands, z. B. von Hochschulen).


    3. Charrette – ein Vorteil für die Stadt und für NRW


    Mit der Anwendung eines Charrette-Verfahrens wird nicht nur ein innovatives, international bewährtes Verfahren in NRW angewandt, es wird auch der Erfahrungstransfer aus dem Stadtumbau-Ost für den Stadtumbau-West praktizierbar gestaltet. Das Verfahren war bei Bundeswettbewerb Stadtumbau-Ost im Jahr 2002 für die Konzipierung eines Stadtumbaukonzeptes für die Stadt Gräfenhainichen angewandt worden und mit einem 1. Preis ausgezeichnet worden. Die Stadt Gräfenhainichen ist in Größe und Struktur mit Sundern vergleichbar. Im vorgeschlagenen Team würde als Moderator das Büro Dr. Kegler mitwirken, das seinerzeit die Konzepterarbeitung in Gräfenhainichen geleitet hat (www.charrette.de www.dr-kegler.de ).

    Mit der Anwendung eines Charrette-Verfahrens soll nicht nur für die Stadt Sundern die Erarbeitung der städtebaulichen Strategie geleistet werden. Es soll zugleich die Übertragbarkeit für andere, vergleichbare Kommunen und Regionen in NRW ausgelotet werden und Ansätze dafür herausgearbeitet werden. Deswegen ist auch die Einbeziehung der Wissenschaft in das Verfahren, insbes. durch die Universität Dortmund vorgesehen. Zudem wird die Charrette stadtsoziologisch von der TU Berlin, Prof. Bodenschatz, begleitet, was die Integration übergreifender Erkenntnisse der internationalen Stadtforschung und die unmittelbare Bewertung der Planungs- und Stadtentwicklungsprozesse in Sundern ermöglicht. Damit wird ein wichtiger Beitrag für eine Verallgemeinerung der Ergebnisse in Sundern geleistet und zugleich ein Forum für die interessierte Öffentlichkeit zu Fragen der Zukunft der Städte im wirtschaftlichen und sozialen Umbruch geschaffen.

    Es besteht die Absicht, dass damit auch über den engeren Charrette-Prozess hinausgehend ein Zukunftsforum Sundern eingerichtet wird, das den weiteren Umsetzungsprozess der Charrette-Ergebnisse bürgerschaftlich begleitet. Denn auch in Zukunft werden in Sundern und der Region die Herausforderungen für den Stadtumbau nicht geringer werden. Die Debatte wird fortgeführt werden. Mit der Charrette im Zeitraum 2007 – 2008 soll also auch ein Impuls für die Weiterführung gegeben werden. eine wissenschaftliche Fundierung dessen erscheint zwingend, wenn nicht die Charrette eine „Eintagsfliege“ gewesen sein soll.

    Im Ergebnis der Charrette wird es eine Dokumentation des Prozesses geben. Außerdem wird angestrebt, eine wissenschaftliche Veranstaltung mit Partnern aus NRW durchzuführen, um die Ergebnisse, die Erfahrungen mit dem Verfahren und Möglichkeiten der Übertragbarkeit für die Öffentlichkeit herauszuarbeiten. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse sollte gesondert geprüft werden.

    Damit können sich auch die Region und das Land gegenüber Anderen als ein Vorreiter bei der strategischen Neuorientierung der Stadtumbauprozesse in Klein- und Mittelstädten unter direkter Beteiligung der Bevölkerung erweisen.


    4. Der Arbeitsprozess in der Charrette


    Die beabsichtigte Charrette Sundern wird in einem dreistufigen Prozess durchgeführt:
    A) Vorbereitungsphase
    B) Hauptcharrettephase
    C) Überleitungsphase

    Insgesamt wird für den gesamten Prozess ein Gesamtzeitraum von ca. 8 Monaten eingeplant. Das Endergebnis des Charretteprozesses ist ein umsetzungsfähiger städtebaulicher Rahmenplan, der die Grundlage für die Bauleitpläne bzw. für architektonische Wettbewerbe u. a. städtebauliche oder Stadtmarketing-Aktivitäten bildet.

    In der Vorbereitungsphase werden Recherchen, Analysen zur Situation, aber vor allem Vorgespräche mit Akteuren aus unterschiedlichen Bereichen, mit Verwaltungen und Behörden, mit Unternehmen und Interessengruppen geführt. Es können auch Minicharrettes (Halbtageswerkstätten) zu ausgewählten Sachverhalten veranstaltet werden, um inhaltliche Grundlagen zu ermitteln. Außerdem erfolgt eine ex ante – Betrachtung der wirtschaftlichen Situation und möglicher Entwicklungen aus ökonomischer Perspektive durch Developer.

    In der Hauptcharrette wird in einem intensiven, 3- bis 4-tägigen Arbeitsprozess, der eigentlich Kerninhalt erarbeitet. Dieser Arbeitsprozess ist strikt öffentlich und offen. Er findet an einem für die Öffentlichkeit gut zugänglichen Ort statt, wird öffentlich dokumentiert und folgt einem festzulegenden genauen Ablaufplan, der wiederum öffentlich ist. Kern ist die stete Rückkopplung der erreichten Ergebnisse in öffentlichen Foren. Die Charrette wird mit einer Informationsveranstaltung – eine Woche vor der eigentlichen Charrette – eröffnet. Während der Charrette wird parallel in Arbeitsgruppen gearbeitet, werden Vor-Ort-Begehungen durchgeführt, werden Fachleute und Behörden zu speziellen Themen konsultiert und regelmäßig alle Ergebnisse im Plenum debattiert. Diese Ergebnisse fließen wieder in den Arbeitsprozess zurück usw. bis dann nach drei Tagen ein von den Beteiligten insgesamt getragenes Ergebnis erreicht ist. Am Ende gibt es eine Plenarversammlung und eine kleines Fest, auf dem ein Stück gemeinsamer Zukunft zelebriert wird. Begleitet wird der gesamte Prozess durch eine aktive Medienarbeit.

    Außerdem werden Hochschulen einbezogen, die durch Studenten die Arbeit unterstützen, durch wissenschaftliche Impulse und Bewertungen den Arbeitsprozess begleiten. In diese Phase der Arbeit werden, neben Studenten aus Dortmund, auch Studenten der BTU Cottbus einbezogen, die bereits in Charrette-Verfahren eingebunden waren und sich in der Lehre mit dem Stadtumbau speziell beschäftigen. Weiterhin können spezielle Experten zu sich ergebenden Fragen eingebunden werden.

    Die Überleitungsphase ist dann ein Durcharbeitungsprozess, welcher durch ein festgelegtes Team in wenigen Wochen vorgenommen wird. Am Ende steht der städtebauliche Rahmenplan – als Strategie UND Umsetzungsplan. Dieser wird ebenfalls noch einmal öffentlich diskutiert und dann in den Prozess der förmlichen Auslegung, Erörterung und Beschlussfassung überführt. Damit kann das Verfahren auch als eine zeitsparende Möglichkeit der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit nach § 3, Abs. 1, Pkt. 2 BauGB angesehen werden, ohne dass eine Unterrichtung und Erörterung vollumfänglich in den üblichen Auslegungs- und Anhörungsverfahren notwendig wird. Die Aufstellung von Bebauungsplänen muss natürlich alle geforderten Schritte enthalten, jedoch kann durch die aktive und frühzeitige Einbeziehung der Öffentlichkeit wie der Träger öffentlicher Belange (TÖBs) ein erheblicher Arbeits- und Zeitaufwand eingespart werden – ein großer Vorteil des Verfahrens, weswegen die Charrette gerade im Ausland sehr verbreitet ist.


    5. Der Zeitplan für die Charrette


    Die Charrette wird prinzipiell in einem stufenförmigen Prozess durchgeführt und erstreckt sich – nach der vorläufigen Planung – auf das 2. Quartal 2007 bis zum 1. Quartal 2008. Der Zeitplan muss natürlich als noch nicht verbindlich und nur als Orientierung angesehen werden. Alle vorbereitenden Arbeiten gelten noch als unverbindlich.

    Die Vorphase

    Ausgehend von den vorbereitenden Erkundungen, den verschiedenen informellen Gesprächen Vor-Ort und bereits absolvierten Recherchen umfasst die eigentliche Vorbereitungsphase den Zeitraum des 2. Quartals 2007 mit zielgerichteten Analysen und vor allem Gesprächen/Interviews mit Stakeholdern der Stadt und Region sowie mit den Medienvertretern. Es wird eine Medienpartnerschaft angebahnt. Außerdem werden die wichtigen lokalen Vereine und Unternehmen direkt angesprochen.

    Auftakt: 29. März 2007 mit Beratung im Umwelt- und Planungsausschuss und ggf. Beschlussfassung mit Auftragserteilung.
    Vorbereitungswerkstätten zur Analyse am 25./26. 4. (in Berlin) und am 3./4.5.07 (in Sundern).

    Mini-Charrette: 16./17. August

    Ankunft der Planer in Sundern: gegen 17.00 Uhr, Beziehen des Quartiers, Aufbau und Einrichten des Raumes im Kolpinghaus; das Stadtmodell wird bereits dort sein, Vorgespräch etwa 20.00 Uhr mit Abendbrot.


    17. August

    Beginn: 9.00 Uhr, Treff des Kernteams im Kolpinghaus, Abstimmung des Tagesablaufes, Einführung in die Methode

    10.00 Uhr – öffentlicher Planungs-Spaziergang des Kernteams zu den relevanten Orten des Stadtumbaus in der Kernstadt von Sundern; dabei: öffentliche Planungs-Arbeit am mobilen Plantisch; Überprüfung von Annahmen und Entwicklungsmöglichkeiten (bis 11.30 Uhr)

    12.30 Uhr – öffentlicher Planungs-Spaziergang II durch die Fußgängerzone (bis 14.00 Uhr)

    ab 14.00 Uhr Imbiss und Diskussion der Ergebnisse im Kernteam im Kolpinghaus

    14.30 Uhr – Erarbeitung bzw. Diskussion der Thesen für die Stadtentwicklung und der einzelnen Bereiche (Demografie, Entwicklungstrends, Probleme und Chancen für die Kernstadt von Sundern)

    16.00 Uhr - Kaffeepause und Vorbereiten des Raumes für die öffentliche Diskussion

    16.30 Uhr – Öffnung der Charrette für die interessierte Öffentlichkeit (der Raum steht auch vorher schon für spontane Besucher offen): Beginn der Arbeit in thematischen bzw. räumlichen Gruppen, Kernteam plus Interessierte – als Einstimmung in die Plenumsveranstaltung

    18.00 Uhr – Planungsarbeit im Plenum zu ersten Planungsüberlegungen für die Kernstadt von Sundern
    moderierte Planungswerkstatt – Arbeit am Gesamtplan sowie an Teilbereichen – Ideen und Nutzungsvorstellungen aus unterschiedlichen Perspektiven
    (diese Zeit wird gesondert als der eigentliche Beginn der öffentlichen Veranstaltung bekannt gegeben)

    20.00 Uhr – Abschluss der Diskussion, Ausblick und Festlegung der nächsten Schritte

    anschl.: Pressegespräch

    20.30 Uhr - Ende der öffentlichen Veranstaltung, anschließend Auswertung im Kernteam, Abendbrot


    18. August

    9.00 Uhr - anschl. Abbau und Abreise (10.00 Uhr)


    Die Hauptcharrette findet vom 06. bis 08.September .2007 in Sundern statt.

    Die Nachbereitung und Durcharbeitung der Charretteergebnisse zur Erstellung des Rahmenplanes findet mit Arbeitstreffen im November sowie nach Abstimmung im Dezember 2007 und Januar 2008 statt. Für den 18.02.2008 ist die Abschlussberatung im Umwelt- und Planungsausschuss in Sundern vorgesehen. Im März wird dann das Material endgültig der Öffentlichkeit in Sundern übergeben.

    Ablauf der Hauptcharrette:

    Anreise: 05.09.2007 – Beziehen der Arbeitsräume
    16.00 Uhr - Vorgespräch mit dem Bürgermeister, Pressetermin

    1. Tag (ß6.09.): „Annäherung“

    09.00 Uhr – Arbeitsbeginn der Kern-Gruppe, Anlaufberatung für den Tag
    10.00 Uhr – offizieller Beginn mit einer ersten Ideenrunde
    12.00 Uhr – Zusammenfassung und Fixierung der „Thesen zu Sundern“
    Imbiss
    13.00 Uhr – öffentlicher Stadtrundgang (vom Bahnhof zum Gelände Schulte-Ufer)
    15.00 Uhr – öffentliches „Kaffeetrinken“ in der Fußgängerzone mit Planungsaktion
    16.00 Uhr – Fortsetzung der Arbeit im Arbeitsraum: Konstituierung der thematischen Arbeitsgruppen
    19.00 Uhr – öffentliche Diskussion der ersten Ergebnisse im Kreise der Stakeholder
    anschl. Abendbrot

    2. Tag (07.09.2007): „Ausarbeitung“

    09.00 Uhr – Arbeitsbeginn der Kerngruppe, Auswertung des ersten Tages, Anlaufberatung 2. Tag
    10.00 Uhr – Arbeitsbeginn in thematischen Arbeitsgruppen (Gestaltung, Verkehr, Handel, Unternehmen, Infrastruktur, Stadtkultur, Freiraum, Region, ...), Konsultationen mit Fachexperten, umwelt-, planungsausschuss, Stakeholdern etc., Aktion mit Kindern
    12.00 Uhr – Zwischenreflexion in der Kerngruppe mit dem Bürgermeister
    Mittagsimbiss
    13.30 Uhr – Fortsetzung in Arbeitsgruppen mit externen Partnern (nach Vorabstimmung)
    16.00 Uhr – Zwischenfazit
    17.00 Uhr – Fortsetzung in Arbeitsgruppen bzw. Vorortgespräche, Aktion mit den evangelischen und katholischen Kirchgemeinden, Migrantenvertretern (ausländische Vereine), Behindertenvertretern, dem Heimatbund, dem Schützenverein u. a. relevanten Partnern
    19.00 Uhr – Vortrag zu übergreifenden Entwicklungen der Städte beim Übergang von der industriellen zur postindustriellen Entwicklung und der Relevanz für Sundern (unter Einbeziehung der ersten Zwischenergebnisse der Charrette); öffentliche Diskussion
    21.00 Uhr – gemeinsames Abendessen der Kerngruppe mit ausgewählten Stakeholdern und Planungsdiskussion

    3. Tag (08.09.2007): „Zusammenführung“

    9.00 Uhr – Arbeitsbeginn der Kerngruppe, Auswertung des zweiten Tages, Anlaufberatung 3. Tag
    10.00 Uhr – Arbeitsbeginn in Arbeitsgruppen und Konsultationen mit Fachexperten bzw. Vertretern der Öffentlichkeit
    12.00 Uhr – Zwischenfazit, mit Diskussion mit Stadträten
    Mittagsimbiss
    14.00 Uhr – interne Diskussion in der Kerngruppe zur Integration der Ergebnisse
    16.00 Uhr – Ausarbeitung der Bestandteile für die Abschlussdiskussion auf den Ebenen Region, Gesamtstadt, Zentrum und Teilbereiche
    18.00 Uhr Abstimmung für die Abschlussdiskussion, Vorab-Pressegespräch
    19.00 Uhr – öffentliche Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse
    22.00 Uhr – gemeinsames Abschlussabendessen an der Röhr mit öffentlicher Präsentation der Ergebnisse im Stadtraum (mediale Präsentation)

    4. Tag (09.09.2007): Abreise

    10.00 Uhr – Aufräumen und Zusammenstellen der Materialien, Verabschiedung
    12.00 Uhr - Abreise

    Die Überleitungsphase

    Die Nachbereitung der Hauptcharrette findet ab Oktober 2007 statt. Dazu werden im November Arbeitstreffen vereinbart, bei denen die Ergebnisse reflektiert und ggf. Details nachgearbeitet werden. Dann wird der Entwurf des Rahmenplans ausgearbeitet und den Beteiligten – insbesondere den Stakeholdern) zur informellen Stellungnahme übermittelt (elektronisch bzw. als Auslage im Rathaus).

    Nach Einarbeitung der Hinweise wird der Entwurf des Rahmenplanes im Umwelt- und Planungsausschuss letztmalig zur öffentlichen Diskussion gestellt (18.02.2008). Danach wird der Rahmenplan/Masterplan „Zukunft Sundern“ ausgefertigt und im März 2008 der Stadt mit einer festlichen Stadtbegehung offiziell überreicht. Auf der Grundlage der im Rahmenplan enthaltenen Handlungsschritte leitet die Stadt Sundern dann die Umsetzung der Ergebnisse ein.

    Anschließend wird ein ganztägiges wissenschaftliches Symposium in Sundern durchgeführt, bei der die Ergebnisse aus wissenschaftlicher Sicht reflektiert werden und Möglichkeiten der Übertragbarkeit für vergleichbare Fälle NRW herausgearbeitet werden.


    6. Das Ergebnis und ein Ausblick


    Als Ergebnis der Charrette-basierten Planung wird ein strategischer Rahmenplan – getragen vom breiten Willen der städtischen Öffentlichkeit – mit der Ausweisung von sofort realisierbaren Vorhaben, für dann jeweils – nicht unbedingt durch die Kommune – Bebauungspläne zu erstellen sind. Durch breite und aktivierende Mitwirkung der Öffentlichkeit und der Genehmigungsbehörden verringern sich die Zeit- und Kostenaufwendungen für die Genehmigungen der folgenden Bebauungspläne und es kann deutlich schneller zur Umsetzung des Vorhabens gelangt werden.

    Diese Form der frühzeitigen Beteiligung ermöglicht auch eine Signalwirkung: die Bürgerschaft der Stadt, Unternehmen und Akteure der Region sind aufgerufen, sich wirklich frühzeitig gestaltend und inspirierend in die Zukunftsplanung der Stadt einzubringen. Sie werden ernst genommen – das ganze wird keine „Fingerübung“ oder formale technokratische Planung. Die Charrette ist ein lebendiger Prozess, der maßgeblich im kooperativen, moderierten Miteinander von Fachplanern, Bürgern, der Verwaltung, den Stadträten und den regionalen Fachgremien zu einem gemeinsam getragenen Ergebnis geführt wird. Dabei kann gezeigt werden, dass Stadtplanung, ein ansonsten „trockenes“ Metier, auch ein Erlebnis sein kann.

    Es wird aber darauf ankommen, dass der weiterführende Planungs- und Umsetzungsprozess die Atmosphäre und den „Geist“ der Charrette weiter trägt und die Impulse nicht „versanden“. Dafür ist im Charrette-Prozess selbst die Grundlage zu legen. Die Stakeholder, die Stadträte und die Verwaltung sind hier gefordert.


    Die Aktivitäten zur Anbahnung der Charrette waren sehr ermutigend und ließen bereits das vitale Interesse und den Willen der Akteure erkennen, sich aktiv in Gestaltung einer neuen Zukunft von Sundern in NRW einzubringen.


    Dipl.-Ing. Meinolf Kühn, Stadt Sundern, Dr. Harald Kegler, Labor für Regionalplanung, Dessau
    Beigeordneter

     

    Bilder/Karten/Pläne/Artikel...von Sundern:

    Historische Karte- Sundern

    Sundern macht aich auf den Weg...

    Siedlungsgefüge- Sundern

    Sundern Zentrum Schwarzplan

    Den Bürger vor den Karren spannen

    Einführung Stakeholder

    Flyer Charrette




 

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