Zukunft Sundern
Städtebauliche Rahmenplanung zur Innenstadtentwicklung
Charrette Sundern - Konzept für ein modellhaftes Planungsverfahren zur
Zukunftsgestaltung von Sundern durch direkte Mitwirkung der Bevölkerung
Warum Sundern?
Die Stadt Sundern gehört zu den typischen Mittelstädten im unmittelbaren
Umfeld der Kernzone des Ruhrgebietes, die in einem gravierenden strukturellen
Wandel stehen: von der industriell geprägten Stadt zu einer postindustriellen
Dienstleistungsstadt für die Metropole „Ruhrstadt“. Die Globalisierung hat die
kleineren Städte im ländlich geprägten Raum erreicht. Dabei entstehen
gravierende Veränderungen für die soziale, ökonomische und Versorgungsfunktion
der Stadt im regionalen Umfeld. Die Stadt muss sich, wie die anderen
vergleichbaren Städte in Nordrhein-Westfalen (NRW) auch, diesen
Herausforderungen stellen, will sie nicht Gefahr laufen, zu einem sozialen und
wirtschaftlichen Problemfall in den nächsten Jahren zu werden.
Bislang standen kleinere und mittlere Städte eher im Schatten der öffentlichen
Aufmerksamkeit – doch gerade im Zuge von Globalisierung und
Metropolenentwicklung gewinnen die kleinen und mittleren Städte eine
entscheidende Rolle für die Stabilisierung des ländlichen Raumes und dessen
Ausgestaltung als Wohnstandort, Versorgungszentrum, touristischer Nah- und
Fernerholungsraum, aber auch als Orte für die Ansiedlung neuer, innovativer
Dienstleistungsangebote bis hin zu neuen kreativen Unternehmen. Doch wird dies
nicht spontan erfolgen. Dabei spielt die aktivierende Einbeziehung der
Bevölkerung, der Unternehmen und Verwaltungen, aber auch von externen
Wissensträgern eine Schlüsselrolle, wie internationale Erfahrungen zeigen.
Hier ist es sinnvoll, gezielt modellhafte Vorhaben zu starten, um neue Wege
beim stadtregionalen Umbau von Mittelstädten im Kontext der Globalisierung und
der Neustrukturierung des „nicht-metropolitanen Raumes“ zu erproben. Gerade
für das „Umland“ der metropolitanen Kernzone in NRW, des Ruhrgebietes, wird es
in Zukunft von strategischer Bedeutung sein, wie sich diese klein- und
mittelstädtischen Strukturen neu positionieren, um insgesamt eine sinnvolle,
nachhaltige Entwicklung zwischen Metropole und Umland zu erreichen. Dafür sind
neben landesplanerischen Aktivitäten auch Initiativen der Klein—und
Mittelstädte erforderlich. Unter den Bedingungen einer schrumpfenden
Bevölkerung kommt gerade der aktivierenden Einbeziehung der Bewohnerschaft
eine Schlüsselbedeutung zu, um einer Abwanderung entgegenzuwerken.
Ein solches Vorhaben will die Stadt Sundern angehen: Die Anwendung einer neuen
Generation von Beteiligungsverfahren, der Charrette, bei welchem –
internationale Erkenntnisse einbeziehend – neue Wege der direkten Integration
von Interessenträgern mit einer Entwicklung strategischer wie
umsetzungsorientierter Planungen gegangen und miteinander verknüpft werden;
diese Vorgehensweise gehört zu den Schlüsselmomenten für eine
zukunftsorientierte Stadtentwicklungsplanung. Damit wird zum Teil von
gewohnten Wegen abgewichen, was sich aus der aktuellen Situation heraus als
erforderlich erweist. Gleichzeitig können übertragbare Erfahrungen gesammelt
werden, die die Stadt Sundern anderen Städten auch zur Verfügung stellen will.
Die Charrette – die Bürgerschaft „spannt sich vor den Karren“:
1. Grundlagen der Charrette
Die Stadt Sundern steht vor einem gravierenden Umbruch: der Übergang in eine
sog. postindustrielle Entwicklungsphase. Dabei handelt es sich um einen
Strukturwandel, wie er für altindustrielle Regionen generell abläuft und von
dem eine Vielzahl von Städten, auch in der Region um Sundern, betroffen sind.
Die Stadt Sundern hat jedoch Besonderheiten: sie ist eine relativ kleine
Stadt, die eine große wirtschaftliche Prosperität erlangt hatte auf der
Grundlage von qualitativ hochwertiger Metallverarbeitung. Diese Prosperität
bildete die Grundlage für einen weit reichenden Umbau der Innenstadt in den
vergangenen Jahrzehnten. Die Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung hat
sich jedoch in den letzten Jahren deutlich verändert und der
Veränderungsprozess wird noch an Dynamik zunehmen: die Globalisierung erfasst
nun auch die kleineren Städte und löst eine neue Qualität an Städtewettbewerb
im metropolitanen Umfeld des Ruhrgebietes aus. Hierauf sind neue Antworten zu
finden. Die Stadt braucht eine strategisch angelegte Neujustierung, die den
veränderten Rahmenbedingungen Rechnung trägt. Zugleich besteht akuter
Handlungsbedarf, um das Zentrum der Stadt als lebendigen Mittelpunkt einer
ländlich geprägten Stadtregion nicht nur zu erhalten, sondern in neuer Weise
zu entfalten. Dies korrespondiert mit internationalen Trends, auf die die
Stadt Sundern reagieren muss, will sie sich im Wettbewerb als zukunftsfähiger
Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort behaupten. Daraus leiten sich neue
Handlungsbedarfe ab für den historischen Kern der Stadt, die weitere
Innenstadt und letztlich auch für die Stadtregion.
Die Stadt Sundern hat bereits erste Aktivitäten entfaltet, um sich auf
kommende Veränderungen einzustellen. Dazu zählen die Erarbeitung des
Einzelhandelsgutachtens und das erfolgreich durchgefochtene
Normenkontrollverfahren zur gezielten Steuerung des Einzelhandels, die
Konzepte für die einzelnen Ortsteile und vor allem das Attraktivierungskonzept
für die Fußgängerzone, wo mit einer aktuellen Zukunftswerkstatt für diesen
Bereich der historischen Kernstadt wichtige Impulse gesetzt werden. Diese als
notwendig erkannten Schritte zielen in die richtige Richtung. Sie sind
konsequent weiter zu führen, vor allem aber zu vernetzen, zu einem
Gesamtkonzept zu vereinen, durch breite Einbeziehung der Bürgerschaft zu
konsolidieren und – was besonders wichtig ist – in ein umsetzungsfähiges
Programm zu überführen. Gerade diesem Aspekt kommt entgegen, dass es eine
Reihe von Unternehmen und Handelseinrichtungen in der Stadt gibt, die nach
adäquaten Standorten suchen, was den Handlungsdruck bestätigt.
Außerdem sind weitere Fragen, wie z. B. die nach einem Standort für den
Busbahnhof, ungeklärt und bedürfen einer integrierten Lösung. Letztlich sind
die Entwicklungen im Umfeld des Sorpesees und die Aktivitäten der größeren
Nachbarstädte in die Gesamtbetrachtung einzubeziehen. Der offensiven
Einbeziehung der Bürgerschaft, vom Unternehmer über den Händler,
Innenstadtbewohner oder den eine Szene suchenden Jugendlichen bis zum Stadtrat
und Verwaltungsmitarbeiter wird zu einem Gradmesser im Standortwettbewerb,
geht es doch um die zukunftsorientierte Sicherung der Identität der jetzigen
und morgigen Bevölkerung mit Sundern – einer Voraussetzung dafür, dass die
Stadt ein lebendiger Ort mit eigenem Charme für Jung und Alt, für Unternehmer
und Shopper, für Kreative und Handwerker, für Urlauber und Großstadtmüde wird.
Gerade unter dem Gesichtspunkt des demografischen, aber auch des
sozial-kulturellen Wandels gewinnt die Stadtkultur und damit auch die aktive
Mitwirkung an deren Formierung durch eben diese Bevölkerung eine neue
Bedeutung. Dies ist mehr als eine förmliche Beteiligung am Erstellungsprozess
der Bauleitplanung.
2. Instrumente/Verfahren zur Beteiligung an der Stadtplanung
Um auf diesen Handlungsdruck zukunftsweisend zu reagieren, gibt es mehrere
planerische Möglichkeiten des Einsatzes von Verfahren und Instrumenten, wie
Erfahrungen aus anderen Regionen und dem Ausland bestätigen:
a) die klassische Bauleitplanung: dies ist ein gerade durch die rechtliche
Verbindlichkeit unverzichtbares Mittel der Planung, jedoch sind Bebauungspläne
kaum geeignet, Strategien zu entwickeln, eine proaktive Einbeziehung der
Bevölkerung zu gewährleisten und eine strikte Umsetzungsorientierung zu
erzeugen; es sind die am Ende eines Prozesses einzusetzenden Instrumente;
b) der quartiersbezogene städtebauliche Rahmenplan: der Rahmenplan ist
grundsätzlich ein wichtiges, unverzichtbares Instrument einer orientierenden
Planung; bei einem ausschließlichen Quartiersbezug entsteht Stückwerk (wobei
jedes Teil für sich genommen durchaus gut sein kann); ein übergreifender
Zusammenhang kann kaum hergestellt werden; die Einbeziehung der Bevölkerung
beschränkt sich in der Regel auf die Möglichkeiten der gesetzlich normierten
Bauleitplanverfahren;
c) städtebaulicher Wettbewerb: über Ausschreibung mit Jury wird ein Bearbeiter
ermittelt, der dann einen Plan entwickelt und diesen dann auf den bekannten
Wegen zur Beschlussfassung führt. Als inzwischen allgemein anerkannter
Nachteil dieser Vorgehensweise sind die geringe und nicht aktivierende
öffentliche Beteiligung (nur über frühzeitige Information, Auslage und
Anhörung der Träger öffentlicher Belange (TÖBs), die relativ hohen
Verfahrenskosten, das Risiko, ein nicht umsetzbares Ergebnis zu erhalten -
relativ geringe Einflussmöglichkeit im Bearbeitungsprozess durch die
Öffentlichkeit;
d) städtebauliche Gutachterverfahren: Um diese Nachteile etwas ausgleichen zu
können, wird häufig zum Gutachterverfahren gegriffen. Dabei können die Formen
konkurrierender oder kooperierender Gutachterverfahren gewählt werden. Das
konkurrierende Verfahren ist eine Art vereinfachter Wettbewerb, bei dem
gleichzeitig ein Kreis geladener Teilnehmer parallele Vorschläge erarbeitet,
die dann vorgestellt werden und der Stadtrat wählt einen Vorschlag aus. Beim
kooperierenden Verfahren werden Gutachter geladen, die zwar parallel arbeiten,
aber sich untereinander austauschen können, um die eigenen Lösungen zu
optimieren. Es gibt dann keinen Gewinner, sondern ein durch einen
Gutachterkreis ermitteltes Ergebnis, das in Varianten vorgelegt wird. Aus
diesen kann dann der Stadtrat eine auswählen. Die Variantenvielfalt ist –
ähnlich wie beim Wettbewerb – ein Vorteil. Die Nachteile: die Einzelergebnisse
sind nur additiv bewertbar, es erfolgt kaum eine Integration von fachlicher
und öffentlicher Meinung;
e) Werkstattverfahren: dieses Verfahren, das eine Vielzahl von
Variationsmöglichkeiten kennt, setzt sich international immer stärker durch.
Die Vorteile liegen in der Möglichkeit einer breiten Einbeziehung der
Öffentlichkeit, der kooperierenden Arbeitsweise und der direkten
Einflussmöglichkeit der Stadträte auf das Ergebnis. Es können grundsätzlich
zwei verschiedene Werkstattverfahren unterschieden werden – die Planungszelle
und die Charrette (erweiterte Zukunftswerkstatt).
Die Planungszelle wird nach dem Zufallsprinzip zusammengesetzt und fungiert
außerhalb der Verwaltung und ohne direkte Integration von Fachleuten im Sinne
der Erarbeitung eines Bürgergutachtens, das dann von der Verwaltung und den
Stadträten ausgearbeitet und umgesetzt werden soll.
Ein besonderes Werkstattverfahren ist die Charrette – franz. „Karren“. Im
übertragenen Sinn meint dies: Alle ziehen an einem Karren. Dieses Verfahren
vereint die Formen des Werkstattverfahrens (wie z. B. die klassische
Zukunftswerkstatt) mit dem eines kooperierenden Gutachtens. Dabei besteht das
Ziel, EIN gemeinsam getragenes, umsetzbares Ergebnis in einem öffentlichen
Verfahren zu erarbeiten. Es wird strikt öffentlich gearbeitet, d. h. bei dem
nach einer klaren Dramaturgie ablaufenden Verfahren können sich die Bewohner,
die Unternehmer usw. jeder Zeit einbringen, ja regelrecht mitarbeiten. Die
Fachleute leiten den Prozess und arbeiten interdisziplinär zusammen. Die
Arbeit folgt einem strengen Ablaufplan, der eine Ergebnisgarantie darstellt.
Alle Erfahrungen des In- und Auslands zeigen, dass dies tatsächlich auch unter
den Bedingungen des deutschen Planungsrechtes möglich ist. Dennoch ist das
Charretteverfahren in Deutschland – im Gegensatz zum Ausland – ein noch
relativ wenig gebräuchliches Verfahren. Die Charrette gehört im englischen,
skandinavischen und amerikanischen Raum zu einem sehr verbreiteten und seit
etwa 10 Jahren erfolgreich angewandten Beteiligungsverfahren. Es erfordert
hohen Einsatz der Beteiligten, strikte Konzentration und ein hohes Maß an
Integrationsfähigkeit durch die moderierende und inspirierende Kerngruppe der
Charrette. Mit dieser aktionsbezogenen Art der Planung, der Ausrichtung auf
EIN gemeinsam zu erarbeitendes Endergebnis und einer strikten
Umsetzungsorientierung geht die Charrette über die Zukunftswerkstatt hinaus.
Da in Sundern für die Fußgängerzone bereits eine Zukunftswerkstatt vorbereitet
und durchgeführt wird, erscheint es sinnvoll, daran anzuknüpfen und diese auf
die umfassendere Ebene der gesamten Innenstadt mit Bezügen zur Stadtregion
auszuweiten – damit ist die Zukunftswerkstatt ein Teil eines gesamten
Planungs- und Umsetzungsprozesses. Das Ergebnis der Charrette ist ein
Rahmenplan für die gesamte Innenstadt mit ausgewiesenen Bereichen für sofort
aufzulegende B-Pläne (bei deren Erarbeitung kann auch das Instrument des
architektonischen Wettbewerbs angewandt werden – auch unter Einbeziehung
externen Sachverstands, z. B. von Hochschulen).
3. Charrette – ein Vorteil für die Stadt und für NRW
Mit der Anwendung eines Charrette-Verfahrens wird nicht nur ein innovatives,
international bewährtes Verfahren in NRW angewandt, es wird auch der
Erfahrungstransfer aus dem Stadtumbau-Ost für den Stadtumbau-West
praktizierbar gestaltet. Das Verfahren war bei Bundeswettbewerb Stadtumbau-Ost
im Jahr 2002 für die Konzipierung eines Stadtumbaukonzeptes für die Stadt
Gräfenhainichen angewandt worden und mit einem 1. Preis ausgezeichnet worden.
Die Stadt Gräfenhainichen ist in Größe und Struktur mit Sundern vergleichbar.
Im vorgeschlagenen Team würde als Moderator das Büro Dr. Kegler mitwirken, das
seinerzeit die Konzepterarbeitung in Gräfenhainichen geleitet hat
(www.charrette.de www.dr-kegler.de ).
Mit der Anwendung eines Charrette-Verfahrens soll nicht nur für die Stadt
Sundern die Erarbeitung der städtebaulichen Strategie geleistet werden. Es
soll zugleich die Übertragbarkeit für andere, vergleichbare Kommunen und
Regionen in NRW ausgelotet werden und Ansätze dafür herausgearbeitet werden.
Deswegen ist auch die Einbeziehung der Wissenschaft in das Verfahren, insbes.
durch die Universität Dortmund vorgesehen. Zudem wird die Charrette
stadtsoziologisch von der TU Berlin, Prof. Bodenschatz, begleitet, was die
Integration übergreifender Erkenntnisse der internationalen Stadtforschung und
die unmittelbare Bewertung der Planungs- und Stadtentwicklungsprozesse in
Sundern ermöglicht. Damit wird ein wichtiger Beitrag für eine
Verallgemeinerung der Ergebnisse in Sundern geleistet und zugleich ein Forum
für die interessierte Öffentlichkeit zu Fragen der Zukunft der Städte im
wirtschaftlichen und sozialen Umbruch geschaffen.
Es besteht die Absicht, dass damit auch über den engeren Charrette-Prozess
hinausgehend ein Zukunftsforum Sundern eingerichtet wird, das den weiteren
Umsetzungsprozess der Charrette-Ergebnisse bürgerschaftlich begleitet. Denn
auch in Zukunft werden in Sundern und der Region die Herausforderungen für den
Stadtumbau nicht geringer werden. Die Debatte wird fortgeführt werden. Mit der
Charrette im Zeitraum 2007 – 2008 soll also auch ein Impuls für die
Weiterführung gegeben werden. eine wissenschaftliche Fundierung dessen
erscheint zwingend, wenn nicht die Charrette eine „Eintagsfliege“ gewesen sein
soll.
Im Ergebnis der Charrette wird es eine Dokumentation des Prozesses geben.
Außerdem wird angestrebt, eine wissenschaftliche Veranstaltung mit Partnern
aus NRW durchzuführen, um die Ergebnisse, die Erfahrungen mit dem Verfahren
und Möglichkeiten der Übertragbarkeit für die Öffentlichkeit herauszuarbeiten.
Eine Veröffentlichung der Ergebnisse sollte gesondert geprüft werden.
Damit können sich auch die Region und das Land gegenüber Anderen als ein
Vorreiter bei der strategischen Neuorientierung der Stadtumbauprozesse in
Klein- und Mittelstädten unter direkter Beteiligung der Bevölkerung erweisen.
4. Der Arbeitsprozess in der Charrette
Die beabsichtigte Charrette Sundern wird in einem dreistufigen Prozess
durchgeführt:
A) Vorbereitungsphase
B) Hauptcharrettephase
C) Überleitungsphase
Insgesamt wird für den gesamten Prozess ein Gesamtzeitraum von ca. 8 Monaten
eingeplant. Das Endergebnis des Charretteprozesses ist ein umsetzungsfähiger
städtebaulicher Rahmenplan, der die Grundlage für die Bauleitpläne bzw. für
architektonische Wettbewerbe u. a. städtebauliche oder
Stadtmarketing-Aktivitäten bildet.
In der Vorbereitungsphase werden Recherchen, Analysen zur Situation, aber vor
allem Vorgespräche mit Akteuren aus unterschiedlichen Bereichen, mit
Verwaltungen und Behörden, mit Unternehmen und Interessengruppen geführt. Es
können auch Minicharrettes (Halbtageswerkstätten) zu ausgewählten
Sachverhalten veranstaltet werden, um inhaltliche Grundlagen zu ermitteln.
Außerdem erfolgt eine ex ante – Betrachtung der wirtschaftlichen Situation und
möglicher Entwicklungen aus ökonomischer Perspektive durch Developer.
In der Hauptcharrette wird in einem intensiven, 3- bis 4-tägigen
Arbeitsprozess, der eigentlich Kerninhalt erarbeitet. Dieser Arbeitsprozess
ist strikt öffentlich und offen. Er findet an einem für die Öffentlichkeit gut
zugänglichen Ort statt, wird öffentlich dokumentiert und folgt einem
festzulegenden genauen Ablaufplan, der wiederum öffentlich ist. Kern ist die
stete Rückkopplung der erreichten Ergebnisse in öffentlichen Foren. Die
Charrette wird mit einer Informationsveranstaltung – eine Woche vor der
eigentlichen Charrette – eröffnet. Während der Charrette wird parallel in
Arbeitsgruppen gearbeitet, werden Vor-Ort-Begehungen durchgeführt, werden
Fachleute und Behörden zu speziellen Themen konsultiert und regelmäßig alle
Ergebnisse im Plenum debattiert. Diese Ergebnisse fließen wieder in den
Arbeitsprozess zurück usw. bis dann nach drei Tagen ein von den Beteiligten
insgesamt getragenes Ergebnis erreicht ist. Am Ende gibt es eine
Plenarversammlung und eine kleines Fest, auf dem ein Stück gemeinsamer Zukunft
zelebriert wird. Begleitet wird der gesamte Prozess durch eine aktive
Medienarbeit.
Außerdem werden Hochschulen einbezogen, die durch Studenten die Arbeit
unterstützen, durch wissenschaftliche Impulse und Bewertungen den
Arbeitsprozess begleiten. In diese Phase der Arbeit werden, neben Studenten
aus Dortmund, auch Studenten der BTU Cottbus einbezogen, die bereits in
Charrette-Verfahren eingebunden waren und sich in der Lehre mit dem Stadtumbau
speziell beschäftigen. Weiterhin können spezielle Experten zu sich ergebenden
Fragen eingebunden werden.
Die Überleitungsphase ist dann ein Durcharbeitungsprozess, welcher durch ein
festgelegtes Team in wenigen Wochen vorgenommen wird. Am Ende steht der
städtebauliche Rahmenplan – als Strategie UND Umsetzungsplan. Dieser wird
ebenfalls noch einmal öffentlich diskutiert und dann in den Prozess der
förmlichen Auslegung, Erörterung und Beschlussfassung überführt. Damit kann
das Verfahren auch als eine zeitsparende Möglichkeit der frühzeitigen
Beteiligung der Öffentlichkeit nach § 3, Abs. 1, Pkt. 2 BauGB angesehen
werden, ohne dass eine Unterrichtung und Erörterung vollumfänglich in den
üblichen Auslegungs- und Anhörungsverfahren notwendig wird. Die Aufstellung
von Bebauungsplänen muss natürlich alle geforderten Schritte enthalten, jedoch
kann durch die aktive und frühzeitige Einbeziehung der Öffentlichkeit wie der
Träger öffentlicher Belange (TÖBs) ein erheblicher Arbeits- und Zeitaufwand
eingespart werden – ein großer Vorteil des Verfahrens, weswegen die Charrette
gerade im Ausland sehr verbreitet ist.
5. Der Zeitplan für die Charrette
Die Charrette wird prinzipiell in einem stufenförmigen Prozess durchgeführt
und erstreckt sich – nach der vorläufigen Planung – auf das 2. Quartal 2007
bis zum 1. Quartal 2008. Der Zeitplan muss natürlich als noch nicht
verbindlich und nur als Orientierung angesehen werden. Alle vorbereitenden
Arbeiten gelten noch als unverbindlich.
Die Vorphase
Ausgehend von den vorbereitenden Erkundungen, den verschiedenen informellen
Gesprächen Vor-Ort und bereits absolvierten Recherchen umfasst die eigentliche
Vorbereitungsphase den Zeitraum des 2. Quartals 2007 mit zielgerichteten
Analysen und vor allem Gesprächen/Interviews mit Stakeholdern der Stadt und
Region sowie mit den Medienvertretern. Es wird eine Medienpartnerschaft
angebahnt. Außerdem werden die wichtigen lokalen Vereine und Unternehmen
direkt angesprochen.
Auftakt: 29. März 2007 mit Beratung im Umwelt- und Planungsausschuss und ggf.
Beschlussfassung mit Auftragserteilung.
Vorbereitungswerkstätten zur Analyse am 25./26. 4. (in Berlin) und am
3./4.5.07 (in Sundern).
Mini-Charrette: 16./17. August
Ankunft der Planer in Sundern: gegen 17.00 Uhr, Beziehen des Quartiers, Aufbau
und Einrichten des Raumes im Kolpinghaus; das Stadtmodell wird bereits dort
sein, Vorgespräch etwa 20.00 Uhr mit Abendbrot.
17. August
Beginn: 9.00 Uhr, Treff des Kernteams im Kolpinghaus, Abstimmung des
Tagesablaufes, Einführung in die Methode
10.00 Uhr – öffentlicher Planungs-Spaziergang des Kernteams zu den relevanten
Orten des Stadtumbaus in der Kernstadt von Sundern; dabei: öffentliche
Planungs-Arbeit am mobilen Plantisch; Überprüfung von Annahmen und
Entwicklungsmöglichkeiten (bis 11.30 Uhr)
12.30 Uhr – öffentlicher Planungs-Spaziergang II durch die Fußgängerzone (bis
14.00 Uhr)
ab 14.00 Uhr Imbiss und Diskussion der Ergebnisse im Kernteam im Kolpinghaus
14.30 Uhr – Erarbeitung bzw. Diskussion der Thesen für die Stadtentwicklung
und der einzelnen Bereiche (Demografie, Entwicklungstrends, Probleme und
Chancen für die Kernstadt von Sundern)
16.00 Uhr - Kaffeepause und Vorbereiten des Raumes für die öffentliche
Diskussion
16.30 Uhr – Öffnung der Charrette für die interessierte Öffentlichkeit (der
Raum steht auch vorher schon für spontane Besucher offen): Beginn der Arbeit
in thematischen bzw. räumlichen Gruppen, Kernteam plus Interessierte – als
Einstimmung in die Plenumsveranstaltung
18.00 Uhr – Planungsarbeit im Plenum zu ersten Planungsüberlegungen für die
Kernstadt von Sundern
moderierte Planungswerkstatt – Arbeit am Gesamtplan sowie an Teilbereichen –
Ideen und Nutzungsvorstellungen aus unterschiedlichen Perspektiven
(diese Zeit wird gesondert als der eigentliche Beginn der öffentlichen
Veranstaltung bekannt gegeben)
20.00 Uhr – Abschluss der Diskussion, Ausblick und Festlegung der nächsten
Schritte
anschl.: Pressegespräch
20.30 Uhr - Ende der öffentlichen Veranstaltung, anschließend Auswertung im
Kernteam, Abendbrot
18. August
9.00 Uhr - anschl. Abbau und Abreise (10.00 Uhr)
Die Hauptcharrette findet vom 06. bis 08.September .2007 in Sundern statt.
Die Nachbereitung und Durcharbeitung der Charretteergebnisse zur Erstellung
des Rahmenplanes findet mit Arbeitstreffen im November sowie nach Abstimmung
im Dezember 2007 und Januar 2008 statt. Für den 18.02.2008 ist die
Abschlussberatung im Umwelt- und Planungsausschuss in Sundern vorgesehen. Im
März wird dann das Material endgültig der Öffentlichkeit in Sundern übergeben.
Ablauf der Hauptcharrette:
Anreise: 05.09.2007 – Beziehen der Arbeitsräume
16.00 Uhr - Vorgespräch mit dem Bürgermeister, Pressetermin
1. Tag (ß6.09.): „Annäherung“
09.00 Uhr – Arbeitsbeginn der Kern-Gruppe, Anlaufberatung für den Tag
10.00 Uhr – offizieller Beginn mit einer ersten Ideenrunde
12.00 Uhr – Zusammenfassung und Fixierung der „Thesen zu Sundern“
Imbiss
13.00 Uhr – öffentlicher Stadtrundgang (vom Bahnhof zum Gelände Schulte-Ufer)
15.00 Uhr – öffentliches „Kaffeetrinken“ in der Fußgängerzone mit
Planungsaktion
16.00 Uhr – Fortsetzung der Arbeit im Arbeitsraum: Konstituierung der
thematischen Arbeitsgruppen
19.00 Uhr – öffentliche Diskussion der ersten Ergebnisse im Kreise der
Stakeholder
anschl. Abendbrot
2. Tag (07.09.2007): „Ausarbeitung“
09.00 Uhr – Arbeitsbeginn der Kerngruppe, Auswertung des ersten Tages,
Anlaufberatung 2. Tag
10.00 Uhr – Arbeitsbeginn in thematischen Arbeitsgruppen (Gestaltung, Verkehr,
Handel, Unternehmen, Infrastruktur, Stadtkultur, Freiraum, Region, ...),
Konsultationen mit Fachexperten, umwelt-, planungsausschuss, Stakeholdern
etc., Aktion mit Kindern
12.00 Uhr – Zwischenreflexion in der Kerngruppe mit dem Bürgermeister
Mittagsimbiss
13.30 Uhr – Fortsetzung in Arbeitsgruppen mit externen Partnern (nach
Vorabstimmung)
16.00 Uhr – Zwischenfazit
17.00 Uhr – Fortsetzung in Arbeitsgruppen bzw. Vorortgespräche, Aktion mit den
evangelischen und katholischen Kirchgemeinden, Migrantenvertretern
(ausländische Vereine), Behindertenvertretern, dem Heimatbund, dem
Schützenverein u. a. relevanten Partnern
19.00 Uhr – Vortrag zu übergreifenden Entwicklungen der Städte beim Übergang
von der industriellen zur postindustriellen Entwicklung und der Relevanz für
Sundern (unter Einbeziehung der ersten Zwischenergebnisse der Charrette);
öffentliche Diskussion
21.00 Uhr – gemeinsames Abendessen der Kerngruppe mit ausgewählten
Stakeholdern und Planungsdiskussion
3. Tag (08.09.2007): „Zusammenführung“
9.00 Uhr – Arbeitsbeginn der Kerngruppe, Auswertung des zweiten Tages,
Anlaufberatung 3. Tag
10.00 Uhr – Arbeitsbeginn in Arbeitsgruppen und Konsultationen mit
Fachexperten bzw. Vertretern der Öffentlichkeit
12.00 Uhr – Zwischenfazit, mit Diskussion mit Stadträten
Mittagsimbiss
14.00 Uhr – interne Diskussion in der Kerngruppe zur Integration der
Ergebnisse
16.00 Uhr – Ausarbeitung der Bestandteile für die Abschlussdiskussion auf den
Ebenen Region, Gesamtstadt, Zentrum und Teilbereiche
18.00 Uhr Abstimmung für die Abschlussdiskussion, Vorab-Pressegespräch
19.00 Uhr – öffentliche Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse
22.00 Uhr – gemeinsames Abschlussabendessen an der Röhr mit öffentlicher
Präsentation der Ergebnisse im Stadtraum (mediale Präsentation)
4. Tag (09.09.2007): Abreise
10.00 Uhr – Aufräumen und Zusammenstellen der Materialien, Verabschiedung
12.00 Uhr - Abreise
Die Überleitungsphase
Die Nachbereitung der Hauptcharrette findet ab Oktober 2007 statt. Dazu werden
im November Arbeitstreffen vereinbart, bei denen die Ergebnisse reflektiert
und ggf. Details nachgearbeitet werden. Dann wird der Entwurf des Rahmenplans
ausgearbeitet und den Beteiligten – insbesondere den Stakeholdern) zur
informellen Stellungnahme übermittelt (elektronisch bzw. als Auslage im
Rathaus).
Nach Einarbeitung der Hinweise wird der Entwurf des Rahmenplanes im Umwelt-
und Planungsausschuss letztmalig zur öffentlichen Diskussion gestellt
(18.02.2008). Danach wird der Rahmenplan/Masterplan „Zukunft Sundern“
ausgefertigt und im März 2008 der Stadt mit einer festlichen Stadtbegehung
offiziell überreicht. Auf der Grundlage der im Rahmenplan enthaltenen
Handlungsschritte leitet die Stadt Sundern dann die Umsetzung der Ergebnisse
ein.
Anschließend wird ein ganztägiges wissenschaftliches Symposium in Sundern
durchgeführt, bei der die Ergebnisse aus wissenschaftlicher Sicht reflektiert
werden und Möglichkeiten der Übertragbarkeit für vergleichbare Fälle NRW
herausgearbeitet werden.
6. Das Ergebnis und ein Ausblick
Als Ergebnis der Charrette-basierten Planung wird ein strategischer Rahmenplan
– getragen vom breiten Willen der städtischen Öffentlichkeit – mit der
Ausweisung von sofort realisierbaren Vorhaben, für dann jeweils – nicht
unbedingt durch die Kommune – Bebauungspläne zu erstellen sind. Durch breite
und aktivierende Mitwirkung der Öffentlichkeit und der Genehmigungsbehörden
verringern sich die Zeit- und Kostenaufwendungen für die Genehmigungen der
folgenden Bebauungspläne und es kann deutlich schneller zur Umsetzung des
Vorhabens gelangt werden.
Diese Form der frühzeitigen Beteiligung ermöglicht auch eine Signalwirkung:
die Bürgerschaft der Stadt, Unternehmen und Akteure der Region sind
aufgerufen, sich wirklich frühzeitig gestaltend und inspirierend in die
Zukunftsplanung der Stadt einzubringen. Sie werden ernst genommen – das ganze
wird keine „Fingerübung“ oder formale technokratische Planung. Die Charrette
ist ein lebendiger Prozess, der maßgeblich im kooperativen, moderierten
Miteinander von Fachplanern, Bürgern, der Verwaltung, den Stadträten und den
regionalen Fachgremien zu einem gemeinsam getragenen Ergebnis geführt wird.
Dabei kann gezeigt werden, dass Stadtplanung, ein ansonsten „trockenes“
Metier, auch ein Erlebnis sein kann.
Es wird aber darauf ankommen, dass der weiterführende Planungs- und
Umsetzungsprozess die Atmosphäre und den „Geist“ der Charrette weiter trägt
und die Impulse nicht „versanden“. Dafür ist im Charrette-Prozess selbst die
Grundlage zu legen. Die Stakeholder, die Stadträte und die Verwaltung sind
hier gefordert.
Die Aktivitäten zur Anbahnung der Charrette waren sehr ermutigend und ließen
bereits das vitale Interesse und den Willen der Akteure erkennen, sich aktiv
in Gestaltung einer neuen Zukunft von Sundern in NRW einzubringen.
Dipl.-Ing. Meinolf Kühn, Stadt Sundern, Dr. Harald Kegler, Labor für
Regionalplanung, Dessau
Beigeordneter
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